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Judith Goldbach begeistert mit Bartók-Projekt

Judith Goldbach Quartett präsentiert Bartók-Programm mit ungewöhnlicher Begleitung in der Martinskirche Weil im Schönbuch

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    Ungewöhnliche Klänge in der Martinskirche Foto: Gaetano di Rosa

Artikel vom 22. Oktober 2018 - 19:00

WEIL IM SCHÖNBUCH (edi/red). Die in Altdorf und Schönaich aufgewachsene Kontrabassistin Judith Goldbach hat am Samstagabend in der Martinskirche Weil im Schönbuch ein außergewöhnliches Konzert präsentiert. Gemeinsam mit ihrem Jazzquartett, dem Handglockenchor Glox und Klaus Hügel an der Orgel stand die Musik ihres aktuellen Albums "Diary of a Fly" auf dem Programm.

Auf ihrer im letzten Jahr erschienen CD stellt Goldbach Béla Bartóks Kompositionen in einen neuen Kontext und baut eine klangvolle Brücke zwischen Klassik und Jazz. Aus dieser für sich schon reizvollen Konstellation machte die Vize-Landesjazzpreisträgerin des Jahres 2015 gemeinsam mit dem Schönaicher Pianisten Klaus Hügel (Orgel) und dem von ihm gegründeten Handglockenchor Glox ein außergewöhnliches Konzerterlebnis, an dessen Ende rund 200 Zuhörer in der gut gefüllten Martinskirche begeistert Beifall spendeten.

"Es war ein gewagtes Experiment, aber am Ende waren wir alle sehr zufrieden", fasst Gerd Kaufholz den Abend rückblickend zusammen. Der Vorsitzende des Kulturkreises Weil im Schönbuch hatte bereits seit längerer Zeit die Idee, Judith Goldbach mit ihren Quartett nach Weil im Schönbuch zu holen. Die im Kulturkreis engagierte Sopranistin Judith Erb kennt Judith Goldbach. Vor zwei Jahren hatte sie die Kontrabassistin zu einem Trio-Konzert ins Bürgerhaus eingeladen.

Seitdem verfolgte Kaufholz aufmerksam Goldbachs weitere Arbeit. Als die Jazzmusikerin und ihr Quartett im letzten Herbst im Birdland 59 Jazzclub in Ettlingen ihr Bartók-Projektalbum vorstellte, war Kaufholz vor Ort. "Das hat mich einfach beeindruckt", erklärt der Kulturkreis-Chef, warum er seitdem darauf hinarbeitete, dieses Konzertprogramm nach Weil im Schönbuch zu holen.

Weil er befürchtete, der Bürgersaal könnte für dieses Konzerterlebnis zu klein sein, fragte er bei Pfarrer Kurt Vogelgsang und der evangelischen Kirchengemeinde nach, wo man sich spontan bereit erklärte, den Sakralbau für dieses Konzert zu Verfügung zu stellen.

Durch die Ortswahl ergab sich die erste klangliche Änderung, denn anstatt auf dem Klavier erklangen die Bartók-Stücke nun auf der Orgel. "Warum nicht?", hatten Judith Goldbach und Klaus Hügel sich gefragt. Die beiden kennen sich aus gemeinsamen Schönaicher Zeiten und hatten bis zur ersten und einzigen gemeinsamen Probe am eigentlichen Konzerttag bereits monatelang auf den Auftritt hingearbeitet.

Weil Hügel für Goldbachs "Diary of a Fly"-Album bereits das Handglockenstück "Morgen danach" eingespielt hat (Goldbach: "Mein Lieblingsstück auf der CD"), kam die Idee auf, auch das von Hügel gegründete Glox-Ensemble einzubeziehen. "Seit ich diese Schnapsidee hatte, haben wir immer davon geredet, dass wir mal etwas zusammen machen wollen", erzählt Klaus Hügel. "Zumal wir in unserem Quartett ja auch ein Vibraphon und ein Marimbaphon haben. Der Glockensound passt da total gut dazu", sagt Goldbach. Auch mit der Akustik in der Kirche waren die Musiker zufrieden. "Wir hatten vorher die Sorge, dass der Klang nicht der richtige sein würde, aber mit der Holzdecke in der Martinskirche hat der Sound voll gepasst", findet Goldbach.

Die Publikumsreaktionen machten es deutlich: Das klangliche Experiment ist voll aufgegangen: Jeweils im Wechsel wurden die Bartók-Kompositionen auf der Orgel und im Anschluss von Goldbachs Quartett interpretiert. Im weiteren Konzertverlauf kam auch der Glockenchor zum Einsatz. Bei dem Stück "Qualvolles Ringen" übernahm Glox sogar anstelle der Orgel den Klavierpart.

"Ehrfürchtiger Applaus"

Von Bartóks zum Teil recht ruppigen Tönen und den mitunter harschen Übergängen ließ sich das Publikum zur Überraschung von Klaus Hügel nicht schrecken - ganz im Gegenteil: "Der Applaus war unglaublich stark", staunt der Organist. Gerd Kaufholz spricht von "ehrfürchtigem Applaus" und Judith Goldbach freut sich, dass "alle ganz konzentriert zugehört haben".

Bleibt nur die Frage, ob dieses Konzert ein einmaliges Erlebnis bleiben oder ob es eine Fortsetzung geben wird. "Das wäre wirklich der Wahnsinn, wenn wir das nochmal machen könnten", hofft Judith Goldbach nach der vielen Arbeit und all dem Herzblut, das in das Projekt geflossen sei, auf eine weitere Auflage. Einen Termin gibt es aber noch nicht.

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