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Motorworld: Mit Vollgas in die neue Saison

Als Centermanager hat Peter Spieth ein arbeitsreiches Wochenende vor sich: Am Sonntag steigt der Saisonauftakt der PS-Freunde

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    Sitzt seit November am Steuer der Motorworld: Peter Spieth im Mercedes 300 SL „Flügeltürer“, dem Prunkstück der Ausstellung von Arthur Bechtel in der Lobby des V8 Hotels / Foto: Thomas Bischof

Artikel vom 21. April 2018 - 06:00

Wenn alles vorbei ist, am Sonntagabend gegen 19 Uhr, dann will sich Peter Spieth ein Bier gönnen. Aber nicht im vornehmen Restaurant, "wahrscheinlich mit allen Mitstreitern irgendwo auf einem Parkplatz aus der Dose", sagt er. Er wird dann seinen ersten Saisonauftakt als Centermanager der Motorworld gemanagt haben. Spieth: "Das ist also eine Premiere im doppelten Sinne." Bis es soweit ist, wird ihm die Arbeit aber nicht ausgehen. Am Sonntag sollen wieder 10 000 bis 15 000 PS-Enthusiasten auf das Festgelände auf dem Flugfeld strömen.

Das Event zieht traditionell Automobilisten aus der ganzen Region an. Unter ihnen sind freilich auch einige, die nicht mit dem Otto-Normal-Gefährt aufs Flugfeld brausen, sondern mit Oldtimer oder Sportwagen anreisen. Der 500 Autos fassende Parkplatz wird daher nicht nur Abstellplatz. Die ausgefallen Boliden machen ihn zur verlängerten Flaniermeile. "Für Classic Cars oder Supercars haben wir extra Parkplätze reserviert", sagt Spieth. Trotzdem: Die Parkplatzgebühr von fünf Euro müssen alle berappen. 500 Parkplätze stehen zur Verfügung, 300 weitere dienen als Ausweichfläche.

Das alles will natürlich gut organisiert sein. Spieth: "Wir sind seit November mit der Planung beschäftigt." Kein leichtes Unterfangen. Zunächst mal musste Spieth einen passenden Termin finden, an dem die Veranstaltung möglichst nicht mit anderen konkurriert. "Wenn man so einen Tag auf das Endspiel der Fußball-WM legt, geht es in die Hose." Klar.

Neben der Terminfindung musste Spieth sich um Genehmigungen vom Ordnungsamt kümmern, den Brandschutz sicherstellen, überhaupt den Platz anmieten, die Verkehrsführung festlegen, Kassen organisieren, Einweiser, und, und, und. Damit die Motormeute nicht hungrig bleiben muss, brutzeln in acht Food Trucks ausgefallene Speisen auf ihren Herden. Auf der Bühne spielt der Musiker Toni Fazio auf. "Wir haben allerdings keinen wirklichen Höhepunkt festgelegt, sondern wollen versuchen, das Programm über den ganzen Tag zu strecken", sagt Spieth. "Ansonsten ballt es sich zu sehr und es entsteht ein Flaschenhals."

Da es Spieths erster Saisonauftakt als Centermanager ist, will er sich "vom Tower aus anschauen, wie die Zahnrädchen ineinander greifen." Das heißt aber nicht, dass er an dem Tag im Büro sitzt. Spieth: "Ich bin Ansprechpartner für alle und will jeden Stand unter die Lupe nehmen." Sein persönlicher Höhepunkt: Der sogenannte Charity Run des Harley Davidson Airfield Chapter. So nennen sich die Biker um den Präsidenten Gerry Böhm, die auf dem Flugfeld heimisch sind. Entgegen dem Bösen-Buben-Image röhrt das Chapter für den guten Zweck über die Flugfeld-Allee. Sie übergeben einen Scheck an den Kinder- und Jugendhospizdienst Böblingen. Spieth: "Diese Aktion freut mich ganz besonders."

Bei allem Organisations-Stress: Wenn am Sonntag die Auspuffe röhren und der ein oder andere Reifen quietscht, ist Spieth in seinem Element. Als ehemaliger Mercedes-Manager sind Autos seine Leidenschaft, sein Leben. Nach einem Trainee-Programm in der Stuttgarter Konzernzentrale von damals noch Daimler-Benz wechselt er als Manager in das Mercedes-Benz Classic Center. Dort bietet die Marke mit Stern ähnliche Dienste an, wie sie auch in der Motorworld zu finden sind: Reparatur von Oldtimern, Showroom, Ersatzteilbeschaffung.

Amerikaner lieben alles Historische

Nach sieben Jahren geht er 2001 in die USA. Von New York aus baut er im kalifornischen Irvine dort das erste Classic Center der Marke auf. Solch eines existiert bis dato im Autoland Nummer eins noch gar nicht. "Die Amerikaner fahren auf alles ab, was mit Geschichte zu tun hat", sagt er heute. Wohl weil die Geschichte des Landes im weltweiten Vergleich noch immer eine junge ist. Die große Historie von Mercedes sei da ein Riesenpfund gewesen, mit dem man wuchern konnte.

Das wird ihm umso mehr bewusst, als Daimler damals die Luxuslimousine Maybach wiederauferstehen lässt. Durch seine Position hat er die Möglichkeit, seine Familie damals mit der Nobelkarosse durch die USA zu kutschieren. Auf dem Parkplatz sind die Leute regelmäßig hergekommen und haben große Augen gemacht, doch die Marke kannte keiner: "Die haben immer gefragt, wie man das ausspricht: My-bac? Mai-beck?", erinnert er sich. Für ihn Grund, warum die neue alte Marke gescheitert ist. "Da hat einfach die Historie gefehlt und damit die Bekanntheit." Und genau die fasziniert ihn auch an der Lokalität der Böblinger Motorworld. "Die Geschichte der Fliegerei in Böblingen ist ein Riesen-Schatz, aus dem man schöpfen kann", sagt er. Deshalb war es eine von Spieths ersten Amtshandlungen, die ursprüngliche Beschriftung des ehemaligen Landesflughafens wieder an der Fassade anzubringen. Dort steht jetzt wieder (in Original-Schrift): STUTTGART-BÖBLINGEN. "Wir hatten nur eine alte Luftaufnahme, daher war es knifflig, den Schriftzug originalgetreu hinzukriegen." Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Ein Stück der Böblinger Flughafen-Geschichte ist damit wieder lebendig geworden.

 

Zur Person

Geboren ist Peter Spieth am 30. November 1962 in Stuttgart.

Seine Laufbahn beginnt er 1983 als Trainee im Ersatzteilbereich von Mercedes-Benz, es folgen Stationen in England, Irak und Thailand. 2001 wechselt Spieth in die USA und kehrt 2005 wieder zurück nach Deutschland; er leitet fortan das Classic Center in Fellbach. 2010 macht er sich als Berater im Oldtimer-Bereich selbstständig. Im November 2017 übernimmt er das Centermanagement der Motorworld in Böblingen.

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