Anzeige

Einem Pflegeheim droht der Abbruch

Bei der Kreisversammlung des DRK warnt Präsident Steindorfner vor den Konsequenzen einer Landesheimbauverordnung

  • img
    Trotz solider Basis sieht Kreispräsident Michael Steindorfner auch Probleme auf das DRK im Kreis zukommen Foto: red

Der Kreisverband Böblingen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bietet mehr als 1000 Menschen Arbeit. Bei der Kreisversammlung im Maichinger Bürgerhaus betonte Präsident Michael Steindorfner, dass das DRK auf einer soliden wirtschaftlichen und personellen Basis stehe. Dennoch gibt es Sorgen.

Artikel vom 23. Oktober 2018 - 20:18

KREIS BÖBLINGEN (red). Steindorfner verdeutlichte das gute Fundament mit Zahlen. So gehören dem DRK-Kreisverband Böblingen neben den hauptamtlichen Mitarbeitern knapp 1800 ehrenamtliche Helfer und rund 1250 Jugendliche sowie über 24000 Fördermitglieder an. Schatzmeister Wolfgang Frank erläuterte, dass der Kreisverband mit den Töchtern Altenpflegeheime, Rettungsdienst, Service und Krankentransport und Soziale Dienstleistungen zum Jahresende 2017 eine Bilanzsumme von rund 58,8 Millionen Euro vorweist. Frank sprach wie der Präsident von gesunden Strukturen mit einem kontinuierlichen Wachstum und bezeichnete den Kreisverband mit seinen Tochtergesellschaften als "starken mittelständischen Betrieb". Doch nicht allein das Wachstum sei wichtig, vielmehr habe man auch im 151. Geschäftsjahr "die humanitäre Seite, die Menschlichkeit nie aus den Augen verloren".

Dennoch plagen das Rote Kreuz laut einer Pressemitteilung auch erhebliche Sorgen. In diesem Zusammenhang richtete Präsident Michael Steindorfner drei dringende Appelle an die Landespolitik in Baden-Württemberg. Zunächst sprach der Präsident die Freistellung ehrenamtlicher Einsatzkräfte bei der notwendigen Ausbildung und in Aktion an. Er warf dabei die Frage auf, weshalb es beispielsweise in Bayern möglich sei, dass ehrenamtliche Helfer durch gesetzliche Regelungen besser gestellt werden und dort nicht mehr nur Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren, sondern auch ehrenamtliche Einsatzkräfte von Hilfsorganisationen einen Anspruch darauf haben, für Einsätze bei vollem Gehalt von ihrer Arbeit freigestellt zu werden - in Baden-Württemberg jedoch nicht.

Die Helfer des Roten Kreuzes seien bei ihren Einsätzen und ihrer mittlerweile in großem Umfang werktags stattfindenden Ausbildung immer häufiger darauf angewiesen, Urlaub zu nehmen, um den Einsatz leisten zu können. "Ein unzumutbarer Zustand", rief der Präsident unter starkem Beifall der Versammlung.

Probleme bereitet dem Roten Kreuz auch die neue Landesheimbauverordnung, die zum 1. September 2019 in Kraft tritt. Neben der in der Öffentlichkeit diskutierten Einzelzimmerfrage würden die vor Jahren auch vom Land genehmigten und geförderten Einrichtungen durch andere Vorgaben in ihrem Betrieb massiv gefährdet, kritisierte Steindorfner. Viele Bestandsbauten ließen eine Umsetzung dieser Vorgaben - wenn überhaupt - nur mit immensen finanziellen Mitteln zu.

Dies sei eine Vernichtung von Geldern sowie dringend benötigten Pflegeplätzen und verteuere zudem massiv die Pflege, tadelte der Präsident. Bei einer rigorosen Umsetzung der Verordnung müsste eines der DRK-Pflegeheime im Kreis, das sich in gutem Zustand befinde, möglicherweise sogar abgerissen werden, formulierte Michael Steindorfner die schlimmsten Befürchtungen. Eine solche Konsequenz sei weder aus menschlichen noch aus wirtschaftlichen Gründen zu verantworten.

"Dringend notwendig" ist für Steindorfner auch eine landesweit einheitliche Regelung für die Handlungskompetenzen der Notfallsanitäter. Immerhin seien inzwischen bereits fast fünf Jahre seit dem Inkrafttreten des Notfallsanitätergesetzes im Land Baden-Württemberg verstrichen, beklagte Präsident Steindorfner.

Höchste Landesauszeichnung für den DRK-Kreischef

In einem Grußwort riet der CDU-Bundestagsabgeordnete Marc Biadacz, mit mehr Gelassenheit an Themen heranzugehen, warb für das Fachkräftezuwanderungsgesetz und bot an, im ersten Quartal des nächsten Jahres ein Gespräch mit dem DRK-Kreisverband und seinen Abteilungen zu führen. Martin Wuttke, Erster Landesbeamter im Landratsamt, sprach von einer immensen Arbeit, die das Rote Kreuz im Kreis Böblingen leiste. Er bezeichnete dabei das Rote Kreuz als "wichtige Stütze des sozialen Friedens" und bedankte sich für eine gute und vertrauensvolle Partnerschaft.

Michael Steindorfner wurde anschließend mit der Henry-Dunant-Plakette ausgezeichnet. Der ehemalige Vorsitzende des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg Lorenz Menz, überreichte Steindorfner diese höchste Auszeichnung des baden-württembergischen Roten Kreuzes. Menz unterstrich, dass Rote-Kreuz-Arbeit immer Gemeinschaftsarbeit sei. Er bescheinigte dem DRK-Kreisverband, Vorbildliches geleistet zu haben und bezeichnete den Kreisverband als "sympathische Rot-Kreuz-Familie".

Es brauche auch Persönlichkeiten wie Michael Steindorfner, um dies alles bewerkstelligen zu können. In seiner Amtszeit als Präsident des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg habe er Michael Steindorfner nicht nur als exzellenten Juristen, sondern auch als einen Menschen kennen gelernt, "der mit Leib und Seele DRK-Mann ist", sagte Menz. Steindorfner gehört seit 1997 dem Präsidium des DRK-Kreisverbandes Böblingen an, seit dem Jahr 2006 fungiert er als Präsident.

Verwandte Artikel