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Böblinger DAT-Theater probt für neues Stück

Zehn Kinder der DAT Kunstschule Böblingen proben für ein Stück, das uralte indische Mythen mit der Moderne verknüpft

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    Gruselige Dämonen-Masken und eine geheimnisvolle Frau, derzeit noch im nicht so geheimnisvollen bunten Bademantel - die Inspiration des indischen Mythos ist klar zu erkennen Foto: Ladenburger

In einer Woche feiert das Stück "One way ticket to Bangalore" im Böblinger Feierraum Premiere. Die Schauspieler, zehn Kinder der DAT Kunstschule, sind schon fleißig am Proben. Erarbeitet wurde der Stoff um einen alten indischen Mythos mit einer Theaterpädagogin aus Bangalore.

Artikel vom 28. September 2018 - 17:00

Von Florian Ladenburger

BÖBLINGEN. Die Eltern sind doof, streiten sich laut, der Hund soll weg, Lehrer regen sich auf, die eigene Meinung interessiert keinen - warum da nicht einfach abhauen? Das denken sich zehn Kinder und machen sich auf den Weg zum Bahnhof. Doch wohin? Sie waren noch niemals in New York. Oder Hawaii. San Francisco? Nicht Udo Jürgens gibt ihnen den entscheidenden Tipp, sondern eine geheimnisvolle Gestalt: Bangalore soll es sein, die drittgrößte Stadt Indiens.

Die seltsame Frau gibt den Kindern ein One way-Ticket, einfache Fahrt in die indische Metropole. Und sie hat noch etwas im Angebot. Einen uralten indischen Mythos: Ramayana. Eine geheimnisvolle Welt heimtückischer Dämonen. Nehmen die Kinder das Angebot an? Fahren sie gen Osten und lassen ihre Eltern, Freunde, ihr ganzes Leben zurück?

Die Antwort darauf gibt es am 6. Oktober im Böblinger Feierraum zu sehen, bei der Premiere des Theaterstücks "One way ticket to Bangalore", präsentiert von der Gruppe der Jugendlichen 1 der DAT Kunstschule. Noch proben die jungen Schauspieler fleißig. In einer öffentlichen Probe gab es jetzt erste Einblicke in das Stück.

Still stehen und sitzen sie auf der karg bestückten Bühne. Angezogen mit privaten Klamotten, gestreiften Socken, Jeans und bunten T-Shirts. Sie drehen dem Publikum den Rücken zu. Setzen rot-weiß-schwarze Masken auf, aber auf dem Hinterkopf. Eine Gestalt kommt hinter einer Wand hervor. Angezogen mit einem bunten Bademantel, Hut und Sonnenbrille. Sie schleift eine große Tasche auf die Bühne, sagt: "Ich wusste, ihr würdet kommen." Dann nehmen ein paar ihre Masken ab, stellen sich in einer Reihe auf. Schauen eindringlich ins Publikum. Erzählen ihre Geschichte und warum sie abhauen wollen. Einem Mantra gleich wiederholen alle immer wieder "One, two, three - break free!"

Die Stimmung und Gemeinschaft in der Gruppe ist sehr gut

Noch sitzt der Text nicht perfekt, Leiterin Prisca Maier-Nieden muss immer wieder Einsätze geben. Der bunte Bademantel ist nur Probekostüm, der echte wird noch geschneidert. Doch die Kinder sind schon mit Feiereifer dabei und höchst konzentriert. So ruhig sie auf der Bühne sind, so aufgedreht sind sie jenseits davon. Wie ein Sack Flöhe kichern, quatschen und blödeln sie umher. Die Stimmung und Gemeinschaft der Truppe ist sehr gut.

Geht es an die Fragestunden der Journalisten, da werden sie wieder ganz ruhig, und wenn es ums Antworten geht schnellen die Arme in die Höhe, jeder will was sagen und jeder will zuerst. Die Masken symbolisieren die Dämonen der Kinder und "die Dämonen sind die Probleme, die wir haben", erklärt Emilia. "Und die Masken zeigen das, was die Dämonen mit uns machen." Alles Teil des indischen Mythos Ramayana. Wie kommen Böblinger Kinder zu indischer Kultur?

Es begann in einer Theaterfreizeit an Pfingsten. "Da haben wir mit Frau Shikhar aus Indien Szenen aus dem Mythos nachgespielt", erzählt Nikolai. Samta Shikhar ist Theaterpädagogin aus Bangalore. Sie war im Mai mit ihrem Mann zu Besuch in Deutschland und hat verschiedene Workshops gegeben. So hat sie auch mit Kindern der Paul-Lechler-Schule geprobt. "Wir haben besprochen, warum Kinder von zu Hause weggehen könnten", ergänzt Tobias. Denn auch im Mythos aus Fernost verlassen Kinder ihr zu Hause. Im Reden, Spielen und Improvisieren entsteht die Grundlage des neuen Theaterstücks. "Die Kinder haben das Material geliefert, ich hab dann das Stück geschrieben", sagt Maier-Nieden.

Pauline findet die lange Geschichte des indischen Mythos ganz cool

Ganz einfach war es für die Kinder nicht. "Am Anfang haben wir ein bisschen gebraucht, wie war das nochmal?", erzählt Pauline. Trotzdem findet sie die lange Geschichte "ganz cool". Und dann haben die jungen Talente auch noch was gelernt, nämlich zum Beispiel "dass die eigenen Probleme ganz klein sind und andere Leute viel größere Probleme haben", sagt Amelie. Wichtig ist: "Einfach glücklich sein."

Spannend finden die Kinder ebenso wie Maier-Nieden die Verknüpfung des uralten Mythos mit dem eigenen Leben, dem eigenen Alltag. Dazu freut die Leiterin besonders: "Es macht Spaß zu sehen, wie die Kinder zusammenwachsen."

  Premiere ist am Samstag, 6. Oktober, um 18 Uhr im Feierraum Böblingen. Weitere Aufführungen sind am 7./13./14. Oktober jeweils um 18 Uhr, am 12. Oktober um 10.30 Uhr. Der Eintritt kostet 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. Das Stück ist empfohlen ab 12 Jahren. Weitere Informationen unter http://www.kunstschule-boeblingen.de
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