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Ausstellung über Humanismus im Land

In der Wendelinskapelle in Weil der Stadt wird die Ausstellung "Humanismus in Geschichte und Gegenwart" bis Mittwoch präsentiert

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    Wie hat sich der Humanismus entwickelt? Wie wirkt er auch noch in unserer heutigen Zeit? Und welche Denker gab es in Baden-Württemberg? Eine Ausstellung klärt auf Foto: Thomas Bischof

In der Wendelinskapelle wurde am Samstag die Ausstellung "Humanismus in Geschichte und Gegenwart" eröffnet. Vor elf Jahren wurde sie schon in Stuttgart gezeigt. Jetzt ist die Philosophie-Schau mit 25 Tafeln in überarbeiteter und ergänzter Form zu sehen. Sie endet am Mittwoch.

Artikel vom 08. Oktober 2018 - 18:24

WEIL DER STADT (red). "Im Frühjahr hatte ich die Gelegenheit in Stuttgart eine Ausstellung zu besichtigen", erzählt Andreas Henschel, Geschäftsführer von den Humanisten Baden-Württemberg. "Ich war dermaßen begeistert, dass für mich feststand: Die muss nach Weil der Stadt, der "Kulturhauptstadt" im Würmtal." Und jetzt ist es soweit. Am Samstag wurde die Ausstellung "Humanismus in Geschichte und Gegenwart" in der Wendelinskapelle eröffnet.

Bei der in der Keplerstadt nur für wenige Tage vom Verband "Die Humanisten Baden-Württemberg" mit Sitz in Stuttgart gezeigten Ausstellung, handelt es sich um die überarbeitete und modernisierte Neuauflage einer im Jahre 2007 vom Humanistischen Landesverband Berlin initiierten Exposition, die um regionale Bezüge ergänzt wurde.

Zum Inhalt der Präsentation schreibt Andreas Henschel: "Mit dieser Ausstellung wird die Entfaltung einer geistesgeschichtlichen Idee vorgestellt, deren erste Spuren sich - auf unseren abendländischen Kulturkreis bezogen - bis zu den Anfängen der Philosophie, der Wissenschaft und der philosophischen Religionskritik in der europäischen Antike zurückverfolgen lassen. Als humanistische Weltanschauungsgemeinschaft, die sich in ihrem Selbstverständnis, dem wissenschaftlichen Diskurs verpflichtet fühlt, wollen wir nicht verbergen, dass wir selbstverständlich auch mit dieser Ausstellung eigene Interessen und Sichtweisen darstellen. Das sind vor allem: den Humanismus als eine dogmen- und religionsfreie Weltanschauung und insbesondere lebendige Kulturbewegung in heutiger Zeit dem Publikum in der Fläche unseres Bundeslandes bekannter zu machen."

Die aus 25 Tafeln bestehende Ausstellung ist zweigeteilt

Die aus 25 Tafeln bestehende Ausstellung ist zweigeteilt: Der erste Komplex vermittelt unter der Überschrift "Der lange Weg zu Toleranz und Gleichberechtigung" einen allgemeinen Überblick über die europäische Humanismus-Geschichte. Der zweite Komplex unter der Überschrift "Wofür stehen Humanisten heute" umfasst zehn Tafeln, von denen sich die letzten dem Humanismus in Baden-Württemberg widmen.

Nahezu alle Tafeln beider Komplexe werden mit einem fürs jeweilige Thema typischen Zitat eingeleitet. So Tafel eins "Humanismus in der Geschichte" mit einem Ausspruch von Protagoras (490-411 v. Chr.): "Der Mensch ist das Maß aller Dinge." Oder Tafel sieben "Französische Revolution" mit Jean-Jacques Rousseau: "Wer zu sagen wagt, außerhalb der Kirche gibt es kein Heil, muß aus dem Staat verjagt werden." Oder Tafel elf "Der Kampf um die Trennung von Staat und Kirche" mit August Bebel: "Der Sozialismus betrachtet die Religion als Privatsache, mit der weder der Staat noch die Kommune das Geringste zu tun haben."

Exemplarisch werden auf allen Tafeln historische Ereignisse sowie Denker, deren Werke und Organisationen vorgestellt, die im Kampf für ein menschenwürdiges Leben eine Rolle gespielt haben. Auf Tafel neun heißt es daher: "Die 1848 vom Paulskirchenparlament verabschiedete Verfassung garantiert erstmals Religionsfreiheit und fordert die Trennung von Kirche und Staat. Jedoch tritt diese Verfassung nie in Kraft. Die Machtstellung der Kirchen bleibt unangetastet."

Darauf geht auch die Tafel 18 ein: "...die Liste der kirchlichen Privilegien ist lang. Vor allem in Süddeutschland prägen Kruzifixe Amtsstuben, Gerichte und Schulen."

In Ulm bildet sich schon sehr frühzeitig ein freigeistiges Zentrum

Der regionale Bezug wird dann auf den letzten zehn Tafeln besonders sichtbar, wenn beispielsweise angesprochen wird, dass sich in Ulm schon sehr frühzeitig ein bedeutsames freigeistiges Zentrum in Württemberg bildete oder dass Freigeister, wie Albert Dulk oder Jakob Stern, in diesem Landesteil von Anfang an auch die soziale Frage mit Nachdruck stellten. Und nicht zuletzt wird das Humanistische Zentrum Stuttgart vorgestellt, Sitz der Landesgeschäftsstelle des Verbandes und der bisher einzigen humanistischen Kindertagesstätte in Baden-Württemberg.

Die auf Mittwoch, 10. Oktober, begrenzte Ausstellung kann am Dienstag und Mittwoch jeweils von 18 bis 21 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. Für Gruppen sind Terminabsprachen unter Telefon (0 70 33) 88 50 möglich. Mehr Informationen unter unter http://www.dhuw.de
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