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Neue Horizonte

Kommentar

Artikel vom 11. Mai 2018 - 17:18

Von Eddie Langner

Völkerverständigung beginnt im Kleinen. Zum Beispiel mit einem Theaterworkshop über Indien. Die Teilnehmer haben sich hier Wissen erworben, das ihren Horizont nachhaltig erweitern wird - und vielleicht bald schon dabei hilft, dies auch bei anderen zu tun. "Reisen ist tödlich für Vorurteile", schreibt der amerikanische Autor Mark Twain. Vielleicht ist ja genau das unser Problem: Wir reisen zu wenig. Schon klar: Die Umsätze der Reiseindustrie dürften dieser steilen These deutlich widersprechen. Deshalb braucht es wohl eine Präzisierung: Wir reisen zu wenig an Orte, die uns dabei helfen, unsere Vorurteile abzulegen. Anstatt neue Kulturen und neue Sichtweisen zu erleben, fahren wir lieber dorthin in den Urlaub, wo ein "Man spricht Deutsch"-Schild am Hoteleingang hängt, die "Bild"-Zeitung morgens auf dem Frühstückstisch zu liegen und das Wiener Schnitzel auf der Speisekarte zu stehen hat. Mit Horizonterweiterung hat das nicht viel zu tun. So bleibt das Fremde weiter fremd, wenn es uns zu Hause begegnet. "Ignorance is bliss" - Unwissenheit ist ein Segen, formuliert der englische Dichter Thomas Gray. Wer sich anschaut, wieviel Hass, Gewalt und Spaltung eben diese Haltung derzeit in unserer Gesellschaft sät, sieht das anders: Unwissenheit ist ein Fluch. Höchste Zeit also, mal wieder auf Reisen zu gehen. Auf zu neuen Horizonten!