Dashcams: Für viele kommt Aufklärung vor Datenschutz

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    Foto: Wikipedia

 

 

Artikel vom 22. Mai 2018

BÖBLINGEN. Im Ausland gehören Dashcams zum Teil zur Standard-Ausrüstung in Autos. Diese Kameras an der Windschutzscheibe oder am Armaturenbrett werden auch in Deutschland populärer. Jetzt waren die Dashcams ein großes Thema vor Gericht.

Kürzlich wollte ein Mann aus Sachsen-Anhalt, der in einen Unfall verwickelt war, die Aufnahme seiner Dashcam als Beweismittel im Prozess verwenden. Während Amts- und Landgericht die Aufnahmen mit Verweis auf den Datenschutz noch abgelehnt hatten, entschied der Bundesgerichtshof anders. Die Bilder seien als Beweismittel grundsätzlich zulässig, die Kamera dürfe aber aus Datenschutzgründen nicht ununterbrochen laufen – ein Widerspruch in sich? Die KREISZEITUNG wollte wissen, wie die Menschen in Böblingen zu diesem Urteil stehen und ob ihnen Datenschutz allgemein wichtig ist. Dazu haben wir Menschen in der Fußgängerzone befragt.
Tina Marotin aus Aidlingen sieht bei der Verwendung von Dashcams als Beweismittel kein Problem. „Die Aufklärung von Unfällen halte ich für wichtiger als den Datenschutz“, sagt die 16-Jährige. Ihrer Meinung nach sollten die kleinen Kameras auch dauerhaft den Verkehr filmen dürfen.
Tamara Lauser (16) aus Sindelfingen-Darmsheim sieht das anders: „Ich halte solche Kameras für unnötig.“ Wobei sie gleichzeitig die Beurteilung des Bundesgerichtshofs kritisiert. „Dass die Kameras nicht dauerhaft mitlaufen dürfen, ist ja doof – dann haben die Dashcams ja gar keinen Nutzen mehr.“
Für diesen Beschluss tritt dagegen E. Domaj (26) aus Leinfelden-Echterdingen ein. „Mir persönlich würde es nichts ausmachen“, antwortet er auf die Frage, ob die kleinen Kameras immer mitlaufen sollen, „aber es gibt Personen, die dagegen sind, aus persönlichen, familiären oder anderen Gründen“. Er selbst verwendet zwar keine Dashcam, aber er findet ihre Benutzung „bei Bedarf in Ordnung“.
Dietmar, der knapp 50 Jahre alt ist, befürwortet ganz klar den Einsatz der Aufnahmegeräte, solange das aufgenommene Material nicht ins Internet gestellt wird. Die Einschränkung, dass die Kameras nicht dauerhaft aufzeichnen sollen, sieht er gelassen: „Wer will das schon überprüfen?“ Und selbst wenn man deshalb ein Bußgeld bekommen würde, „spart man letztlich, wenn es doch mal kracht.“ Deswegen hat er selbst schon über die Anschaffung eines solchen Geräts nachgedacht.
Karin Müller (78) aus Ludwigsburg ist der modernen Technik gegenüber eher kritisch eingestellt. „Meine Enkelin hängt nur noch am Smartphone“, bedauert sie und befürchtet eine „totale Überwachung“ durch die Geräte. Doch beim Unfall-Thema kommt sie ins Grübeln. „Da sind die Kameras vielleicht nicht schlecht“, überlegt sie, „aber den Datenschutz finde ich auch sehr wichtig. Deshalb finde sie es richtig, dass die Kamera nicht immer mitlaufen darf.“
Aber könnte es nicht problematisch sein, wenn nur ganz kurze Ausschnitte zur Verfügung stehen, die aus dem Zusammenhang gerissen sind? Genau das befürchtet Arkadij Bachmann aus Böblingen. „Ich finde wichtig, dass vor Gericht die komplette Situation gezeigt wird und nicht einzelne Szenen aus dem Kontext gerissen werden“, sagt der 27-Jährige. Grundsätzlich hält er es aber für begrüßenswert, Unfälle mithilfe von Dashcams aufzuklären.
Auch Leonie Tumminello (19) hält solche Aufnahmen für wichtig, wenn sie zur Aufklärung beitragen. „Die Regelung von Unfällen steht für mich über dem Datenschutz“, sagt die Herrenbergerin.

Text: Von Laura Cavrlj, Lara Wörner, Tim Geier und David Brändle

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