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Anlaufstelle bei Problemen in der Familie

Das Jugendamt des Landkreises hilft mit vielfältigen Beratungsangeboten - 1700 Menschen erhalten derzeit Unterstützung

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    Keine Behörde, die familiäre Probleme nur verwaltet: Das Jugendamt des Kreises möchte die Menschen unterstützen und Halt bieten Foto: Archiv

Früher hatte das Jugendamt den Ruf einer Aufsichtsbehörde, die Kinder in Heimen unterbringt. Diese Zeiten sind vorbei, sagt die Landkreisverwaltung. Jugendämter seien heute moderne Dienstleister - Behörden, die sich als Partner für Kinder, Jugendliche und Familien sehen.

Artikel vom 10. Oktober 2018 - 16:42

KREIS BÖBLINGEN (red). Frau K. meldet sich beim Sozialen Dienst des Jugendamtes. Seit zwei Wochen lebt sie von ihrem Mann getrennt. Mit ihren drei kleinen Kindern, so schildert sie, sei sie völlig überlastet. Sie wisse nicht mehr ein noch aus. Ihren Alltag könne sie nicht mehr bewältigen.

Der 16- jährige M. steht vor der Tür der Außenstelle Böblingen des Jugendamtes. Mit seinem Vater und seiner Mutter hat es einen heftigen Streit gegeben. M. wurde geschlagen. Eine Rückkehr nach Hause kann er sich nicht mehr vorstellen.

Herr S. bittet um einen Gesprächstermin. Seit mehreren Jahren lebt er von seiner Frau getrennt. Seit Monaten dürfe er seine Kinder nicht mehr sehen, klagt er.

Drei Beispiele, mit welchen der Soziale Dienst des Jugendamtes im Landkreis Böblingen täglich konfrontiert ist. Die Aufgaben und Zuständigkeitsbereiche könnten vielfältiger nicht sein, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. Viele Menschen, heißt es weiter, verbinden mit dem "Jugendamt" jedoch lediglich eine Aufsichtsbehörde, die "Kinder aus den Familien" nimmt und sie in Heimen unterbringt. "Das Jugendamt bleibt negativ besetzt. Zu Unrecht", heißt es im Pressetext. Denn Jugendämter seien heute moderne Dienstleister und sehen sich als Partner für Kinder, Jugendliche und Familien. "Die Seite des Kinderschutzes, Kindern und Jugendliche in prekären Situationen Schutz zu bieten, ist nur die eine Seite der Arbeit eines Sozialen Dienstes. Die Hilfs- und Beratungsangebote sind bunter."

Aktuell leben rund 82 000 junge Menschen unter 21 Jahren im Landkreis Böblingen. Ungefähr 1700 Kinder, Jugendliche und junge Volljährige und deren Familien, erhalten Unterstützung und Hilfe durch den Sozialen Dienst des Jugendamtes. Der Soziale Dienst ist Anlaufstelle bei Fragen und Problemen, die die Familie betreffen: bei Fragen zur Erziehung, bei familiären Konfliktsituationen in denen nach einem gangbaren Weg gesucht wird; in Krisensituationen, in denen Familien Unterstützung und Entlastung benötigen; bei Fragen im Zusammenhang mit Trennung und Scheidung, und vieles mehr.

Wenn Beratungsangebote nicht ausreichen, vermittelt und begleitet der Soziale Dienst zahlreiche Hilfen in Zusammenarbeit mit den Partnern der sogenannten freien Jugendhilfe und den Psychologischen Beratungsstellen: Erziehungsberatung, ambulante Hilfen, wie die Sozialpädagogische Familienhilfe, die durch intensive Betreuung und Begleitung Familien in ihren Erziehungsaufgaben stärkt. Oder durch Erziehungsbeistände, die Kinder und Jugendliche in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit unterstützen und helfen, Alltagsprobleme zu bewältigen. Aber auch stationäre Hilfen in Heimeinrichtungen oder in Pflegefamilien, wenn ein Zusammenleben zwischen Eltern und jungen Menschen kurzfristig oder aber auch auf unabsehbare Zeit nicht gelingt.

Ein Fachteam sucht nach Lösungen

Bis zur Volljährigkeit beantragen die Eltern oder Sorgeberechtigten die Hilfe beim Jugendamt. Volljährige können dies bis zum 21. Lebensjahr selbst beantragen.

Bei der Suche nach Lösungen steht dabei der Blick auf die gesamte Familie und ihr Umfeld im Vordergrund, so die Verantwortlichen. Im Dialog mit den Kindern, Jugendlichen und Familien sollen Lösungen für die verschiedenen Problemlagen gefunden werden.

Die Entscheidung über eine geeignete Hilfe wird nicht von den einzelnen Mitarbeitern des Sozialen Dienstes getroffen, sondern in einem Fachteam beraten und entschieden. Dabei ist allen bewusst, dass Hilfen nur erfolgreich sein können, wenn alle Beteiligten einbezogen werden.

Frau K. erfuhr über die Familienpflege die notwendige Entlastung und auch wieder die notwendige Zeit zum Durchatmen.

Der 16-jährige M. wurde auf seinen Wunsch zunächst in einer geeigneten Wohngruppe untergebracht. Die anschließenden Gespräche mit den Eltern und dem Jungen bildeten die Grundlage, dass M. nach Hause zurückkehren konnte. Die Familie wurde danach durch eine sozialpädagogische Familienhelferin weiterbetreut.

Mit Herrn S. und seiner getrennt lebenden ehemaligen Ehefrau wurde nach intensiven Gesprächen im Rahmen einer Mediation eine funktionierende Umgangsregelung vereinbart.

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