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Prävention gegen Missbrauch

Kommentar

Artikel vom 25. September 2018 - 19:06

Von Siegfried Dannecker

Sei es die #metoo-Debatte, seien es die fürchterlichen Schlagzeilen über Missbrauch in der katholischen Kirche: Die Öffentlichkeit ist in den letzten paar Jahren sensibilisiert worden, hinzuschauen statt sich vor Tabuthemen wegzuducken. Auch in Justizkreisen konnten journalistische Beobachter feststellen, dass Richter in diesen Tagen deutlich mehr Empathie für die Opfer entwickeln, als dass sie den Tätern mildernde Umstände zubilligen. Der Fall Staufen, in seiner ganzen Dimension eigentlich nur sprachlos machend, ist vielleicht der letzte - riesige - Mosaikstein für die in der Strafverfolgung Tätigen, hellwache Ohren und Augen beim Kindesmissbrauch zu haben. Und: harte Urteile auszusprechen (wobei man im Fall Staufen darüber diskutieren kann, ob es nicht durchaus größerer Härte bedurft hätte, ein Delikt dieser Tragweite zu ahnden).

Staufen mag ein Horror-Einzelfall sein. Kindesmissbrauch als solcher ist es nicht. Ebensowenig wie sexuelle Nötigungen gegenüber Frauen, Vergewaltigungen und andere Missbrauchsformen. Auch hier hat sich das, was man als Missbrauch definiert, zurecht verschärft. Auch und gerade weil man heutzutage besser weiß, welche langanhaltenden seelischen Verletzungen mit solchen Vergehen verbunden sind. Bei Kindern und Schutzbefohlenen, das darf und muss man annehmen, gehen die Narben noch sehr viel tiefer. Harte Urteile sagen deshalb auch ganz klar ins gesellschaftliche Umfeld hinein: Hier herrscht keinerlei Raum für Missbrauch! Das ist auch Prävention.

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