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"Wir wollten einfach mal was Neues machen"

Kleinkunst und mehr: Die Reihe "Wohnzimmer BB" im Böblinger Blauen Haus will Newcomern und Routiniers eine Bühne bieten

Artikel vom 27. November 2018 - 15:06

BÖBLINGEN (red). Das Kulturnetzwerk Blaues Haus hat am Freitagabend eine gelungene Premiere mit seinem Format "Wohnzimmer BB" gefeiert. Die Auftritte von Helge Thun, Jochen Erich Abel und Johann Theissen bescherten dem Publikum einen enorm unterhaltsamen Abend.

Genau genommen handelte es sich gar nicht um eine Premiere: Die Veranstaltungsreihe "Wohnzimmer BB" gab es beim Kulturnetzwerk Blaues Haus nämlich schon länger - bisher allerdings als reines Konzertangebot. Die eigentliche Premiere besteht in der veränderten inhaltlichen Ausrichtung: "Wir wollten einfach mal wieder etwas Neues machen", erklärt Gabriele Branz, Programmchefin im Blauen Haus, "etwas, bei dem wir auch Kabarett, Comedy und weitere Bereiche der Kleinkunst hier auf die Bühne bringen können."

Generell soll das "Wohnzimmer" künftig in gemütlicher Runde als Podium für alles Mögliche offen sein - auch Lesungen und natürlich weiterhin Musik können Teil des Programms sein - der Kern der Idee sieht allerdings vor, Newcomern ein Podium zu geben sowie arrivierten Künstlern, die etwas Neues ausprobieren wollen.

Unter dieses Motto hatte auch Helge Thun seinen Auftritt am Freitag gestellt und war damit ein Glücksgriff für die Premiere des neuen Wohnzimmers. Einen besseren Auftakt hätte man sich nämlich kaum wünschen können. "Sie werden heute ausnahmslos Weltpremieren sehen", erklärte der in Tübingen ansässige Komiker, Zauberkünstler und Entertainer, der im Oktober bereits beim Night-Talk im Blauen Haus zu Gast war. Mit seiner humorvoll-charmanten Art warb er damals bereits für seinen Auftritt beim "Wohnzimmer" - offenbar mit Erfolg, denn am Freitag war der Veranstaltungsraum bis zum letzten Platz gefüllt.

Einen Teil des zweistündigen Abendprogramms bestritt der fingerfertige Künstler mit Kartentricks. Die Zaubereien versetzen die rund 60 Besucher ein ums andere Mal ins Staunen, sorgten vor allem aber für gute Laune, denn Thun präsentierte seine Tricks so witzig, dass es zwischen ungläubigen "Ohs" und "Ahs" immer wieder zu anhaltenden Lachkaskaden kam. Auch Helfer aus dem Publikum holte sich der Künstler nach vorn auf die Bühne und zeigte dabei, dass er für seine Karten wirklich im wahrsten Sinn Feuer und Flamme ist.

"Bei all meinen Programmen und sonstigen Aktivitäten kamen die Kartentricks in letzter Zeit deutlich zu kurz", meinte Thun, dessen Karriere mit Zaubertricks begann, nach der Show, "da war es richtig toll, in so einer angenehmen Umgebung mal wieder etwas Neues auszuprobieren und zu sehen, dass es funktioniert." Dass er die Tricks noch nie vor Publikum präsentiert hatte, merkte man dem Profi zu keiner Zeit an.

Ebenso professionell trug Helge Thun Texte, Gedichte und Vierzeiler zu aktuellen Themen im Stil von Robert Gernhardt und Heinz Erhardt vor. Auch drei Zeichentrickfilme, die über den Beamer eingespielt wurden, und historische Geschehnisse - gereimt und pointiert vorgetragen - gehörten zum abwechslungsreichen Abend: "Romeo und Julia", "Orpheus und Eurydike" und "Cyrano de Bergerac". Erstellt haben die Filme, die ein wenig an Monty Pythons Zeichentrick-Einspieler erinnerten, Helge Thun und seine Frau Carolin Schattenkirchner.

Überzeugendes Gesamtkonzept

Die Musik steuerte der Komponist und Musiker Jochen Erich Abel bei. Dieser war ebenfalls Teil des Abends. Der begnadete Pianist spielte zwischen den Comedy-Parts immer wieder Stücke aus seinem Repertoire, darunter Walzer "ohne Namen" und Stücke mit klingenden Titeln wie "Nachts ohne Brille. Am Hang". Die Musikstücke fügten sich kontrapunktisch aber harmonisch ins Programm ein und verschafften dem Publikum die entsprechenden Ruhepausen, um sich danach auf den dritten Künstler des Abends konzentrieren zu können: Comedian Johann Theisen. Der Stuttgarter arbeitet derzeit an seinem ersten Solo-Programm und nutzte das "Wohnzimmer" - ganz im Sinn des Konzepts - um einzelne Stand-up Nummern auszuprobieren.

Diese kamen beim Publikum gut an, wenngleich Helge Thun noch einen Tick mehr Applaus bekam - aber die Gesamtkomposition machte den Abend zu einem echten Highlight. Wenn es nach den Zuschauern geht, die sich frenetisch Zugaben erklatschten, dann dürfen kommende Auflagen der "Wohnzimmer BB"-Reihe gerne eine ähnliche Mischung von Neulingen und Routiniers auf die Bühne bringen.

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