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Humor/Meinung: Rock-Plagiatoren auf Tingeltour

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    Foto: Bischof

Artikel vom 25. August 2018

SINDELFINGEN (red). Am Dienstag rockt Kornwestheim, am Donnerstag Eislingen an der Fils und zwischendrin haut Sindelfingen auf die Pauke. Wer geglaubt hat, dass nur die Daimlerstadt ihren Bürgern fünf Wochen lang Nachspiel-Rocker als exklusives Ferien-Spektakel zum Nulltarif spendiert, der hat sich getäuscht. Ein Sindelfinger Erfolgsformat, erfunden und gemacht nur für diese Stadt? Wer genau hinschaut, kommt zu einem anderen Ergebnis. Die Star-Kopierer stöpseln nicht nur bei „Sindelfingen rockt“ ihre Instrumente ein, sondern sind auch in der Umgebung tätig. Das ganze Spektakel ist nichts anderes als eine pfiffige Geschäftsidee, die aus einer kleinen Mini-Tournee für Coverbands besteht. Jede Woche ist eine Kapelle dran, die in allen drei Orten mal den Freddy, mal den Jon und mal den Marius macht, AC/DC plärren oder Pink Floyd wabern, oder gleich Paul, Ringo, John und George wiederaufleben lässt. Und überall dasselbe: Je authentischer, desto doller, je gleicher der Song dem Original im Radio, desto größer der Jubel auf den schwäbischen Marktplätzen. Und sieht der Mann am Mikro dann auch noch so aus, wie der, den er singt, ist die Zuhörerschaft nicht mehr zu halten – obwohl das alles eigentlich ziemlich unkreativ ist. So, wie wenn einer einen Bestseller-Roman abgeschrieben hätte und ihn nun auf der Bühne vorliest. Aber wie sangen unsere Altvorderen schon? Richtig: „Musik ist Trumpf, Musik ist unser Leben.“ Deshalb: „Sindelfingen rockt“ lebt. Zwar nicht ganz als exklusive Daseinsfürsorge für die Daheimgebliebenen, aber mindestens so lange, bis auch die letzte Rockkapelle ihre Plagiatoren gefunden hat.

(Aus unserer Samstags-Humorkolumne "Bonbons")

 

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