Berufe schnuppern und Betriebe kennenlernen

In einem Projekt des Landkreises sollen weibliche Geflüchtete einen Einblick in die Arbeitswelt erhalten

Artikel vom 21. August 2018 - 12:48

KREIS BÖBLINGEN (red). Das Projekt "Berufliches Empowerment für geflüchtete Frauen im Landkreis Böblingen" besteht seit Mai vergangenen Jahres. Ziel des Projekts ist laut einer Pressemitteilung des Landratsamtes, mit gering qualifizierten geflüchteten Frauen eine eigene berufliche Perspektive zu gestalten.

Die Leiterin des Amts für Migration und Flüchtlinge, Katharina Pfister, zieht ein positives Zwischenfazit: "Das Projekt wird sehr gut nachgefragt. So haben wir bereits jetzt, die Fallzahl von rund 70 zu begleitenden Frauen erreicht, die wir uns als Ziel bis zum Ende des Jahres gesetzt hatten".

Das Projekt wird im Rahmen des bundesweiten Netzwerks "Integration durch Qualifizierung" (IQ) umgesetzt und aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) und des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA). Gezieltes Einzelcoaching begleitet die Umsetzung der beruflichen Wege. Die Frauen sollen in Kooperation mit Arbeitsmarktpartnern die Vielfalt von beruflichen und qualifizierenden Angeboten kennenlernen. Alena Babeyeva und Hanna Hiltner betreuen das Projekt als Koordinatorinnen. Ihr Arbeitsplatz liegt direkt in einer Gemeinschaftsunterkunft des Landratsamtes Böblingen.

Das Alter der Teilnehmerinnen lag zwischen 18 und 45 Jahren. Die Herkunftsländer sind Afghanistan, Syrien, Iran, Irak, Nigeria, Togo, Kamerun, Georgien, Eritrea, Sri Lanka und die Türkei. Gruppenangebote und Einzelberatungen wurden in Böblingen, Sindelfingen, Jettingen, Gäufelden, Renningen, Leonberg und Waldenbuch durchgeführt.

Seit Beginn des Projekts bis zum Frühjahr 2018 wurden mehrere Betriebsbesichtigungen organisiert. Gerade bei weiteren, noch vorrangigen Aufgaben wie Spracherwerb und Kinderbetreuung erweitere der Praxisbezug das Interesse und unterstütze eine realistische Perspektiventwicklung neben der "theoretischen" Wissensvermittlung.

Es habe sich gezeigt, dass die Ansprache der Teilnehmerinnen über die Sozialbetreuung der Unterkünfte einen schnellen Zugang zur Zielgruppe sichere, da hier intensive Kontakte sowie ein Vertrauensverhältnis bestünden. Die Sozialbetreuung könne in der Regel gut einschätzen, für welche geflüchteten Frauen in ihrer Betreuung das Thema berufliche Integration annehmbar und von Interesse ist. So könne eine hohe Abbruchquote vermieden werden.

Die Teilnehmerinnen seien überwiegend Mütter von häufig kleinen Kindern. Aus diesem Grund sind ihre zeitlichen sowie räumlichen Möglichkeiten begrenzt. Durch die "vor-Ort" Angebotsstruktur des Teilprojektes und die Möglichkeit, Kinder mitzubringen, könnten auch diese Frauen sich über berufliche Tätigkeiten in Deutschland informieren und persönlich auseinanderzusetzen. Ergänzend zu der Kooperation mit lokalen Arbeitsmarktakteuren zeigte sich die Vernetzung mit psychosozialen Beratungsstellen und frauenspezifischer Sozialarbeit als sinnvoll.

Am 11. Dezember findet die Abschlussveranstaltung des IQ-Projektes im Landratsamt statt. Neben einer Publikation über Projekterfahrungen und Ergebnisse werden geflüchtete Frauen, Kooperationspartner und Unternehmen über die Zusammenarbeit berichten.

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