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Böblinger Braumanufaktur: Biererlebnisse im Maschinenraum

Schönbuch Bräu hat seine alte Maschinenhalle herausgeputzt und will dort künftig Bierliebhabern besondere Schmankerl kredenzen

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    Brauerei-Chef und Bier-Enthusiast Werner Dinkelaker (r.) im neu eröffneten Maschinenhaus

Artikel vom 21. September 2018 - 18:12

Von Jan-Philipp Schlecht

BÖBLINGEN. Die Maschinen in der stillgelegten Werkhalle auf dem Brauereigelände wirken wie schlafende Ungeheuer. Eine alte Dampfmaschine aus rostbraunem Stahl füllt beinahe den halben Raum aus, in den Brauerei-Chef Werner Dinkelaker am Mittwochabend geladen hatte. "Das ist unsere alte Maschinenhalle, die seit vielen Jahren brach liegt", sagt er. Das Ungetüm von Dampfmaschine ist ein Relikt aus einer anderen Zeit. Baujahr 1939, misst es gut fünf Meter in der Länge, am Ende ragt ein mannshohes Antriebsrad aus dem Boden. Dessen schwarze Stahlspeichen sind so dick wie Männerbeine. Doch es dreht sich schon lange nicht mehr, das Stahlross hat ausgeschnauft.

"Die Dampfmaschine hat für die Brauerei jahrzehntelang über einen Generator Strom erzeugt", sagt der 51-jährige Dinkelaker. Auf der linken Seite der weiß gekachelten Halle hängen Kältekompressoren, eine Luftfilteranlage, zahllose Rohrleitungen, Ventile, Armaturen - blankgeputzt, abgescheuert, veraltet. Und seit Jahren außer Dienst. Dinkelaker: "Die Maschinen wurden nach und nach durch modernere ersetzt, deswegen hatten wir für den Raum längst keine Verwendung mehr." Ein befreundeter Werber und Architekt aus Stuttgart habe ihn dazu ermuntert, war sofort Feuer und Flamme für dieses überkommene, minimalistische Brauerei-Relikt, erzählt er.

Gerade der Charme des Vergangenen verleiht der Fabrikhalle eine besondere Aura, weshalb der Brauerei-Geschäftsführer und selbsternannte Bier-Nerd ihn künftig für Veranstaltungen rund ums Bier nutzen will. Die kostenpflichtigen Vorträge sind öffentlich, die Plätze aber freilich begrenzt. Auf den dunkelroten Holzbänken finden maximal 20 Personen Platz. Mehr sollen es auch nicht sein, um die intime Atmosphäre nicht zu stören. "Hier können auch mal Schulungen stattfinden für Kunden zum Beispiel oder andere Events." Immer aber steht der ungefilterte Hopfengenuss im Vordergrund.

"Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, den Raum so zu erhalten, wie er ist und die Maschinen nicht abzubauen", sagt Dinkelaker. Deshalb heiße er auch nicht neudeutsch "Tasting Room", sondern altdeutsch "Altes Maschinenhaus". Dinkelaker: "Es soll eine Plattform sein, um Bier zu verkosten, Bier zu erleben." Unter diesem Motto steht auch der Eröffnungsabend am Mittwoch, zu dem nur eine handverlesene Schar Interessierter eingeladen war.

Der Bier-Enthusiast Dinkelaker stellt sich vor sein Pult, auf dem fünf ausgewählte Sorten des Böblinger Gerstensaftes stehen: Dunkel, Hefeweizen Dunkel, Jäger Spezial, Pale Ale und der Helle Doppelbock. "Den Anfang macht das Dunkle, zu dem mich meine Frau Kerstin überredet hat", sagt er. Denn eigentlich sei die Sorte unüblich in diesen Breitengraden, "das wird eher im Nordwesten von Deutschland getrunken." Doch die Dame des Hauses hat eine Vorliebe für die schokoladenfarbigen Sorten - und Dinkelaker gab schließlich nach. Schließlich ist Kerstin Dinkelaker ebenfalls eine ausgemachte Kennerin der Materie und kann zu dieser und allen anderen Schönbuch-Sorten viel erzählen. "Beim Dunklen riechen wir schokoladige Noten, Karamell und Malzaromen", sagt die Bier-Sommelière, als alle ihre Nase ins Probierglas stecken. Unterschieden wird im nächsten Schritt zwischen An- und Abtrunk. "Der fällt beim Dunkelbier freilich etwas herber aus", sagt sie.

Vorträge passend zur Jahreszeit

Kerstin Dinkelaker macht auch den Anfang bei den Verkostungen, von denen es in diesem Jahr noch drei geben wird. Die Premiere findet am 18. Oktober statt, wenn es um "Herbstbiere" gehen wird. Sie gibt dem Abend das Motto "Starkes zur Stärkung". Am 22. November referieren dann Vathana Thorn und Oliver Koblenzer über ihre "Kraftbierwerkstatt" unter dem Titel "David gegen Goliath" und am 13. Dezember stehen "Weihnachtsbiere" aus aller Welt auf dem Programm.

 

  Weitere Informationen zu den Vorträgen sowie Eintrittspreise und Anmeldemodalitäten stehen auf der Internetseite der Brauerei: http://www.braumanufaktur.com
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