Übergewicht laut AOK häufig Ursache für Diabetes

Im Landkreis Böblingen sind über 4500 Menschen wegen Übergewicht und Diabetes in Behandlung - Dunkelziffer vermutlich höher

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    In diesem Falle heißt es: Zu viel "Obst" ist ungesund. Immer mehr Menschen, egal welchen Alters, sind stark übergewichtig Foto: edi

Artikel vom 05. Juli 2018 - 18:14

KREIS BÖBLINGEN (red). Die Deutschen sind Spitzenreiter, denn: Deutschland liegt im europäischen Vergleich bei Adipositas auf Platz 1. Das belegen auch die Daten des Robert Koch-Instituts. Demnach sind etwa 24 Prozent aller Männer und Frauen stark übergewichtig. Bei den Kindern und Jugendlichen sind bundesweit etwa sechs Prozent fettleibig, also adipös. Die Häufigkeit starken Übergewichts hat in den letzten Jahrzehnten in allen Altersgruppen zugenommen.

"Wir arbeiten im Sitzen, wir legen den Weg zur Arbeit überwiegend im Sitzen zurück und wir verbringen einen großen Teil unserer Freizeit im Sitzen. Das macht es zunehmend schwieriger, die Kalorienaufnahme und den Kalorienverbrauch im Alltag auszugleichen", erklärt Sabine Knapstein, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg. "Gleichzeitig stehen uns jederzeit, überall und nahezu unbegrenzt Nahrungsmittel zur Verfügung", so die Medizinerin. Ihr Fazit: Mit dem Anstieg von Überernährung und Bewegungsmangel in der Gesellschaft steige auch die Zahl der Typ-2-Diabetiker deutlich an.

Etwa 80 von 100 Typ-2-Diabetikern sind laut AOK übergewichtig

Auch im Landkreis Böblingen gibt es immer mehr übergewichtige Typ2-Diabetiker. Das zeigen die Auswertungen der AOK Stuttgart-Böblingen: Von 4121 Betroffenen in 2014, 4213 in 2015, 4347 in 2016, stieg die Zahl auf aktuell rund 4500 AOK-versicherte Menschen, die sich ärztlich behandeln lassen müssen. Etwa 80 von 100 Typ-2-Diabetikern sind laut AOK übergewichtig. Hohe Insulinspiegel setzen die Sensibilität und Dichte der Insulinrezeptoren herab und damit die Wirksamkeit des Insulins. Dadurch muss der Körper die Insulinproduktion weiter steigern.

AOK-Ernährungsberaterin Stefanie Zinser empfiehlt: "Bauen Betroffene Übergewicht ab, sinken die Insulinspiegel wieder, was dazu beiträgt, dass die Insulinrezeptoren wieder empfindlicher auf das Insulin reagieren und die Dichte der Insulinrezeptoren wieder zunimmt. Das kann dazu führen, dass sich der Zuckerstoffwechsel wieder normalisiert."

Der Hausarzt ist die erste Anlaufstelle, wenn Menschen es nicht schaffen, alleine abzunehmen. Praktische Tipps und professionelle Unterstützung gibt es auch bei der AOK, beispielsweise bei einer persönlichen Beratung durch Ernährungswissenschaftler, in Ernährungskursen und auch mit speziellen Konzepten für Kinder und Jugendliche. "Wer sich gesund ernährt und Bewegung in seinen Alltag integriert, nimmt ab und kann das gewünschte Gewicht auch halten. So tut man sich etwas Gutes und spürt es wortwörtlich am eigenen Leib," so AOK-Expertin Stefanie Zinser.

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