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Beim Einkaufen entschleunigen

Serie "Frisch gekocht" (Teil 2): Saisonale Ware von regionalen Produzenten gibt es bei den inklusiven Cap-Märkten

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    Für Kreativität in den Kochtöpfen wählt der Herrenberger Marktleiter Steffen Rau Produkte aus, die zusammen passen Fotos: Sandra Schumacher

Immer mehr Menschen achten auf eine gesunde Ernährung - doch nicht nur das Kochen spielt dabei eine Rolle, sondern auch die Auswahl der Lebensmittel beim Einkauf. Wer auf Massenware verzichten und stattdessen lieber auf regionale Produkte setzen will, wird bei den Cap-Märkten fündig.

Artikel vom 14. August 2018 - 16:06

Von Sandra Schumacher

KREIS BÖBLINGEN. Was 1999 mit einem einzelnen Herrenberger Eigengewächs begann, entwickelte sich in den vergangenen 19 Jahren zu einer Erfolgsgeschichte: Bundesweit gibt es mittlerweile rund 100 der inklusiven Einkaufsläden, im Kreis Böblingen sind sie in Herrenberg, Nufringen, Holzgerlingen und Malmsheim zu finden. Während das Grundsortiment von einer Supermarktkette stammt, halten hier auch Produkte von regionalen Produzenten Einzug in die Regale. So stammt das Fleisch beispielsweise von der Metzgerei Schneck in Nufringen, Honig gibt es vom Hofgut Mauren in Holzgerlingen, die Eier kommen vom Geflügelhof Hiller in Bondorf und Marmelade, Säfte oder Sirup werden im Tennental in Deckenpfronn hergestellt.

Gleichzeitig bieten die Cap-Märkte aber auch kleineren Produzenten aus der Region einen Absatzmarkt, eine Mindestanforderung beispielsweise in Bezug auf die Stückzahl gibt es nicht. "Einige der kleineren Produzenten haben zwar einen eigenen Hofladen, trotzdem sind sie auch auf andere Verkaufsstellen angewiesen", erklärt Steffen Rau, Marktleiter in Herrenberg. Je nach Saison wird auch Obst und Gemüse aus der näheren Umgebung angeboten. Im Gegensatz zu den Waren der Supermärkte kommen die regionalen Produkte frisch vom Feld in die Marktauslage. "Die Erzeuger bringen beispielsweise ihre gerade eben geernteten Erdbeeren direkt morgens zu uns. Angelieferte Produkte kommen erst nachmittags und sind dann auch mindestens schon einen Tag alt", weiß Rau.

Insbesondere die Frische der Lebensmittel gefalle den Kunden, allerdings seien manche Produkte aufgrund der geringen Stückzahl, in der sie hergestellt werden, auch schnell vergriffen. "Aber wenn etwas ausverkauft ist und erst im nächsten Jahr wieder angeboten wird, freuen sich die Leute besonders darauf", meint Rau.

Doch nicht nur das regionale Angebot der Cap-Märkte, deren Träger die gemeinnützige Integrationsfirma Femos ist, ist etwas besonderes: Vielmehr bieten sie auch Menschen mit Behinderung eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt. Von den insgesamt 53 Mitarbeitern im Kreis Böblingen leben 50 Prozent mit einer Einschränkung. "Die Mitarbeiter stehen bei uns mehr im Mittelpunkt. Sie haben einen viel höheren Stellenwert als es in anderen Supermärkten üblich ist", sagt Sascha Richter, der für die Bereichsleitung der Märkte zuständig ist. Außerdem verfüge man zwangsweise über deutlich mehr Personal. Die Folge: "Die Leute können bei uns entschleunigter einkaufen, da unsere Mitarbeiter sich die Zeit nehmen können, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen, sie zu beraten und auch mal mit zu den Regalen zu gehen, wenn jemand eine Frage hat."

Zudem seien einige der Märkte, die grundsätzlich immer in den Ortszentren zu finden sind, damit sie auch für ältere Menschen zugänglich sind, auch mit Sitzgelegenheiten ausgestattet. Das soll älteren und gehbehinderten Menschen die Möglichkeit für eine Verschnaufpause oder die Gelegenheit zu einem Schwätzchen geben. Vielleicht einer der Gründe, weshalb auch das Kaufverhalten anders ausfällt als in vielen anderen Supermärkten. "Wir haben zahlreiche Kunden, die jeden Tag zu uns kommen und sich eben nicht, wie es ja mittlerweile üblich ist, für die ganze Woche eindecken", erzählt Richter. Und wer die Waren nicht selbst nach Hause schleppen kann, aber trotzdem gerne durch die Regale stöbern möchte, wird von den Mitarbeitern anschließend mit den ausgesuchten Waren beliefert.

Lieferservice bringt gesunde Leckereien bis vor die Haustür

Diesen Liefer-Service erhalten derzeit auch die beiden Siegerfamilien des Projektes "Frisch gekocht" der Volkshochschule Böblingen-Sindelfingen. Sie werden einmal wöchentlich mit einem Warenkorb beliefert und sollen daraus verschiedene frische Gerichte zaubern. Was genau in die Holzkisten kommt, entscheiden die Marktleiter. "Die ersten Produkte, die wir für den Warenkorb auswählen, stammen aus der Region und am besten auch noch aus dieser Saison", verrät Steffen Rau. Da sich daraus allein aber zumeist nichts Anständiges kochen lässt ("Ausschließlich Marmelade und Saft wäre wohl ein bisschen einseitig"), landen weiterhin Lebensmittel in den Kisten, die zu den vorher ausgewählten Produkten passen - damit am Ende ein kreatives, gesundes Gericht auf den Tellern von Familie Schäfer aus Holzgerlingen und Familie Rohde aus Grafenau landet.

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