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Nachgefragt: "Herdenschutz mit Hunden kostet Zeit, Geld und Nerven"

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    Schäfer Herbert Schaible / Foto: Ruchay-Chiodi/Archiv

Herdenschutzhunde sollen helfen gegen Wölfe. Die Schäferei Schaible in Dachtel mit 1000 Muttertieren plus Lämmer hat Erfahrungen gesammelt mit zwei Pyrenäenberghunden im Rahmen eines Projektes von Landesschaftzuchtverband (LSV) und Naturschutzbund. Der Praxistest mit den Herdenschutzhunden stellte Herbert Schaible vor Herausforderungen.

Artikel vom 10. August 2018 - 16:06

Von Matthias Weigert

Herr Schaible, was war die Zielsetzung des Modellversuchs?

Im Rahmen des Projekts wollten LSV und Naturschutzbund praxistaugliche Methoden für einen Herdenschutz entwickeln und prüfen, wie ein möglichst konfliktarmes Nebeneinander gelingen kann. Das durch Landesmittel geförderte Projekt ging mit der Modell-Integration von Herdenschutzhunden in zwei Schäfereibetrieben in die erste Phase.

Was änderte sich mit Herdenschutzhunden?

Schwarz ist böse. Weiß ist gut. Das mussten die Schafe erst kapieren. Denn die Hütehunde sind schwarz und die Schutzhunde sind weiß. Während die einen schon mal ein Schaf kneifen, damit es sich in die richtige Richtung bewegt, mag ein Pyrenäenberghund den Familienanschluss. Deshalb sitzen sie auch gern mitten in der Herde. Da Hütehund und Herdenschutzhund nicht miteinander können, erhöht sich der Aufwand für den Schäfer. Er muss immer beide Hunderassen auseinanderhalten. Beim Viehtrieb beispielsweise sind die Herdenschutzhunde in Aktion und der Herdenschutz damit außen vor.

Wie kommen Sie mit Pyrenäenhunden klar?

Da geht sogar mir das Muffensausen, wenn einer der Pyrenäenberghunde aus dem Wartemodus in den Wachmodus umstellt. Und das passiert schon, wenn ein Spaziergänger am Schafzaun vorbeiläuft. Dann gibt es kein Halten und der weiße Riese sprintet Richtung Zaun und bellt, was das Zeug hält. Das ist auch gut so, nur über den Zaun darf er nicht. Aber weiß das auch der Spaziergänger? Den Hunden fehlt eben der Grundgehorsam, das erfordert ein Händchen und viel Fingerspitzengefühl. Und der Schäfer muss auch noch der Chef sein. Das kostet viel körperliche und mentale Kraft.

Trotzdem haben sie noch die beiden Tiere?

In der Zwischenzeit kamen sogar noch Hermine und der Knut dazu. Solange ein Wolf deshalb einen Bogen um die Herde macht, ist alles gut. Aber wenn er es drauf anlegt, dann weiß ich nicht ob meine Herdenschutzhunde das überstehen. In Ostdeutschland ries ein Wolf nicht nur Schafe, auch Herdenschutzhunde bekamen einiges ab. Und bei einem Wolfsrudel braucht ein Schäfer eigentlich die gleiche Zahl an Herdenschutzhunden. Damit steigt der finanzielle und zeitliche Aufwand der Tierhaltung und ist kaum noch leistbar.

Sind Herdenschutzhunde die Antwort auf Wölfe?

Sie sind kein Allheilmittel und werden es nie werden, weil nicht alle Schäfer so viel Zeit, Geld und Nerven investieren. Wir müssen ja sowieso einzäunen. Wenn wir dann die Stromstärke erhöhen können, wäre das eine feine Sache. Wir entwickeln deshalb gerade Lösungen, die praxistauglich sind.

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