Anzeige

Jugend musiziert: Luisa Schwegler mit drei Bundespreisen

Böblinger Multitalent beeindruckt mit drei Ensembles - Maximalpunktzahl für Jorid-Rabea Haakh - Schlagzeuger sind erneut eine sichere Bank

  • img
    Doppeltes Streichquartett: Luisa Schwegler (3. von rechts) und Rachel Smith (links daneben) mit ihrem Ensemble und Lehrer Joseph Hasten (links)

Diesmal ging es zum Bundesentscheid von "Jugend musiziert" ins ferne Lübeck. Auch wenn sich einige Talente aus dem Kreis Böblingen wegen der großen Entfernung gegen eine Anreise entschieden, waren die lokalen Jungmusiker gut vertreten und schnitten hervorragend ab. Allen voran: die dreifache Preisträgerin Luisa Schwegler.

Artikel vom 08. Juni 2018 - 16:54

Von Robert Krülle

KREIS BÖBLINGEN. Insgesamt rund 2600 junge Musikerinnen und Musiker hatten sich für den 55. Bundeswettbewerb qualifiziert - rund 70 von ihnen kamen aus dem Kreis Böblingen. Tatsächlich am Start waren dann doch einige weniger, schließlich befindet sich Lübeck nicht um die Ecke und zudem hatten viele Familien feste Urlaubspläne in den Pfingstferien. Nichtsdestotrotz bot Lübeck eine wunderbare Kulisse. "Die Teilnehmer und ihre Betreuer waren wohl sehr zufrieden", berichtet Siegfried H. Pöllmann, der "Jugend musiziert"-Organisator für den Kreis Böblingen, "die historische Altstadt bietet eine tolle Atmosphäre, zudem waren die Veranstaltungsorte alle fußläufig erreichbar." Was für die Kommunikation bei einem solchen großen Festival sehr wichtig ist, denn die Jugendlichen laufen sich oft über den Weg.

Wieder einmal ein herausragendes Ergebnis gab es für Luisa Schwegler. Die 16-Jährige Böblingerin gewann drei Erste Bundespreise in verschiedenen Ensembles und - man höre und staune - mit verschiedenen Instrumenten. Bei den "Besonderen Ensembles" ging sie mit einem Streichoktett an den Start, an ihrer Seite die Holzgerlingerin Rachel Smith (Bratsche). "Wir waren mit unserem Vorspiel eigentlich nicht so zufrieden", erzählt Schwegler, "weil wir in einem riesigen Saal mit einer schwierigen Akustik gespielt haben." Dennoch gab es die Maximalpunktzahl von 25 Punkten - genauso wie für die Herrenbergerin Lena Freimann, die mit einem reinen Cello-Ensemble auftrat. Initiator dieser besonderen Streicherguppen ist der Cello-Lehrer Joseph Hasten, der in Stuttgart und Tübingen unterrichtet. "Das fühlt sich fast wie ein kleines Orchester an", beschreibt Luisa Schwegler ihr doppeltes Streichquartett, "für mich ist es großartig, dabei zu sein."

Doch nicht genug: Die Schülerin des Albert-Einstein-Gymnasiums hat zudem mit zwei Duos jeweils Erste Bundespreise gewonnen - einmal am Klavier, einmal an der Geige. Ihre Duo-Partnerin Anna Sarajishvili kommt aus Stuttgart, ihr Cello-Kollege Lionel Martin aus Tübingen. Die herausragenden Erfolge werden bei Luisa Schwegler fast zur Gewohnheit. "Der Wettbewerb ist für mich schon ein bisschen zur Routine geworden - aber es gibt auch jedes Mal etwas Neues zu entdecken." Vor geraumer Zeit hat das Ausnahmetalent sogar noch überlegt, lieber Polizistin als Musikerin zu werden - um die Leidenschaft nicht zum Beruf machen zu müssen. Inzwischen denkt die 16-Jährige anders: "Wahrscheinlich werde doch irgendwas mit Musik machen."

Ein genauso bekannter Name in der lokalen Jungmusiker-Szene ist Jorid-Rabea Haakh. Auch die Böblinger Fagottistin hat in Lübeck den Ersten Bundespreis mit Maximalpunktzahl geholt. In letzter Zeit hat die 18-Jährige bereits bei diversen Orchesterkonzerten im Raum Böblingen als Solistin geglänzt.

