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Drei Wortkünstler sprechen über ihre Leidenschaft

Beim vierten Night-Talk im Blauen Haus in Böblingen hatte Moderator Steffen Volkmer einen Journalisten, eine Autorin und einen Komiker zu Gast

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    Helge Thun (links) ist fasziniert und amüsiert von Volkmers Bierhalter Foto: Rebecca Haar

Artikel vom 09. Oktober 2018 - 17:36

Von Florian Ladenburger

BÖBLINGEN. Schon zum vierten Mal lud Steffen Volkmer zur Montagsplauderei ins Blaue Haus nach Böblingen. Diesmal gab es zwischen den drei Gästen ein verbindendes Element: die Leidenschaft für Worte. Den Anfang machte da der Journalist Jan Georg Plavec. Schreiberling für die Stuttgarter Zeitung, nebenbei aber auch noch Musiker und begeisterter Fotograf. Während er zur Musik durch elterlichen Zwang kam, wurde er aus gänzlich freien Stücken Journalist. Der Grund war allerdings nicht die Leidenschaft, sondern ganz profan "das Geld".

Die Passion kam später dazu und führte dazu, dass er kürzlich mit seinem Team den Konrad-Adenauer-Preis erhielt. Der wichtigste Preis im Lokaljournalismus, zu dessen Verleihung laut Plavec auch "so Typen wie der Bundespräsident kommen." Den Preis gab's für das Feinstaubradar, ein Werk aus der neuen Sparte des Datenjournalismus. Aus unzähligen Zahlen verschiedener Messstationen und einem entwickelten Programm, erstellten sie eine Live-Karte, die die Feinstaubbelastung in Stuttgart und der Region zeigen und eben nicht nur an der bekannten Stelle am Neckartor. Dazu beruhigte Plavec: "Die Luft in Böblingen ist gar nicht so schlecht."

Interessante Einblicke zeigte der Journalist noch in seinem Umgang mit Vorwürfen wie "Ihr schreibt doch nur, was Merkel euch sagt" und Diskussionen mit AfD-Anhängern. Er richtet sich dabei an beide Seiten: "Wir müssen alle wieder runterkommen."

Einen ganz anderen Bezug zu ihren Lesern hat Claudia Kern, denn im Gegensatz zu Plavec ist sie als Science-Fiction-Autorin nicht an Wahrheit und Faktentreue gebunden. Das Gespräch mit ihr ging kaum eine Minute, da sinnierten sie mit Volkmer schon über Fußballspiele mit Alienköpfen auf dem Holodeck des Raumschiffs Enterprise. Dabei hatte Kern anfangs nur erzählt, dass es in ihrer Kindheit vor dem elterlichen Fernseher immer eine Frage gab: "Sportschau oder Star Trek?"

Keine Verantwortung als Ghostwriterin

Als Autorin hat sie sich nicht nur der Science-Fiction verschrieben, auch Historisches oder Comics hat sie schon verfasst. Teilweise sogar als Ghostwriterin, angefangen mit Groschenromanen. Warum aber unter falschem Namen veröffentlichen? "Man ist nur die Schreibmaschine", sagt Kern. "Ich habe keine Verantwortung." Das sei eine ganz andere Schreiberfahrung.

Das meiste Interesse zeigte der Moderator aber an ihrer Tätigkeit als Star-Betreuerin auf großen Fantreffen. Dabei kommen bekannte Schauspieler und halten Vorträge, geben Autogramme und ähnliches. Kerns Aufgabe dabei: "Den Schauspieler lebend vom Flughafen zur Convention bringen, dort am Leben erhalten und dann wieder lebend zurückbringen." Dabei handelt es sich zum Teil um große Namen, William Shatner, Patrick Stewart (ein neidisches "Oooh" geht durch den Raum), Spock - mit anderen Worten: nahezu alle Crew-Mitglieder die jemals auf der Enterprise unterwegs waren.

Da konnte Kern natürlich eben so viele Anekdoten erzählen. Stewart, der als einer der wenigen die "unbedeutenden" Star-Betreuer persönlich begrüßte und Smalltalk führte. Für besondere Erheiterung sorgte auch die Geschichte über George Takei (Lieutenant Hikaru Sulu auf der Enterprise), der gefühlte acht Stunden eine Autogrammstunde hielt und dabei "jeden Fan behandelte, als sei er der wichtigste Mensch auf Erden."

Beispielhaft erzählte Kern dabei seine Reaktionen auf einen Fan, der Jochen hieß: "Oh, Jochen, das ist ein interessanter Name, wissen Sie woher der kommt? Ich glaube ja, das klingt holländisch. Welchen Beruf haben Sie? Aha, da erleben Sie bestimmt auch viele interessante Dinge." Dabei warteten hinter Jochen noch 599 weitere Fans. Als Jochen dann endlich sein Autogramm hatte, ging es weiter: "Oh, Brigitte, das ist ein interessanter Name . . ." Die Autogrammstunde ging so lang, dass sie in einen anderen Raum verlegt werden musste, wo sich die nun noch 598 Fans in der gleichen Reihenfolge wieder anstellten wie vorher.

Zauberer und Comedians haben unterschiedliche Steuersätze

Den Abschluss bildete Helge Thun, Zauberer, Komiker und Wortakrobat. Was genau er eigentlich sei, bereitet ihm vor allem beim Finanzamt Probleme, denn ein Zauberer wird anders besteuert als ein Comedian. "Wenn nun ein kleiner Gnom käme", fragte darauf hin Volkmer, "und dich zwingt, dich zu entscheiden, was du bist, was würdest du sagen?" Thuns erste Antwort war eine unflätige nicht abdruckbare Beleidigung, doch dann sagte er: "Ein Kartenspiel." Denn damit fing für ihn alles an.

Inspiriert von Bud Spencer und Terence Hill-Filmen wollte Klein-Helge ebensolche Fingerfertigkeiten haben. Schnell war der erste Kartentrick gelernt und den muss man ja irgendwem vorführen, "denn man macht das ja nicht allein vor dem Spiegel und sagt dann 'Oh, wie hab' ich denn das gemacht?'" Die Bühnen wurden größer, doch zwischenzeitlich tritt Thun wieder kürzer. Lernt aus dem Leben der großen Comedians, will mehr Zeit für sich haben. Erst jetzt weiß er den Wunsch seiner Mutter zu schätzen: "Ich hoffe, du wirst nie erfolgreich."

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