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Honeywell in Schönaich: 45 Mitarbeiter müssen gehen

Gewerkschaft sieht kompletten Standort in Gefahr

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    Die Mitarbeiter kämpften für ihren Arbeitsplatz. Nicht ganz umsonst, sagt die Gewerkschaft / Foto: red

Honeywell baut 45 Stellen in Schönaich ab. Betroffen sind vor allem Arbeitsplätze in der Entwicklung und der Produktion. Mit Unterstützung der Gewerkschaft IG Metall haben die Betriebsräte in den vergangenen Wochen einen Sozialplan für die betroffenen Mitarbeiter verhandelt. Das Ergebnis der laut Gewerkschaft "teils zähen und schwierigen Verhandlungen" wurde den Beschäftigten am Montag auf der Betriebsversammlung mitgeteilt.

Artikel vom 14. August 2018 - 14:06

SCHÖNAICH (red/mis). Laut einer Pressemitteilung der IG Metall war es dem Betriebsrat in den Verhandlungen daran gelegen, neben den betroffenen Beschäftigten auch alle anderen rund 190 am Standort beschäftigten Kolleginnen und Kollegen bis ins Jahr 2024 abzusichern. Wie Britta Cartarius von der IG Metall mitteilt, ist es dabei nicht gelungen, dem US-Konzern den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen abzuringen. Jedoch gelten für die übrige Belegschaft bei weiteren Kündigungen die jetzt ausgehandelten Bedingungen.

Betroffene Beschäftigte erhalten demnach ein Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr bis zum Ablauf ihrer Kündigungsfrist. Beschäftigte mit Kindern oder Schwerbehinderung erhalten weitere Zuschläge. Außerdem ist es möglich, die Abfindung in weitere Beschäftigungszeiten umzuwandeln, um damit (betriebs-)rentenrechtliche Ansprüche zu begründen oder zu verbessert. Für ältere Kolleginnen und Kollegen werden in Einzelfällen Altersteilzeitarbeitsverhältnisse angeboten. Ab dem 60. Lebensjahr kann eine Betriebsrente auch ohne Ausübung des Widerspruchsrechts des Arbeitgebers bezogen werden. Zusätzlich wurde ein Härtefonds gegründet, um weitere finanzielle Mittel zur Verfügung zu haben. Darüber hinaus erhalten Mitglieder der IG Metall eine zusätzliche Abfindung in Form eines Mitgliederbonus.

Britta Cartarius sieht in diesem Ergebnis den Lohn für das Engagement und die Aktionen der Belegschaft in den vergangenen Wochen. "Die Metallerinnen und Metaller haben unermüdlich für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze gekämpft und waren damit eine wichtige Stütze für das Verhandlungsteam", erläutert sie.

Die Entwicklung geht nach Indien

Wie berichtet, teilte das Unternehmen, das elektronische Regelungs- und Steuerungstechnik herstellt, den Beschäftigten Anfang des Jahres die Pläne für den Standort Schönaich mit: Die Entwicklung wird ganz eingestellt und hauptsächlich nach Indien verlagert, ein wichtiger Produktionsbereich wird nach Ungarn verlegt. Daneben finden Verlagerungen weiterer einzelner Arbeitsplätze statt. Laut Britta Cartarius treffen die Entlassungen vor allem Mitarbeiter in höherem Alter. "Die meisten", sagt sie, "sind schon lange im Unternehmen". Viele davon befänden sich in einem für eine Wiederbeschäftigung kritischen Alter zwischen 50 und 60 Jahren.

Was die Zukunft des Standortes angeht, der aus dem Schönaicher Unternehmen Centra-Bürkle hervorging, ist Britta Cartarius skeptisch: "Erfahrungsgemäß ist vor allem die Verlagerung der gesamten Entwicklung ein Indiz dafür, dass der Standort als Ganzes gefährdet ist. Diese Einschätzung wird dadurch gestützt, dass es auch für die Produktion bisher keine Pläne gibt, neue innovative Produkte in Schönaich fertigen zu lassen", erklärt sie. "Wenn nicht noch neue Produkte hierher verlagert würden, sei es um den Fortbestand von Honeywell schlecht bestellt. Zumal eine vom Betriebsrat in Auftrag gegebene Bewertung der Restrukturierungsmaßnahmen ergeben habe, dass der Standort durchaus wirtschaftlich arbeite.

Hoffnung für Schönaich sieht Britta Cartarius nur noch, wenn die geplanten Verlagerungen nicht funktionieren oder ein Wechsel im Management von Honeywell stattfinde. Vom Betriebsrat vorgeschlagene alternative Maßnahmen sowie Vorschläge für eine Zukunftssicherung seien vom Konzern nicht ernsthaft diskutiert worden.

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