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"Ein kleines und feines Ensemble"

Nachgefragt

Zum Abschluss der Orgelreihe in der Martinskirche singt am Samstag um 17 Uhr das Sindelfinger Vokalkabinett. Wir sprachen vorab mit Bezirkskantor Daniel Tepper, der das Ensemble gegründet hat.

Artikel vom 27. September 2018 - 17:42

Hallo Herr Tepper, wie kamen Sie dazu, das Vokalkabinett zu gründen?

Nach dem Kirchenmusikstudium war es mir wichtig, die zahlreichen Kontakte zu jungen Musikern weiterhin zu pflegen. Zudem besteht für Berufsmusiker die Gefahr, im Arbeitsalltag selbst nicht mehr beziehungsweise weniger zum Musizieren zu kommen. Der Wunsch vieler Kommilitonen, neben ihres Berufs weiterhin sängerisch auf hohem Niveau aktiv bleiben zu können, sowie die zeitgleiche Auflösung oder Umstrukturierung einiger Kammerchöre in der Region, brachten mich dazu, die jungen Sänger nach Sindelfingen zu führen.

Sehen Sie das Vokalkabinett als Ergänzung zu den sechs Chören der Martinskirche?

Ja, das Vokalkabinett deckt nun die Altersschiene zwischen 18 bis 35 Jahre ab. Daher fügt es sich wunderbar in die generationsumfassende musikalische Arbeit des Martinskantorats ein. Zusätzlich liegt der Fokus auf der kammermusikalischen Arbeit - das Alleinstellungsmerkmal ist die kleine, exquisite Besetzung. Je nach Literatur umfasst der Klangkörper zwischen 12 bis 25 Stimmen. Daher sind die Aufgaben zwischen den verschiedenen Chören der Martinskirche klar geregelt: Das Kabinett deckt anspruchsvolle Vokalmusik für kleine Besetzung ab, während zum Beispiel Cappella Nuova als gewaltiger Klangkörper die großen oratorischen und sinfonischen Werke musiziert.

Den Auftritt des Vokalkabinetts haben Sie als "Testlauf" für das Konzert im April bezeichnet. Was hat es damit auf sich?

Am 6. und 7. April 2019 wird das Vokalkabinett die berühmte Johannespassion von Johann Sebastian Bach musizieren. Die Besonderheit dieses Projekts liegt, wie gesagt, in der Klein- und Feinheit des Ensembles. Dabei wird das komplett solistisch besetzte Instrumentalensemble die rund 20 jungen Sänger auf historischen Instrumenten begleiten. Somit imitieren wir damit ungefähr die Größenverhältnisse der Besetzung zu Zeiten Bachs, denn damals waren die Chorstimmen üblicherweise nur mit drei bis vier Knaben beziehungsweise Männern besetzt.

Wie lautet Ihr Fazit zur diesjährigen 29. Auflage der Orgelreihe?

Ich bin immer wieder vom großen Interesse und der Aufgeschlossenheit der Zuhörer begeistert. Auch wenn sich wahrscheinlich nicht jeder zu Beginn der Orgelreihe mit der Musik Debussys identifizieren konnte, war ein konstanter, beachtlicher Konzertbesuch und somit auch die Lernbereitschaft und Offenheit für Neues und Ungewohntes zu beobachten. Es wurden nämlich nicht nur angenehme und bekannte Werke interpretiert - es gab bei fast jedem Konzert Werke oder Improvisationen, mit denen sich das Publikum beschäftige und auseinandersetzen musste. In diesem Sinne freue ich mich schon sehr auf die nächste Orgelreihe und zunächst einmal auf das Abschlusskonzert am Samstag. (edi)

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