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"If You Wanted To" rockt den Sindelfinger Pavillon - Video

"If You Wanted To" feiert Band-Jubiläum im Sindelfinger Pavillon

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    "Wir sind fast wie eine Familie", sagt Singer-Songwriter Joachim Kupke von Wanted Fotos: Epple

Artikel vom 16. September 2018 - 15:12

Von Bernd Epple

SINDELFINGEN. Mit 40 wird der Schwabe g'scheit, also plante man auch "a g'scheit's Festle". Zur IG Kultur-Veranstaltung am Samstagabend im Pavillon waren deshalb auch der Ex-Vorsitzende und Medienkünstler Antonio Bras mit Videoinstallationen, sowie Sarah Kupke mit einer Rock-Poesie-Lesung mit von der Partie.

 

Als die Saaltüren geöffnet wurden, füllte sich der Veranstaltungsraum binnen weniger Minuten bis auf den letzten Platz. Der Wiedersehensfreude nach, die hie und da auszumachen war, erinnerte die Szene an ein großes Klassentreffen. In der Tat waren viele gekommen, die die Band teilweise schon seit Jahrzehnten begleiteten. "Eigentlich verfolge ich die Band schon von Anfang an als ich noch Teenager war. Ich verbinde ihre Musik mit ganz vielen Erinnerungen", verriet Annette Krüger aus Sindelfingen. Auch Karl-Heinz (Charly) Huschka, ehemaliger Gemeinderat, Architekt und Saxophonist der "anderen" Sindelfinger Band "Baobab" ließ sich diesen Abend nicht entgehen. "Ich hab die lange nicht mehr live gesehen", sagte er in der Pause. "Die haben sich weiterentwickelt und bleiben ihrem Feeling treu, zum Beispiel in ihrer Anlehnung an die Musik der Dire Straits". Jörg Hamm, ein weiterer ehemaliger Gemeinderat und Sindelfinger Ureinwohner, kennt die Jungs ebenfalls schon seit Ewigkeiten und wandte sich zu seinen Schulzeiten im Stiftsgymnasium vertrauensvoll an Hebs, den Wanted-Bassisten, wenn er eine Anlage für Rockpartys an seiner Schule benötigte.

Dass das Jubiläumskonzert im Pavillon stattfand, hat folgenden Hintergrund: IG-Kultur-Vorstandsmitglied Albrecht Barth war 1980 pädagogischer Mitarbeiter des Sindelfinger Jugendhauses in der Leonberger Straße und damit beauftragt, für das Wiedereröffnungsfest eine Band zu organisieren. Da bekam er den Tipp: "Gegenüber probt die geilste Band Sindelfingens, frag doch mal die!" Umso mehr freute er sich jetzt, dass die Band um Joachim Kupke nach fast 40 Jahren mit all den alten Wegbegleitern im Pavillon feierte.

Kupke ist Künstler durch und durch. Der überregional bekannte Maler ist Aushängeschild der Stadt, wenn es um bildende Kunst geht. Aber er ist auch Gitarrist und Sänger und hat eine feine Ader für tiefgründige Texte, wenn er diese mit seiner unverwechselbaren Stimme transportiert. Seine Frau Sarah ist Britin und trug zu Beginn des Abends mit ausdrucksstarker Stimme Texte von Bob Dylan, Leonard Cohen oder auch Joachim Kupke vor, bevor die Band in die Saiten griff. Allerdings war die Verbindung zur nachfolgenden Musik nicht offensichtlich, zumal nicht jeder Besucher über den dafür notwendigen englischen Sprachschatz verfügt. Schade in diesem Zusammenhang, dass die Texte der Band, mit Anspruch auf Tiefgang, nicht jeden erreichen können.

Die Musik selbst ist solides Rockhandwerk, das von Antonio Bras vom Mischpult aus ins rechte Licht gesetzt wurde. Eine gemeinsame Probe für den Abend gab es nicht, aber eine Vorbesprechung mit Kupke, wie man entlang der Texte die passende optische Stimmung auf die Bühnenleinwand bringen könnte. Das Ergebnis konnte sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen. Zur musikalischen Aufwertung bediente sich "Wanted", wie die Band früher schlicht hieß, einer alten musikalischen Freundschaft mit Tobias Götzmann. Der Gitarrenlehrer der Sindelfinger Musikschule sorgte mit rhythmischer Präzision in der zweiten Hälfte mächtig für Druck, als er Bassist Herbert Renz und den jungen Schlagzeuger Alexander Schuhmacher in die Schlussphase begleitete. E-Gitarrist Reiner Pfleiderer glänzte insgesamt weniger durch temporeiche Soli, als durch spannende Riffs, die den harmonisch meist einfach gestrickten Stücken die entsprechende Würze verliehen.

Im Laufe ihres Bestehens gab es für Wanted auch mal eine fast zehnjährige Pause. Die Freude am Musikmachen und die freundschaftlichen Beziehungen untereinander führten letztendlich wieder zu kontinuierlichen Proben im Studio von Tontechniker Werner Schuhmacher in Ehningen. Der ehemalige Technikchef der Stadthalle wirkte früher schon perkussiv bei Wanted mit. "Wir sind fast wie eine Familie und wir machen so lange weiter bis es nicht mehr geht", meinte Kupke anschließend gegenüber der KRZ, "zur Not komm ich auch noch mit Rollator auf die Bühne", fügte er schmunzelnd hinzu. Die Besucher dieses Abends hätten sicherlich nichts dagegen.

 

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