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Das Experiment gelingt und begeistert

Kirchenkonzert in nicht nur zahlenmäßig kolossaler Besetzung: Romantische Chorsinfonik in der Sindelfinger Johanneskirche

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    Mächtige Klangfülle: Der Chor der Johanneskirche, Mitglieder des Chores der St. Pauluskirche, der Chor der Heilig-Kreuz-Kirche Warschau, Mitglieder des Freizeitchores Wildberg und des Sinfonischen Orchesters des Musikgymnasiums Posen haben den Zuhörern am Wochenende in der Sindelfinger Johanneskirche einen besonderen Konzertgenuss bereitet Fotos: Simone Ruchay-Chiodi

Beim traditionellen Jahreskonzert des Chores der evangelischen Johanneskirche präsentierte Dirigent Michael Kuhn am Wochenende bei zwei Aufführungen eine ungewöhnliche Kombination von Chor, Solisten und Orchester.

Artikel vom 18. Oktober 2018 - 15:42

SINDELFINGEN (red). Darüber hinaus gelang ihm eine interessante Auswahl von Konzertstücken, die die Besucher durchaus überraschen sollte, wenn nämlich ein zartes Requiem neben Tänzen aus einer russischen Oper, dessen Text in eine geistliche Form gebracht zum ersten Mal in deutscher Sprache erklingt und am Schluss von einer opulenten Messvertonung überstrahlt ist. Ein durchaus gelungenes und begeisterndes Experiment.

Der Chor der Johanneskirche, unterstützt durch Mitglieder aus dem Chor der St. Pauluskiche (Einstudierung: Franz Neubauer) sowie des Wildberger Freizeitchores, unternahm letztes Jahr seine zweite Konzertreise nach Polen, dieses Mal nach Danzig, Masuren und Posen.

Zusammen mit dem renommierten Orchester des Musikgymnasiums Posen wurden dort mit Solisten der Posener Oper große Werke aufgeführt, unter anderem die "Cäcilienmesse" von Gounod und das "Te Deum" von Bizet.

Es erfolgte spontan eine Einladung des polnischen Jugendorchesters und der Opernsolisten für 2018 nach Sindelfingen, die gerne angenommen wurde. So kam es am vergangenen Wochenende zur gemeinsamen Aufführung beider Ensembles mit dem Requiem von Gabriel Fauré, den Polowetzer Tänzen von Alexander Borodin und der "Cäcilienmesse" von Charles Gounod.

Jugendliches Orchester überzeugt

Das jugendliche Orchester überzeugte bei den beiden ersten Stücken unter der impulsiven Leitung seines Dirigenten Aleksander Gref mit Leidenschaft, großem Engagement und hervorragender Qualität alle Besucher und konnte auch den Chor zu einer überaus gelungenen Interpretation dieser Stücke mitreißen.

Das "Requiem" op. 48 von Gabriel Fauré entstand 1887/88 und hat einheitlich lyrisch-meditativen Charakter. Doch dank Farbwechsel im Orchester und anmutiger Melodiösität sowohl des Chores als auch der Soli entstand keinerlei Eintönigkeit.

Beim Schlusschor "In Paradisum" gelang dem Chor, begleitet von präludiumartigen, an Gounods "Ave Maria" erinnernden Dreiklangsbrechungen der Orgel und der Harfe auf einem D-Dur-Klangteppich der Streicher ein erlösender, überirdisch schöner Ausblick ins Paradies. Aus Alexander Borodins Hauptwerk, der Oper "Fürst Igor", erklangen anschließend die zündenden, ungemein farbig instrumentierten "Polowetzer Tänze. Zarte, romantische Liedmelodien wechselten abrupt zu rasenden rhythmischen Passagen, geprägt durch orientalisch-exotische Skalen.

Begeisterter Applaus des Publikums gönnte schließlich den Sängerinnen und Sängern eine kurze Verschnaufpause, ehe das Konzert mit der "Cäcilienmesse" von Gounod beschlossen wurde.

Opernhafte Eigendramatik und schlichte Choralharmonisierungen prägten das "Gloria". In einer aparten Klangkombination stellen Harfe und Horn das Hauptthema vor, welches dann die Sopranistin Magdalena Nowacka sehr ausdrucksstark interpretierte ehe es dann der Chor 8stimmig und hymnisch fortführt. Das ekstatische, hymnisch gesteigerte Chorunisono im "Credo" strahlte eine unbezwingbar magische Intensität des Glaubensbekenntnisses aus. Der Bassist Patryk Rymanowski sowie Tenor Karol Buchansky überzeugten nicht nur als Solistentrio im Credo, arienhafte Solopartien im "Sanctus" und "Benedictus" und ein friedvolles zartes "Amen" am Ende des "Agnus Dei" haben dem Werk zu Recht den Ruf als eine der klangschönsten Messvertonungen überhaupt eingebracht.

Lang anhaltender Beifall für beide Ensembles und stehende Ovationen nach einem gelungenen und emotionalen Konzertabend.

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