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Projekt "Achtung?!" feiert Erfolge gegen Rechts

Polizeipräsidium Ludwigsburg feiert Präventionsprojekt "Achtung?!" gegen Extremismus und Radikalisierung

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    Eberhard Stilz, Präsident der Stiftung Weltethos, Projektleiter Kriminaldirektor Jürgen Hauber, Kriminalhauptkommissarin Andrea Glück und Polizeikommissarin Türkan Karakus (von links) bei der Abschlussveranstaltung beim Polizeipräsidium Ludwigsburg Foto: red

Das mit EU-Mitteln kofinanzierte Präventionsprojekt hatte sich zu Ziel gesetzt, Jugendliche und Erwachsene, insbesondere Lehrer sowie sonstige pädagogische Fachkräfte darüber zu informieren, wie extremistische Gruppen bei der Anwerbung vorgehen und welche Mechanismen einer Radikalisierung wirken.

Artikel vom 05. September 2018 - 17:39

KREIS BÖBLINGEN (red). Jugendliche sind bei der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft auf Orientierung angewiesen. Sie wollen ernst genommen werden, brauchen jemanden, der zuhört. Dabei sind sie empfänglich für sinngebende Impulse, sie suchen verständliche Erklärungsansätze für eine komplexe, schnelllebige und oftmals ungerechte, unverständliche Welt. Hinzu kommt die aktuelle Zuwanderungssituation in Europa, die die Menschen vor besondere Herausforderungen im Hinblick auf Toleranz, Solidarität und die Akzeptanz von Vielfalt stellt. Radikale und extremistische Gruppierungen machen sich diese Bedürfnisse zunutze, um Jugendliche für ihre Sache zu gewinnen. Dabei gehen sie subtil vor, zeigen Interesse und Verständnis, geben einfachste Erklärungen und verschleiern ihre eigentlichen Absichten. Pädagogische Fachkräfte, insbesondere in Schulen, stehen solchen Entwicklungen mitunter hilflos gegenüber, so die Polizei in einer Mitteilung.

"Hab Achtung und Respekt vor anderen"

Die Initiative "ACHTUNG?!" sammelte und bündelte die Expertisen verschiedener Präventionsakteure und schnürte sie zu einem sich ergänzenden und Erfolg versprechenden Gesamtpaket für Schulen, das bedarfsbezogen angefordert werden konnte. Der Projekttitel drückt zwei wesentliche Kernbotschaften aus. Achtung im Sinne von "Pass auf, wer dir was mit welchen Hintergedanken anbietet" und Achtung im Sinne von "Hab Achtung und Respekt vor Anderen". Fragezeichen und Ausrufezeichen sollen das Hinterfragen und die Aufmerksamkeit unterstreichen.

Das Projekt war modular aufgebaut: Die verschiedenen Module konnten nach individuellem Schwerpunkt oder konkreter Problemlage vielfältig kombiniert werden und waren so konzipiert und aufeinander bezogen, dass sie alle Zielgruppen erreichen und sich gegenseitig verstärken.

An fast 40 Schulen in den Landkreisen Böblingen und Ludwigsburg wurde das Theaterstück "ACHTUNG?!" als Kernelement des Projekts insgesamt 58 Mal aufgeführt und von rund 4700 Zuschauern gesehen. Die gespielten Biografien eines Jungen und eines Mädchens zeigten exemplarisch Radikalisierungsverläufe, warum man in bestimmten Lebensphasen anfällig für extremistische Organisationen sein kann und wie die Bedürfnisse von Jugendlichen durch "Mentoren" ausgenützt werden.

Das gerade Jugendliche emotional berührende Stück wurde im Anschluss intensiv durch Referenten der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) klassenweise nachgearbeitet. Polizeiliche Info-Veranstaltungen rundeten die Aufklärung ab. So kamen LpB und Polizei während der Projektlaufzeit jeweils fast 180 Mal mit wichtigen Informationen in die Klassenzimmer.

Bei 28 Elternabenden und 17 Informationsvorträgen für Lehrer konnten fast 2000 Erwachsene von einen versierten Referententeam der Polizei und des Landesamtes für Verfassungsschutz wertvolle Informationen gewinnen, wie radikale Gruppen bei der Nachwuchswerbung vorgehen, welche Anzeichen aufmerksam machen sollten und wo man Hilfe bekommen kann.

Die Stiftung Weltethos, einer der vielen Partner des Projekts, hat mit ihren Erkenntnissen und Informationen zu Religionen, die bei Radikalisierung und Extremismus oft eine entscheidende Rolle spielen, einen wertvollen Projektbeitrag geleistet: rund 2500 Besucher haben die Ausstellung "Weltethos" gesehen, die an zwölf verschiedenen Standorten gezeigt wurde.

Da es zu Thema Radikalisierung und Extremismusprävention noch wenig Erfahrung und kaum Präventionsmaßnahmen gab, erregte das Projekt auch über die Grenzen des Zuständigkeitsbereichs des Polizeipräsidiums Ludwigsburg große Aufmerksamkeit, schreibt die Polizei weiter. Das Projekt wird nun landesweit in Baden-Württemberg fortgeführt.

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