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Eine Oase der Kammermusik

Festlicher Anlass: 100. Konzert im 20. Jahr der Reihe "Waldenbucher Konzerte in St. Veit"

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    Das 100. Konzert in St. Veit wird mit dem "Karneval der Tiere" gefeiert Foto: Thomas Bischof

Artikel vom 24. September 2018 - 17:30

Von Hans-Jörg Lund

WALDENBUCH. Einigen Grund zu Feiern hatte der Förderkreis "Waldenbucher Konzerte in St. Veit" am Samstag: Im 20. Jahr seit seiner Gründung im Jahr 1999 lud der Verein an diesem Abend zum 100. Konzert in der Stadtkirche.

Der Förderkreis blickt zurück auf eine stolze Geschichte: In der Spannung zwischen den konkurrierenden Kommunen Böblingen, Tübingen, Reutlingen und Stuttgart war ein Edelstein entstanden. Wer nach Waldenbuch eingeladen würde, der hatte es geschafft, sagten die Künstler bald über diese Konzertreihe. Hermann Voss, Urgestein des Förderkreises, erinnerte an Meilensteine, Programme von der Renaissance bis zur Gegenwart und Ensembles wie etwa Frieder Bernius' Kammerchor Stuttgart oder das Melos-Quartett.

Die erfreuliche Entwicklung von Anfang an hatte indes mehrere Eltern. Die Familien Voss und Koch-Yamamoto mit ihren Angehörigen, allesamt als Musiker aktiv, sowie deren Freunde, fanden mit ihren verschiedenen Kompetenzen schnell zu einer effektiven Zusammenarbeit in Sachen Musik von der Planung bis zur Nachfeier. Die Pfarrer öffneten bereitwillig die Tore ihrer Kirche, die sich als wie geschaffen für Kammermusik erwies und man kooperierte in allen organisatorischen Bereichen auf professionellem Niveau. Die Kommune half mit und man fand Sponsoren. Im Konzert selbst waren die Künstler fast zum Anfassen nahe beim Publikum und einige konnte man danach im Ort wieder treffen.

Das Niveau lag von Anfang an recht hoch - und auch die nachfolgenden Musiker enttäuschten nicht. Allein beim Blick auf die Besetzung des Jubiläumskonzerts wird zudem deutlich, wie weit verzweigt das musikalische Netzwerk ist, das der Verein über die Jahre geknüpft hat.

In Anlehnung an ein Zitat des Musikwissenschaftlers Jürgen Uhde erlebten die Zuhörer in der ersten Konzerthälfte, wie die Interpreten - sobald sie den Notentext erst bewältigt und begriffen haben - die Freiheit haben, mit Komponist und Werk himmlisch kommunizieren und wie ein Seiltänzer im Traum tanzen zu können.

Ganz in diesem Sinne agierten die Musiker aus dem Förderkreis, der Familien Koch, Schäfer/Teuffel und weiterer befreundeter Mitwirkender, als sie in der ersten Konzerthälfte Camille Saint-Saëns "Karneval der Tiere" für zwei Klaviere, vier Streicher, Flöte, Celesta und Xylophon interpretierten.

Umrahmt von Loriots Texten wurden in bunter Folge Tiere, aber auch Persönlichkeiten mit langen Ohren und Pianisten hörbar. Ein herrlicher Effekt entstand durch die beiden Klaviere, die präzise die schnellen Läufe mitunter auch im Sekundabstand spielten. Die Klarinette bewegte sich sinnbildlich für den Kuckuck zwischen den Zuhörerreihen und legte dort ihre "akustischen Eier" in zahlreiche Nester - zum allgemeinen Vergnügen des Publikums.

In der zweiten Hälfte kam Brahms' Klavierquartett op. 60 zu Gehör, danach Schuberts Forellenquintett, in dem das Klavierquartett noch um einen Kontrabass erweitert wurde. Das Publikum schien beim inneren Mitsingen des Liedes begeistert über die flüssige Interpretation und die differenzierte klangliche Vielfalt des Ensembles.

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