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Comics & Bier: Trinkfestes Quartett feiert die Popkultur

Comics und Bier: Gute Stimmung bei zweiter Auflage des Pop- und Trinkkultur-Talks im Blauen Haus in Böblingen

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    Botschafter für Pop- und Trinkkultur: Carsten Girke, Arnulf Woock, Steffen Volkmer und Heiko Volz lauschen Werner Dinkelakers (v.l.) Bier-Geschichten Foto: Rebecca Haar

Artikel vom 11. September 2018 - 19:30

Von Eddie Langner

BÖBLINGEN. "Ich finde es sexy, wenn ein Bier sich erst zurückhält und dann gnadenlos zuschlägt", fabuliert Steffen Volkmer und trinkt einen kräftigen Schluck von seinem Doppelbock. Die Böblinger Brauspezialität mit einem Alkoholgehalt von 8,4 Prozent ist bereits das vierte Bier, das der Moderator und seine Mit-Diskutanten an diesem Abend verkosten. So langsam merkt man das den Herren auch an: Je später der Abend, desto lustiger die Gastgeber. Diese Regel gilt auch bei der zweiten "Comics & Bier"-Talkrunde, zu der Comic-Redakteur und Moderator Steffen Volkmer an diesem Montagabend ins Blaue Haus geladen hat.

Das Kulturnetzwerk auf dem Schönbuch-Bräu-Gelände bietet dem KRZ-Mitarbeiter seit Jahresbeginn eine Bühne für seine unterhaltsamen Gesprächsrunden. Anders als beim Kneipen-Plauder-Format "Night-Talk", bei dem Volkmer interessanten Gästen auf den Zahn fühlt, versammelt der 49-Jährige bei "Comics & Bier" einen festen Stamm Gleichgesinnter um sich herum. In Anlehnung an das "Literarische Quartett" stellt jeder einen Comic-Band vor und die Runde diskutiert über Werk und Autor. Weil man vom vielen Reden einen trocken Hals bekommt, werden zwischendurch Biere probiert. Damit die Zuschauer nicht zu kurz kommen, dürfen diese ihrerseits lustig mittrinken - und bekommen sogar Comics geschenkt. So weit das Konzept von "Comics & Bier".

Zum trinkfesten Comic-Nerd-Quartett gehören neben Volkmer noch Arnulf Woock (Journalist und PR-Spezialist), Radiomoderator Carsten Girke sowie der Journalist und Buchautor Björn Springorum. Letzterer ist an diesem Abend allerdings verhindert, weswegen kurzfristig Heiko Volz für ihn einspringt. Volz zeichnet und schreibt seit vielen Jahren die "Äffle & Pferdle"-Geschichten und leiht außerdem dem Äffle seine Stimme. Zudem war er einst beim Ehapa-Verlag tätig, wo unter anderem die Disney-Comic-Reihe "Lustiges Taschenbuch" erscheint. Der Mann kennt sich also aus mit der "Neunten Kunst", wie Comics in Fachkreisen respektvoll genannt werden.

Als Vertreter der ehrenvollen Kunst des Bierbrauens ist an diesem Abend der Hausherr persönlich am Start: Schönbuch-Bräu-Chef Werner Dinkelaker. Der Geschäftsführer hat vier seiner Bierspezialitäten zur Verkostung ausgewählt: "Dunkel", "Jäger Spezial", "Pale Ale" und "Doppelbock". Zu jeder Sorte hat er eine interessante und witzige Anekdote zu erzählen. Zum Beispiel erfahren die rund 45 Besucher im Blauen Haus, warum er erst vor Kurzem seine Skepsis gegenüber Dunklem Bier aufgab. Beim Blick in die Familienchronik stellte er nämlich fest, dass sein Ur-Ahn und Firmengründer Karl Gottfried Dinkelacker (damals noch mit "c" im Namen) anfangs jahrzehntelang selbst ausschließlich Dunkles braute.

Erstaunlich ist auch die Geschichte hinter dem "Jäger Spezial", dem laut Dinkelaker meist verkauften Bier aus seinem Sortiment. Das süffige Exportbier "ohne Ecken und Kanten" (O-Ton Dinkelaker) verdankt seine Existenz einer Entdeckung bei Sanierungsarbeiten im Filmzentrum Bären. Kino-Chef Andreas Zienteck hatte Dinkelaker die Flasche mit dem merkwürdigen orangefarbenem Etikett gezeigt. "Die hat wohl ein Bauarbeiter irgendwann in den 60ern da liegen lassen", vermutet der Brauerei-Chef, der daraufhin sein Vater nach der verschollenen Biersorte befragte. Der wusste sofort Bescheid - und so kam es vor zwei Jahren zur Wiedergeburt von "Jäger Spezial".

Getreu Steffen Volkmers augenzwinkerndem Motto "Nur Profis trinken schon am Anfang der Woche" leeren die Talker auf der Bühne ein Bier nach dem anderen und fällen dazu ihr mehr oder minder fachmännisches Urteil. Nicht immer sind die Herren sich dabei einig: Während Arnulf Woock sich beim "Jäger Spezial" der Beschreibung "Vortrefflich" auf dem Etikett anschließt, nennt Carsten Girke das Gebräu abschätzig "Dachdecker-Bier" und Dunkel-Fan Steffen Volkmer ist bei dem Verkaufsschlager "zu wenig Disco auf der Zunge".

Mehr als Superhelden-Geschichten

Wortwitzig geht es auch beim Besprechen der Comics zu. Den Anfang macht Steffen Volkmer mit einem Exkurs über das Thema Crossover - also Comics, in denen Figuren aufeinandertreffen, die sich sonst nie begegnen würden. So trat im Jahr 1978 zum Beispiel in der Spezialausgabe "Superman vs. Muhammad Ali" der Mann aus Stahl gegen die US-Boxlegende an.

Danach zeigt das Talk-Quartett, dass Comics viel mehr sind, als bunte Superhelden-Geschichten. Die "Schattenspringer"-Bände von Daniela Schreiter zeigen zum Beispiel, wie eine Asperger-Autistin über das Geschichtenzeichnen für sich selbst und andere Betroffene einen Weg gefunden hat, offen mit dieser Störung umzugehen und zugleich Verständnis bei den Mitmenschen zu wecken.

Mit der tiefgründigen Graphic Novel "Am liebsten mag ich Monster" von US-Zeichnerin Emil Ferris stellt das Quartett am Ende ein international gefeiertes Meisterwerk vor. "Das kann man Kritikern an die Ohren klatschen. Das Gewicht dafür hätte es auf jeden Fall", sagt Arnulf Woock in Richtung all jener, die Comics oder gezeichneten Romanen ihren künstlerischen Wert absprechen.

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