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Junge Landesbühne Esslingen spielte Bühnenklassiker "Cyrano"

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    Eine große Nase und eine noch größere Liebe: Cyranos Herz gehört der schönen Roxane Foto: WLB

Artikel vom 21. November 2018 - 18:18

Von Anne Abelein

BÖBLINGEN. Am Sonntag war die Württembergische Landesbühne Esslingen in der Gastspielreihe der Böblinger DAT-Kunstschule für Kinder und Jugendliche im Städtischen Feierraum zu Gast. Die Esslinger beglückten die Zuschauer mit einer sehr gelungenen Inszenierung eines romantischen Klassikers.

Die Tragikomödie "Cyrano de Bergerac" stammt von Edmond Rostard und aus dem Jahr 1897. In der Bearbeitung von Jo Roets und Greet Vissers heißt sie aber kurz "Cyrano". Genauso eingedampft und auf das Wesentliche reduziert ist auch das Stück der Landesbühne Esslingen (Regie: Jakob Weiss). Akteure gibt es drei: Alessandra Bosch ist Roxane, Cyrano wird von Daniel Großkämper verkörpert, und alle übrigen Figuren übernimmt Timo Beyerling. Die Landesbühne hat einen eigenen Bühnenaufbau mit Samtvorhang mitgebracht. Es ertönen barocke Klänge, aber die präsentieren sich ganz modern und erinnern an Computer-Kompositionen. Die komplett mit Goldfolie ausgekleidete Guckkastenbühne nimmt ein Podest ein.

Cyrano möchte die schöne Roxane erobern, wagt es aber aufgrund seiner großen Nase nicht. Stattdessen leiht er einem Nebenbuhler sein poetisches Talent. Dank gewandter Fechtszenen (Cyrano ist ein Meister der Klinge und des fein geschliffenen Worts zugleich) ist den dreien die Aufmerksamkeit des jungen Publikums gleich sicher.

Cyrano tritt gegen den fiesen Grafen Guiche an, der die schöne Roxane heiraten möchte. Cyrano will das verhindern. Eine wirkliche Herausforderung ist der Kampf aber nicht - Cyrano hat Zeit, sich in Ruhe mit dem Degen am Rücken zu kratzen und seinen Gegner verbal zu demütigen. Cyranos eigentliche Aufmerksamkeit gilt seiner Cousine Roxane (gewitzt und warmherzig verkörpert von Alessandra Bosch). Nur leider duckt sie sich hinter dem Podest einfach ab, und Cyranos Werben verhallt ungehört.

Die Gastspielreihe der DAT-Kunstschule (die Abkürzung steht übrigens für "Dance, Art, Theater") existiert nun schon seit zwei Jahren und erfreut sich regen Zuspruchs. "Jede Altersklasse bekommt ihr Stück", sagt Schulleiterin Prisca Maier-Nieden. Heute an der Reihe: 14-Jährige, auf die das Stück perfekt passt, haben doch auch Pubertierende mit der Anbahnung erster Beziehungen und ihrem Äußeren zu kämpfen.

Sollte Cyrano der schönen Roxane einfach seine Liebe gestehen? Niemals! Schließlich ist ihm immer seine große Nase im Weg. Zumindest denkt er das. Tatsächlich lässt ihn Daniel Großkämpers Schauspielkunst von Beginn an charismatisch-einfühlsam erstrahlen. Wenn er in direkter Publikumsansprache seinen Zinken und Trumm selbstironisch ins Unermessliche wachsen lässt, schrumpft der Makel rasch auf völlige Bedeutungslosigkeit zusammen. Wenig später kommt es endlich zu einem Treffen mit Roxane. Cyranos Aufregung weicht aber bald der Enttäuschung: Sie will ihm lediglich offenbaren, dass sie sich in den Kadetten Christian verguckt hat, und bittet Cyrano inständig, ein Auge auf ihn zu haben. Schweren Herzens fügt er sich seinem Schicksal.

Sein Rivale (Timo Beyerling: tumb und großspurig), der in einer langen Unterhose mit Hosenträgern und einem mächtig aufgeplusterten Schulterjäckchen steckt, macht von Anfang an eine schlechte Figur. Er zielt auf Cyranos empfindlichsten Punkt, und die Verballhornungen der Nase verfehlen nicht die Wirkung beim jungen Publikum.

Allein - sein Redetalent beschränkt sich aufs Spotten. Soll er den Liebhaber hervorkehren, kann er nur in abgehackten Silben sprechen. Missmutig sitzen er und Cyrano, die sich nun vorgestellt haben, zusammen und bedauern ihre verknotete Zunge respektive hervorstechende Nase.

Tragische Wende zum Schluss

Was dann geschieht, drängt sich förmlich auf: Cyrano leiht Christian seine geschmeidige Sprache und kann in literarisch brillant gestalteten Liebesbriefen Roxane nahe sein. Christian dagegen misslingt es, sich von Cyrano zu emanzipieren. Als er Roxane treuherzig mit Drei-Wort-Sätzen zu erobern versucht, lässt das Timo Beyerling spektakulär und für das Publikum sehr unterhaltend schiefgehen. Cyrano muss ihm die Koseworte also auch noch einflüstern - nein, er muss Christian sogar synchronisieren, worauf sich Roxane hell entzückt und träumerisch im Kreise zu drehen beginnt.

Ins Tragische schlägt das Stück um, als Graf Guiche von Christians Beziehung und der dann überstürzt vollzogenen Heirat Wind bekommt. Von Spaniern umzingelt lässt er die Kadetten im Stich. Christian kommt um, und der fassungslose und betrübte Cyrano lässt ihn in dem Glauben, dass Roxane ihn um seiner selbst willen liebt. Er selbst offenbart sich nicht. Erst 15 Jahre später enthüllt sich Roxane der Zusammenhang, und da ist es zu spät, denn Cyrano liegt im Sterben. Am Ende gibt es kräftigen Applaus für die Akteure.

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