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Mensch ist Mensch

Kommentar

Artikel vom 12. Juli 2018 - 19:24

Von Eddie Langner

Ich bin der Nachkomme von Flüchtlingen. Meine sudetendeutsche Oma kam nach Kriegsende als Soldatenwitwe nach Deufringen. Meine Oma und meine damals zehnjährige Mutter wurden bei einem Landwirt zwangsuntergebracht. Sie fügten sich ein in diese für sie fremde Gesellschaft, die ihnen nicht nur Wohlwollen entgegenbrachte. Wen wundert's? Schließlich litten auch die Alteingesessen unter den Kriegsfolgen. Noch ein paar weitere Esser im Haus machten das Leben nicht leichter. Hinzu kam dieser merkwürdige Dialekt und die Tatsache, dass die katholischen Flüchtlingsfrauen Kopftücher trugen und sich so merklich von den übrigen Frauen in dem protestantisch geprägten Dorf unterschieden. Auch mein Vater stammt aus dem Sudetenland. Er kam als Waisenkind hierher. Beide Seiten meiner Familie haben überlebt, weil - wie Uli Mülbe es im Stück formuliert - "andere Menschen nicht nur an sich selbst gedacht haben". Meine Familie hat diese Erfahrung stark geprägt. Meine Mutter hat mir deshalb etwas beigebracht, das mir jetzt beim Probenbesuch in ähnlicher Form erneut begegnet ist - diesmal in den Worten eines jungen Afghanen: "Mensch ist Mensch".

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