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Weil der Städter Band: Sängerin freut sich auf Live-Premiere

Mein Wochenende: Sängerin Julia Graff feiert mit der Band Stereometria heute Premiere in ihrer Heimatstadt Weil der Stadt

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    Julia Graff, Sängerin der Band Stereometria, vor dem Kepler-Denkmal. Der Wissenschaftler war Inspiration zum Bandnamen Foto: Florian Ladenburger

Eric Richter, der Chef des Weil der Städter Livemusik-Fördervereins "Groove Tonight", wollte eine Band formieren mit den besten Musikern der Region. Heraus kam Stereometria. An Gitarre und Gesang: Julia Graff. Zusammen feiern sie heute in der Aula des Schulzentrums Premiere (ausführliche Infos zum Konzert hier).

Artikel vom 15. September 2018

Von Florian Ladenburger

WEIL DER STADT. Dass es Julia Graff zur Musik zog, verwundert nicht, schließlich war sie umgeben von Musikern. Der Großvater war Mitbegründer des Hausmusikvereins in Weil der Stadt, die Urgroßmutter saß täglich am Flügel, der Vater spielte Gitarre und Querflöte und singt, seit Graff denken kann, im Kirchenchor, die Schwester spielte Klavier - und so hat die sechsjährige Julia mit Geige angefangen. Doch das schmiss sie mit 14. "Ich glaube, das war besser so", lacht sie.

Der Gesang hatte es ihr mehr angetan. Sie war im Schulchor - "Das hat riesengroßen Spaß gemacht" - und singt später mit dem Vater im Kirchenchor. Mit etwa zwölf Jahren bekommt sie als eine der ersten Schülerinnen an der Musikschule Gesangsunterricht. Damit war der Grundstein gelegt. Als Kind hörte sie Schallplatten - darunter Guns n Roses - "Ich habe lauthals mitgesungen und es wäre für mich das Größte gewesen, selbst auf einer Bühne zu stehen und zu performen."

Mit 18 Jahren die erste Band: Cereals

Mit 18 ging dieser Traum dann in Erfüllung, mit der ersten Band Cereals, zu Deutsch: Frühstücksflocken. Zusammengesetzt aus Musikern der Umgebung, darunter auch Keyboarder Thorsten Kampa, der heute auch bei Stereometria mitspielt. "Eigentlich wollten wir eine Ska-Band gründen", erzählt Graff. "Das scheiterte leider daran, dass uns der Stil nicht so gut gelang wie Bluesrock." Also coverte man beispielsweise Joe Cocker oder die Blues Brothers und ergänzte das Programm mit eigenen Songs.

Damit schafften sie es bei einem Bandwettbewerb sogar auf Platz zwei. "Das war genial, weil wir im Finale in der Stuttgarter Röhre spielen durften, die es heute leider nicht mehr gibt." Videoaufnahmen und Mitschnitte gibt es keine mehr, aber die Erinnerung: "Der Wahnsinn!"

Kurz nach dem Abitur zieht es Graff nach Düsseldorf. Dort arbeitet sie nach ihrer Ausbildung zur Verlagskauffrau als Gestalterin in einer Agentur. Wie der Zufall es will, ist einer ihrer Agenturchefs auch der Schlagzeuger Tom Jarzina. Dieser war mit der Progressiv-Rockband Chandelier in den 90ern schon auf Europa-Tournee.

Mit ihm und dem Gitarristen Stephan Scholz gründet Graff nach kurzer Zeit die Band "Elleven", die bis heute besteht. Zwischenzeitlich hat es die Sängerin wieder in die Heimat zurückgezogen, was das Proben mit der Düsseldorfer Band etwas schwierig macht. "Ich bin ganz froh über die Erfindung des Internets, weil wir es tatsächlich schaffen, dass wir regelmäßig online proben", sagt sie. Trotz Zeitverzögerung sei das tatsächlich möglich. "Klar ersetzt es im Leben nicht das gemeinsame Spielen. Aber dafür gibt es ja die Wochenendproben."

Parallel hat sich Julia Graff ein eigenes Cover-Programm erarbeitet. Das Gitarrespielen brachte sie sich selbst bei. "So bin ich im Februar auf der Session in Weil der Stadt gelandet", sagt Graff. "Offenbar habe ich so einen guten Eindruck hinterlassen, dass Organisator Eric Richter auf mich zukam, ob ich nicht Lust auf ein Bandprojekt hätte." Nachdem Julia Graff erfuhr, wen Richter noch gefragt hatte, dachte sie: "Da wäre ich ja bescheuert, wenn ich das nicht mache, die Jungs sind schon alle ziemlich gut."

Es war die Geburt von Stereometria. Auf den Namen kam Graff selbst: "Recherche." Dabei stieß sie auf Keplers Fassregel, mit der sich der Inhalt von Weinfässern berechnen lässt, auf Latein: Stereometria doliorum vinariorum. Die erste Probe war im April. "Es hat auf Anhieb gut funktioniert."

Die Vorbereitungen fürs Konzert laufen schon lange. "Ich mache im Moment nichts anderes, als täglich die Songs anzuhören, zu spielen und zu singen - Wiederholung ist für mich in dem Fall das A und O." Gestern allerdings wurde das Singen ausgelassen, "um das Stimmchen zu schonen." Ansonsten stand nach getaner Arbeit Gitarre polieren, mit dem Hund spazieren und Equipment kontrollieren auf dem Plan.

Heute ist der große Tag. Graff freut sich: "Zu sehen, dass den Leuten Spaß macht, was man da tut, dass sie alles um sich herum vergessen - Musik ist einfach eine schöne, universelle Sprache." Als Rampensau sieht sie sich aber nicht. "Ich bin nicht so der Haudrauf-Typ. Ich bin eher mal stiller zwischendurch. Aber ich brauch die Bühne."

Alannah Myles, Jimi Hendrix und Stevie Wonder - eine gute Mischung

Noch ein letztes Mal die Songs durchgehen am Vormittag. Sie teilt sich die Gesangsparts mit Gitarrist und Sänger Jan Sinapius. "Er hat eine coole Blues-Stimme, ein guter Kontrast zu meiner Art zu singen." Für die Verpflegung ist gesorgt: "Eric hat einen leckeren Zwiebelkuchen organisiert, Salat wirds auch geben - und keinen Alkohol vor dem Auftritt." Um 20 Uhr gehts los. Für zwei Stunden gehört die Bühne nur ihnen. Alannah Myles, Jimi Hendrix, Stevie Wonder - "eine gute Mischung aus bekannten und eher unbekannten Songs."

Und nach dem Auftritt? "Bierchen trinken, Revue passieren lassen, abbauen. Dann gehts nach Hause, Equipment verstauen und dann werd ich direkt ins Bett fallen", so Graffs Prognose. "Am Sonntag wird ein wenig die Wohnung renoviert und dann werde ich einfach entspannen."

  Julia Graff
    1976 Geboren in Stuttgart, aufgewachsen in Weil der Stadt.
    1996 Abitur, anschließend Düsseldorf Ausbildung zur Verlagskauffrau, anschließend Redakteurin bei der Fachzeitschrift BuchMarkt.
    2003 Selbstständig als Produktions-Designerin in Düsseldorf.
    2008 Zurückgekehrt in den Familienbetrieb Hädecke Verlag in Weil der Stadt im Bereich Design/Produktion.

 

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