Mit Leitfaden Flüchtlingen Werte vermitteln

Das Landratsamt Böblingen gibt eine praktische Handlungsanleitung heraus - Hilfe für Aktive in der Integrationsarbeit

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    Nicht immer ist die Kommunikation mit Flüchtlingen so harmonisch wie bei diesem Tischkicker-Match. Das Landratsamt hat jetzt einen Leitfaden herausgegeben, um Konfliktsituationen zu lösen und sie gar nicht erst entstehen zu lassen Foto: Simone Ruchay-Chiodi

Artikel vom 11. Mai 2018 - 17:00

KREIS BÖBLINGEN (red). Das Amt für Migration und Flüchtlinge des Landratsamts Böblingen hat im Zeitraum August 2016 bis März 2017 Schulungen zum Thema "Wertevermittlung für Flüchtlinge" durchgeführt. Insgesamt wurden in den Gemeinschaftsunterkünften des Landkreises Böblingen 200 Workshops angeboten und über 1500 Flüchtlinge erreicht. Nach Auswertung der Schulungseinheiten und Rückmeldungen aller Beteiligten ist ein praktischer Leitfaden zur Umsetzung von niedrigschwelligen Workshops zu Wertethemen entstanden. Diese Handlungsanleitung stellt das Landratsamt Böblingen nun allen Interessierten zur Verfügung.

Flüchtlinge und Asylsuchende kommen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und sind durch andere Wertevorstellungen geprägt als sie im deutschen Kulturkreis üblich sind. Vermeintlich normale Verhaltensweisen können missverstanden werden und so zu Konflikten führen. Mit dem Schulungskonzept wird angeregt, sich mit oft unterschiedlichen, manchmal sogar konkurrierenden Werten auseinanderzusetzen.

"Die Handlungsanleitung haben wir in unseren Gemeinschaftsunterkünften erprobt. Die methodischen Ansätze und gewonnenen Erfahrungen sollen an Aktive in der Integrationsarbeit weitergegeben werden", erläutert Landrat Roland Bernhard.

Als Einstieg der Handlungsanleitung wurde das Thema "Diversität" gewählt. Dabei wird die Vielfalt in der deutschen Gesellschaft skizziert sowie die Toleranz und Akzeptanz von unterschiedlichen Lebensentwürfen aufgezeigt. Beim Thema "Rollenverständnis" und "Prävention vor Radikalisierung" wird die Rolle von Mann und Frau, deren Gleichbehandlung, der Umgang mit Stereotypen und Vorurteilen bis zur sexuellen Gewalt beschrieben und bearbeitet.

Beratungsangebote und praxistaugliche Verhaltensregeln werden besprochen, Spezifika wie "Diskriminierung und Gewalt gegenüber Minderheiten" vorgestellt und darüber hinaus aufgezeigt, wie bestimmte Situationen und kulturelle Missverständnisse zu einer Eskalation führen können.

Kindeswohl steht im Zentrum

Als Abschluss werden Ansätze der Deeskalation beschrieben und ausprobiert. Der dritte Themenbereich beinhaltet den Block "Kinder und Bildung". Im Zentrum der Workshops stehen die Stärkung der elterlichen Handlungskompetenz, Kindeswohl, Aufsichts- und Schulpflicht sowie die Vorstellung des deutschen Bildungssystems.

Die Auswahl der Themen stellt nur eine Auswahl dar und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie sind selbstverständlich mit weiteren Themenfeldern erweiterbar. Allerdings hat die Erfahrung gezeigt, dass sie als "erster Aufschlag" in einen Einstieg für eine Wertevermittlung probat sind. Darüber hinaus wird vorgestellt, wie neue Themen aufbereitet, welche Faktoren und Voraussetzungen für eine gelingende Umsetzung entscheidend sind und wie eine nachhaltige Ergebnissicherung erfolgen kann.

Die Handlungsanleitung kann unter http://www.lrabb.de/integration kostenlos heruntergeladen werden. Für weitere Informationen steht die Integrationsbeauftragte des Landkreises Böblingen, Carolina Monfort Montero, unter der E-Mail-Adresse c.monfort-montero@lrabb.de, zur Verfügung.

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