Bleibt noch das Aushängeschild des Kreises Böblingen: die Schlagzeuger-Szene. Insgesamt fünf Ensembles aus Böblingen, Herrenberg und Renningen waren am Start - mit guten bis hervorragenden Ergebnissen. Erste Bundespreise sicherten sich Jonathan Hartwig, Hannes Klemme, Ensar-Yasin Türk, Michael Kohler und und Aaron Lorenz, die von Gregor Daszko in Herrenberg unterrichtet werden. Ebenfalls 24 Punkte gingen an Henrik Herrmann, Ellen Krauß, Micha Eitel, Frank Holzmüller und Markus Queitsch, die Albrecht Volz in Renningen unter seinen Fittichen hat.

Nicht nur der Kreis Böblingen hat viele Talente zu bieten, das gesamte Bundesland Baden-Württemberg hat in Lübeck hervorragend stark abgeschnitten. Von insgesamt 567 Ersten Bundespreisen gingen 145 ins "Ländle", eine Quote von über 25 Prozent. "So viele waren es seit 2006 nicht mehr", freut sich Hermann Wilske. Der Präsident des Landesmusikrats findet aber ach nachdenkliche Worte: "Dieses Ergebnis ist umso höher einzuschätzen, als die Teilnehmerrückgänge dieses Wettbewerbs im ländlichen Raum während der letzten Jahre bedenklich zugenommen haben", gibt er zu bedenken, "es werden in den kommenden Jahren erhebliche Anstrengungen nötig sein, um den Wettbewerb so zu entwickeln, dass sich diese Schere zwischen Stadt und Land in Breite und Spitze wieder schließt."

 

Die Ergebnisse der Teilnehmer aus dem Kreis Böblingen beim Bundeswettbewerbs im Einzelnen (24/25 Punkte: Erster Preis; 22/23 Punkte: Zweiter Preis; 20/21 Punkte: Dritter Preis; 18/19 Punkte: mit sehr gutem Erfolg teilgenommen): Blockflöte: Mattis Weigold (Ehningen, 23), Benedict Blaschko (Leonberg, 19), Mirjam Schnabel (Sindelfingen, 22); Duo Klavier und Streichinstrument: Linda Emilia Emilsson mit Hanna Rosa Emilsson (beide Gäufelden, 23 - und mit getauschten Instrumenten 21), Maja Louise Frirdich (Violine, Holzgerlingen) mit einem Stuttgarter Pianisten (21), Emily Smith (Klavier, Holzgerlingen) mit einer Stuttgarter Violinistin (20), Luisa Schwegler (Böblingen) an der Violine mit einer Stuttgarter Pianistin (24), Luisa Schwegler (Böblingen) am Klavier mit einem Tübinger Cellisten (24);

Fagott: Jorid-Rabea Haakh (Böblingen, 25); Tuba: Fabian Hanke (Sindelfingen, 24); Klarinette: Anna Maria Häbe (Sindelfingen, 19); Klavier vierhändig oder an zwei Klavieren: Kiara Schünemann (Breitenstein) und Sarah Englert (Holzgerlingen, 20); Orgel: Simon Markus Forberg (Renningen, 22); Posaune: Jakob Lauterbach (Leonberg, 20), Philipp Lauterbach (Leonberg, 22); Querflöte: Ronja Claßen (Leonberg, 21), Maria Lauterbach (Leonberg, 20), Mariella Patermann (Renningen, 22), Theresa Tönnißen (Leonberg, 22), Jasmin Davia (Renningen, 20);

Schlagzeug-Ensemble: Benjamin Dehmel (Gärtringen), Lorin Heß (Böblingen), Alexander Kieß (Böblingen), Magnus Kleiner (Böblingen), Loic Lallement (Böblingen), Julian Masur (Böblingen, 21); Hugo Reinicke, Niklas Reif, Tobias Haberland, David Mörk und Erik Sebastian Hansen (alle Renningen, 23), Jonathan Hartwig, Hannes Klemme, Ensar-Yasin Türk, Michael Kohler (alle Herrenberg) und Aaron Lorenz (Tübingen, 24), Johannes Hierlinger (Böblingen), Niko Battiato (Holzgerlingen), Kevin Huang (Sindelfingen), Frederik Schöttker (Grafenau), Josia Dipper (Aidlingen) und Leon Küting (Hildrizhausen, 21); Henrik Herrmann, Ellen Krauß, Micha Eitel, Frank Holzmüller, Markus Queitsch (alle Renningen, 24); Besondere Ensembles: Luna Elena Frirdich (Violine, Holzgerlingen) mit Streichquartett und Gesang (23), Luisa Schwegler (Violine, Böblingen) und Rachel Smith (Viola, Holzgerlingen) mit Streichoktett (25), Antonia Schiele (Herrenberg) mit Cellooktett (23), Lena Freimann (Herrenberg) mit Cellooktett (25).

Verwandte Artikel