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Klein Thailand am Unteren See

Zum ersten Mal hat am Wochenende das Thai Food & Culture Festival in Böblingen stattgefunden - Nur das Wetter spielte nicht mit

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    Großer Andrang trotz kühler Temperaturen an den bunten Ständen des Thai Food & Culture Festivals Fotos: Bernd Epple

In der Schweiz schon seit zehn Jahren ein Begriff und am vergangenen Wochenende von Freitag bis Sonntag zum ersten Mal in Deutschland: das Thai Food & Culture Festival. Trotz durchwachsenem Wetter drückten sich dabei in Böblingen viele Besucher zwischen den Ständen am Unteren See.

Artikel vom 02. September 2018 - 19:18

Von Bernd Epple

BÖBLINGEN. Was sich im Kanton Zürich etabliert hat, soll nun auch in Deutschland Fuß fassen. Wie kommt man vom schweizerischen Bülach aus allerdings auf die Idee, für dieses Kulturfestival ausgerechnet Böblingen als erste Station für Deutschland zu wählen? Maßgeblichen Anteil daran hat das Thaimassage-Studio Bunmi in der Stadtgrabenstraße, dessen Manager ein guter Freund von Tom Mahiphund ist. Der wiederum ist Veranstalter und Gründer der Mai Thai Entertainment-Events in der Schweiz.

Mahiphund hat es sich zur Aufgabe gemacht, die wahren Werte Thailands zunächst in die Schweiz zu tragen. Beim Bülacher Festival zählte man Mitte August immerhin schon um die 30 000 Besucher und auch in Lachen am Zürichsee ist das Fest seit drei Jahren sehr erfolgreich. "Es geht uns um Kulturvermittlung", erklärt Mahiphund, der seit rund 40 Jahren in der Schweiz lebt. "Die Europäer sollen die Gelegenheit erhalten, unsere Kultur kennenzulernen, aber auch für die Thai-Communities in den entsprechenden Regionen sollen diese Veranstaltungen zum Treffpunkt werden. Die Thailänder dürfen sich mal wieder wie zuhause fühlen."

Da Liebe, auch die zu einem Land, bekanntlich durch den Magen geht, steht thailändisches Essen beim Festival ganz weit oben. 15 Standbetreiber, zehn davon aus der Schweiz, sind in Böblingen vertreten. Samstagmittag zur besten Essenszeit: Herrliche Düfte wabern um die Essensstände und lange Menschenschlangen warten geduldig davor. Dem Augenschein nach sind tatsächlich zahlreiche Besucher mit thailändischen Wurzeln unterwegs, aber auch Einheimische, die entweder die thailändische Küche lieben oder gelegentlich Urlaub im südostasiatischen Land machen.

"Der Besuch hat sich gelohnt"

Beide Vorlieben finden sich bei Laura und Tobias Hemminger. Sie schwärmen sowohl für Thai-Food, als auch für Land und Leute. Die Thailand-Urlauber sind eigens aus Kämpfelbach bei Pforzheim angereist. Gerade ihren Nachtisch, Reisbällchen mit Kokos, verspeisend, verraten sie der KRZ, dass sie durch einen Thai-Kochkurs in Karlsruhe-Durlach auf die Veranstaltung aufmerksam wurden. "Der Weg hat sich gelohnt", sind sich die Hemmingers einig. Nach einer traditionellen Musikparade und Livemusik auf einer Zeltbühne warten sie gespannt auf die kulturellen Events, die noch folgen sollen.

Der thailändische Sänger Mike Phiroporn ist angekündigt, eine Fashion-Show, Tanzeinlagen, Tanz und Gesang von Kindern, Schwertkampfkunst und ein traditioneller Thaiboxkampf sind ebenfalls im ausgelegten Programmheftchen aufgeführt. In Deutsch und Thai versteht sich. Kaum hat sich die Musikparade mit Trommel, einer Phin (thailändische Gitarrenart) und zwei grazilen Tänzerinnen um die Biergarnituren bewegt, beginnt sie mit einer Musikvorführung am Bühnenzelt mit Klängen, die für europäische Ohren teilweise etwas ungewöhnlich klingen. Aber auch Thai-Pop ist angesagt. Die Sängerin tanzt immer wieder auf die Besucher zu und kann einige thailändische Gäste zum Mittanzen animieren. Fröhliches Gelächter, wie auch beim darauffolgenden Schwertkampf, zu dem die beiden Kämpfer ebenfalls immer wieder Männer aus dem Publikum hinzu holen.

Neben den Essensangeboten gibt es an anderen Ständen Reiseprospekte, thailändisches Bier und ein Glücksrad einer thailändischen Fluggesellschaft, an dem sich vornehmlich die Kinder anstellen und kleine Preise einheimsen. "Sollte das Festival hier ähnlich einschlagen wie in der Schweiz", so Roy Mahiphund, der Neffe des Veranstalters und Marketingchef, "kommen wir im nächsten Jahr gerne wieder". Interkulturelle Begegnung finde automatisch statt, meinen die Besucher zufrieden. Sollte sich das Festival am Unteren See etablieren - Böblingen wäre um eine Attraktion reicher.

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