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Reiche Ernte drückt auf den Preis

Landkreis Böblingen wirbt für seine Apfelsaft-Initiative - Streuobstwiesenpflege wird belohnt

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    Apfelernte mit der Familie: Naturpflege im Landkreis Böblingen Foto: red

Artikel vom 08. November 2018 - 17:12

KREIS BÖBLINGEN (red). Seit 20 Jahren gibt es den Landkreis-Apfelsaft. Allerdings hat die reiche Ernte in diesem, Jahr die Preise sinken und die Enttäuschung der Streuobstwiesenbesitzer steigen lassen. "Wir können in die Preispolitik am Markt nicht eingreifen, können aber im Rahmen unserer Möglichkeiten Unterstützung bieten", betont Landrat Roland Bernhard. "Der Erhalt der Streuobstwiesen ist ein zentrales Thema bei uns, auf das wir großes Augenmerk legen und das uns wichtig ist".

Die Apfelsaft-Initiative des Landkreises Böblingen sei dazu ein Baustein. "Ihr Prinzip ist einfach: Die Erzeuger, die beim Landkreis unter Vertrag sind, erhalten für ihr Obst einen Aufpreis von 7,50 Euro pro Doppelzentner, den der Verbraucher über einen etwas höheren Preis für den Landkreis-Apfelsaft mitfinanziert. Die Obstbaum-Besitzer wiederum verpflichten sich, ihre Streuobstwiesen nachhaltig zu pflegen und so langfristig zu erhalten", heißt es von Seiten des Böblinger Landratsamtes.

Je mehr Saft verkauft wird, desto mehr Obst kann man annehmen

Die Obstmenge, die angenommen werden kann, ist jedoch begrenzt durch die Absatzerwartungen der verarbeitenden Betriebe. Deshalb können aktuell neue Flächen und Bewirtschafter nur unter Vertrag genommen werden, wenn bisherige Lieferanten ausscheiden oder durch Absatzsteigerungen mehr Saft benötigt wird, betont die Landkreis-Verwaltung. "Es gilt also, für den Landkreis-Apfelsaft zu trommeln", wirbt der Landrat: Je mehr Saft verkauft wird, desto mehr Obst könne angenommen, desto mehr Erzeuger könnten unter Vertrag genommen werden. "Mit einem Saft aus der eigenen Region aktiv etwas für den Erhalt der schönen Streuobstwiesen tun zu können, ist eine prima Motivation", findet Bernhard.

In diesem Jahr konnte mit rund 550 Tonnen Annahmemenge deutlich mehr Obst angenommen werden als sonst. Der Durchschnitt liegt bei 350 Tonnen. Marktüblich wären für diese Obstmenge rund 35 000 Euro, im Rahmen der Landkreis-Apfelsaftinitiative werden dafür laut Landratsamt rund 73 000 Euro ausbezahlt.

20 Jahre Landkreis-Apfelsaft
Aktuell produzieren 470 Erzeuger Kreisapfelsaft. Sie bewirtschaften 190 Hektar Wiesenfläche und rund 8700 Bäume. Als die Landkreis-Apfelsaftinitiative im Jahr 1998 an den Start ging, waren 200 Erzeugern mit 110 Hektar Wiesenfläche und 4700 Bäumen beteiligt, rechnet der Obstbau-Berater Manfred Nuber vor.
Seit ihrem Bestehen wurden bis heute rund 7000 Tonnen Äpfel aus Streuobstwiesen verarbeitet. Das ergab rund 5,3 Millionen Liter Apfelsaft zu einem Marktpreis von rund 500 000 Euro.
Durch den Aufpreis für den Landkreis-Apfelsaft ergibt sich ein Ertrag von einer Million Euro. Somit haben die Erzeuger durch die Landkreis-Apfelsaft-Initiative in den vergangenen 20 Jahren eine halbe Million Euro mehr erhalten, als der Marktpreis bot.
Durch einen Nachpflanzungszuschuss des Landkreises wird zudem die Verjüngung des Baumbestandes gefördert. Je Baum gibt es 20 Euro. Jährlich stehen hierfür 20 000 Euro zur Verfügung - bedeutet also Geld für bis zu 1000 Bäume.
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