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Auferstehungskirche in Sindelfingen bekommt Tierschutz-Plakette

"Lebensraum Kirchturm": Mit der Auferstehungskirche in Sindelfingen haben NABU-Naturschützer das 23. Gotteshaus ausgezeichnet

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    Aus die Maus: Eine Turmfalken-Dame versorgt ihre Brut Foto: Siegfried Tenczer

Seit mehr als zehn Jahren können Kirchen, die einer Tierart ein Zuhause geben, mit der Plakette "Lebensraum Kirchturm" ausgezeichnet werden. 23 sind es mittlerweile in Böblingen, Sindelfingen und drum herum. Dieser Tage hat auch die Auferstehungskirche in der Viehweide eine Urkunde erhalten. Dort nisten Falken.

Artikel vom 19. Oktober 2018 - 15:42

Von Siegfried Dannecker

KREIS BÖBLINGEN/SINDELFINGEN. Was der Naturschutzbund Deutschland (NABU) 2007 zusammen mit dem Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen angestoßen hat - das hat auch im Kreis Böblingen eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Wie viele Gotteshäuser zwischen Weissach und Waldenbuch Nistkästen für Falken, Dohlen oder Fledermäuse bieten - das zu erheben wäre zwar schwierig. Aber alleine im Zuständigkeitsgebiet der NABU-Ortsgruppe Sindelfingen-Böblingen (siehe Hintergrund) sind es mittlerweile 23.

Zuletzt war es die Auferstehungskirche Christi im Sindelfinger Wohngebiet Viehweide, die die Auszeichnung empfangen durfte. Schon vor Jahren hatte die katholische Kirchengemeinde um Pater Johannes Rothfelder zugestimmt, dass der NABU an ihrem Kirchturm einen Falken-Nistkasten anbringen konnte. Die NABU-Mitglieder Werner Deininger und Werner Trinkner "betreuen" ihn. Das heißt, sie gucken nach dem Rechten und säubern die Vogelwohnung in luftiger Höhe.

Überzeugungstäterin, die Überzeugungsarbeit leistet

Marlene Fehrmann, ehemalige NABU-Chefin der Ortsgruppe Sindelfingen-Böblingen, klettert dorthin nicht mehr hinauf. "Die evangelische Kirche in Aidlingen zum Beispiel hat eine zehn Meter lange Leiter hoch zum Glockenstuhl, kerzengerade", erzählt die 76-Jährige. Doch die Sindelfinger Seniorin koordiniert die Nistkästen- und Plakettenaktivitäten weiterhin. Auch auf den Bauernhöfen, von denen sie 15 unter ihren Fittichen hat - Heimstätten für Mehl- und Rauchschwalben sind darunter. Marlene Fehrmann ist in Sachen Vogelschutz eine Überzeugungstäterin, die bei Pfarrern, Mesnern und anderswo in der Kirchen-Administration erfolgreich Überzeugungsarbeit geleistet hat und leistet.

Der Falkenkasten in der Auferstehungskirche in der Sindelfinger Viehweide ist einer von denen, die erfreulicherweise schnell besiedelt worden sind. "Jedes Jahr wurden eine oder zwei Bruten aufgezogen", berichten die NABU-Aktivisten. Zu denen zählt auch der Deufringer Siegfried Tenczer. Der Vermessungsingenieur mit Sitz am Deufringer Schlosshof ist begeisterter Hobbyfotograf und hat den Falkennistkasten an der Kirche so präpariert, dass er durch ein Loch hindurch fotografieren kann. "Der hat davon über 100 Bilder", lacht Marlene Fehrmann über ihren alten Schulkameraden: "Und das Falken-Weibchen hat sich längst an ihn gewöhnt."

Auch die NABU-Aktion "Schwalbenfreundliches Haus" hat die Lebensbedingungen der Insektenvertilger verbessern helfen. "Auf dem Weg zur Säge gibt es Rauchschwalben und in Hausen hausen auch welche", schmunzelt die Weil der Städter NABU-Chefin Andrea Frank Bühler. Zuletzt hatte Vladislav Natsik, russisch-stämmiger "Samowar"-Gastronom, am Eckhaus Stuttgarter Straße/Untere Flotzgasse Raum für zwei Schwalbennester gewährt.

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