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Von verlassenen Dörfern und steinernen Stelen

Kunstverein Böblingen präsentiert Arbeiten von Birte Horn und Rotraud Hofmann im Alten Amtsgericht

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    Neue Ausstellung im Alten Amtsgericht: Bildhauerin Rotraud Hofmann (links) mit "Der Weg" und die Künstlerin Birte Horn mit ihrer Arbeit "Stück_52" Foto: gdr

Artikel vom 17. September 2018 - 17:48

BÖBLINGEN (red). Gleich zwei Künstler stellen seit Sonntag ihre Arbeiten im Alten Amtsgericht aus. Der Kunstverein Böblingen eröffnete die Ausstellungen "Rotraud Hofmann - Steine und Collagen" in der Schleuse sowie "Birte Horn - Aus jedem Dorf ein Hund". Ausstellungsleiter Günter Baumann verbindet mit beiden Künstlerinnen eine längere Bekanntschaft.

"Bei allem Minimalismus in der Form setzt sich Rotraud Hofmann mit dem Stein als Materie, mit seiner Beschaffenheit, seiner Härte, seiner Farbe und Maserung auseinander", sagte Baumann in seiner Eröffnungsrede über die 1940 in Aalen geborene Künstlerin. Sie zählt laut Baumann zu den wichtigsten Steinbildhauern im Südwesten. Sie ist im Landkreis unter anderem durch ihre Stelen im Hofgut Mauren bekannt, die zum Skulpturenradweg "Sculptoura" gehören.

Im Alten Amtsgericht konzentriert sie sich auf Bodenplastiken, die in weißem oder hellgrauen Marmor gehalten sind, um auf den relativ dunklen Teppich zu reagieren. Konkret handelt es sich um Rauchkristall, Estremoz- und Olympic Marmor. So entstand ein stimmiges Raumkonzept, das mit relativ wenigen Arbeiten auskommt.

Birte Horn verortet laut Baumann in ihren Bildern verlassene Architekturen, Industriebrachen und Alltagsbauten, die sie anschließend drastisch übermalt.

"Dass sie dabei auch Nadel und Faden zur Hand nimmt, um verschiedene Leinwände zu neuen Arrangements zusammencollagiert, gibt den Arbeiten ihr charakteristische Gepräge", so Baumann über die 1972 in Düsseldorf geborene Künstlerin. "Die gerade noch ahnbare Realität setzt sie in fiktive Räume um, die durch die Schnittkanten sich überlagernder Leinwandteile und Farbschichten eine neue Wirklichkeit erhalten. Der Betrachter wird so zum Komplizen einer Spurensuche, womöglich zu sich selbst", sagte Baumann in seiner Einführungsrede.

"Aus jedem Dorf ein Hund", so lautet der Titel von Horns Ausstellung. Einen Hund gibt es allerdings nicht zu sehen, und das Dorf kann man kaum aus den architektonischen Details herausfiltern. Baumann spekuliert: "Der klingende Titel soll uns nicht auf eine Fährte bringen. Dieser Titel ist in sich so absurd, dass wir daraus lernen: Kunst muss nichts abbilden, darf ganz eigen sein, ihre eigene Bildwelt entfalten, und wenn sie nichts anderes darstellt, als sich selbst."

Die Ausstellung ist noch bis zum 28. Oktober zu sehen, jeweils mittwochs von 9.30 bis 12 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr.
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