Anzeige

Humor: Die Banalität des Besonderen

  • img
    Symbolbild: SRC/Archiv

Artikel vom 14. April 2018 - 07:36

KREIS BÖBLINGEN (edi).  Vorfreude ist für die Kulturredakteure der Kreiszeitung etwas ganz Alltägliches. Schließlich landen hier im Minutentakt E-Mails von allen möglichen Kulturveranstaltern im Postfach. Vor allem im Konzertbereich drängen sich an den Wochenenden die Termine. Wie also schafft man es da möglichst ganz nach oben auf die Ankündigungsseite, am besten noch mit dicker Überschrift und großem Bild? Ganz einfach: Man kündigt ein „besonderes Konzert“ an. Was für eine geniale Idee! Sollen die ganzen anderen Veranstalter mit ihren stinknormalen Konzerten doch sehen, wo sie bleiben. Jawoll, so macht man das, meine lieben Damen und Herren Gesangsverein: Wer schlau ist, lädt zu einem besonderen Konzert. Wer noch schlauer ist und womöglich einen Schnabeltassenbläser, Vesperdosentrommler oder Gemüsehobel-Virtuosen im Programm hat, kündigt ein „ganz besonderes Konzert“ an. Und wer als Veranstalter wirklich auf Nummer sicher gehen will, der hat noch mindestens einen „Ausnahmekünstler“ am Start. Für die Kulturredaktion ist das alles leider wenig hilfreich, denn Ausnahmekünstler sind längst die Regel und wenn die Kollegen für jedes „besondere Konzert“ ein Stück Tprte essen dürften, dann würden sie mittlerweile nicht mehr durch die Tür passen. Deshalb, liebe Veranstalter, hört die Signale: Spart euch die Superlative und traut euch stattdessen doch mal supertief zu stapeln. Das wäre uns dann auf jeden Fall eine ganz besondere Ankündigung wert.

(Aus unserer Samstagskolumne "Bonbons")

Verwandte Artikel