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Stadtteilnamen: Warum heißt es eigentlich Hulb?

Böblinger Stadtteilnamen (4): Die Hulb war ursprünglich alles andere als ein Industrieareal

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    Auf der Böblinger Markungskarte (um 1910) sind Hulb, Högen und Ried gut zu sehen Foto: Archiv

Artikel vom 05. September 2018 - 14:30

BÖBLINGEN (red/krü). Der Name "Hulb" ist für die Böblinger ganz klar mit "ihrem" Industriegebiet Richtung Dagersheim besetzt. Dass dieses Gebiet einst ganz anders genutzt wurde, ist heutzutage kaum noch vorstellbar.

Wie der Böblinger Stadtarchivar Christoph Florian schon vor einigen Jahren in einem Amtsblatt-Artikel zusammengefasst hat. lässt sich der Flurname "Hulb" erstmals 1495 schriftlich nachweisen.

Und dieser Name steht eigentlich nicht für ein wirtschaftlich nutzbares Gebiet, sondern eher für ein ziemlich matschiges Areal - denn er wird vom althochdeutschen Wort "huliwa" beziehungsweise dem mittelhochdeutschen "hülwe" hergeleitet, die einen Sumpf oder eine Pfütze bezeichneten.

Erstaunlich ist, dass in den 1980er Jahren auf der Hulb einige Knochen eines Mammuts sowie Skelettreste von Fellnashorn und Wildpferd gefunden wurden. Die Tiere müssen vor etwa 14 000 bis 16 000 Jahren von Jägern erlegt worden sein. Wie Christoph Florian schreibt, hatten die Jäger der Steinzeit auf der Hulb wohl einen Jagd- und Zerlegungsplatz.

Rund eine Million Torfziegel

Weitere Informationen gibt das "Statuten und Lagerbuch" von 1587, eines der herausragenden Stücke im Böblinger Stadtarchiv. In einem solchen Wälzer wurden schon damals die Rechte und Besitzungen am Ort festgehalten - letztlich vor allem, um die Abgaben an den Herzog festzulegen. Im Böblinger Lagerbuch wird deutlich, dass die Hulb landwirtschaftlich genutzt wurde. Es gab Wiesen und sogar Äcker. Eigentümer und die fälligen Abgaben sind auf den alten Seiten verzeichnet.

Eine spezielle Phase erlebte die Hulb im 19. Jahrhundert, als das Gebiet auf manchen Karten auch als "Hülbe" bezeichnet wurde. Es gab nämlich riesige Mengen an Torf. Und der diente als Heizmaterial sowie als Düngemittel für schwere Böden.

1832 wurde mit dem Abbau begonnen. Wie Stadtarchivar Florian berichtet, baute man rund eine Million Torfziegel Mitte des 19. Jahrhunderts jährlich ab. "Doch schon in den 1860er Jahren verlor der Torf als Brennmaterial an Bedeutung, weil die Steinkohle einen viel höheren Brennwert hatte", schreibt der Stadtarchivar, "es wurde wieder ruhig auf der Hulb."

Ehe in den 1960er Jahren die Planungen für das Gewerbegebiet begannen, das heute auf einer riesigen Fläche nordwestlich an das Stadtgebiet anschließt. Übrigens besteht die Hulb, wie wir sie heute nennen, eigentlich aus drei Fluren: aus der eigentlichen Hulb sowie den benachbarten Gewannen Högen und Ried - insgesamt umfasst das Gebiet 36 Hektar. Fläche, auf der die Wirtschaft brummt - und die dem Stadtsäckel Jahr für Jahr viele Millionen Euro einbringt.

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