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IHK: Handelskrieg bedroht Unternehmen im Kreis

Viele Firmen befürchten laut IHK Einbußen durch Strafzölle zwischen den USA und China - Wirtschaft im Kreis stark exportabhängig

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    Mehr als zwei Drittel aller Industriegüter aus dem Kreis gehen in den Export. Foto: red

Artikel vom 06. April 2018 - 12:34

Von Jan-Philipp Schlecht

KREIS BÖBLINGEN. Die Zahl gibt zu denken: Insgesamt 72 Prozent des Warenwerts, den die Industrie des Landkreises Böblingen produziert, gehen in den Export. Die derzeitige Auseinandersetzung zwischen den USA und wichtigen Handelspartnern in Europa und China geht auch an der hiesigen Wirtschaft nicht spurlos vorüber. US-Präsident Donald Trump hat zuletzt damit gedroht, Strafzölle auf Aluminium und Stahl zu verhängen, um seine heimische Wirtschaft zu stärken. Als Reaktion darauf hat seinerseits China eine Liste von 106 Produkten aus den USA veröffentlicht, die es mit Strafzöllen belegen will. Unter anderem Sojabohnen, Autos und chemische Produkte. Dieser Handelskrieg könnte die stark exportorientierte Wirtschaft in Deutschland treffen, und sich insbesondere auf den Kreis Böblingen niederschlagen. Konkrete Zahlen liegen indes noch nicht vor. Dazu sagt der stellvertretende Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer für den Kreis Böblingen, Tilo Ambacher: "Kaum ein anderer Landkreis ist international so verflochten, wie der Landkreis Böblingen." Neben den ansässigen Großkonzernen wie Daimler, Hewlett Packard oder IBM seien auch viele Mittelständler international aktiv.

Das Problem der Einfuhrbeschränkungen trifft die Firmen im Kreis zwar noch nicht unmittelbar, denn die Strafzölle sind derzeit noch nicht in Kraft getreten. "Doch es steht zu befürchten, dass dies auf einige Unternehmen spürbare Auswirkungen hat", sagt Ambacher. Betroffen sind etwa Firmen, die einen Produktionsstandort in China betreiben und von dort in die USA exportieren oder umgekehrt. Ambacher: "Von Strafzöllen berührt sind immer Waren, die ihren Ursprung in den USA oder China haben. Das bedeutet, dass sie zuletzt dort be- oder verarbeitet wurden."

Warenströme zunehmend komplex

Fließen etwa in ein hier produziertes Automobil ein oder mehrere Teile aus China ein, sei das Gesamtprodukt zunächst nicht vom derzeit diskutierten Strafzoll betroffen. "Doch wenn später genau dieses Teil als Ersatzteil aus China geliefert werden muss, greift der Zoll", sagt Ambacher. Überhaupt gebe es bei den Regelungen und Vorschriften im Außenhandel "immer mehr Fallstricke" und Firmen täten sich immer schwerer, die Vorgaben zu erfüllen. So werden von anderen Ländern etwa immer häufiger Ursprungszeugnisse für Waren verlangt, die neben der IHK auch die Botschaft des jeweiligen Landes beglaubigen muss - was zum Teil hohe Kosten verursacht. Rund 60 Firmen im Kreis tauschen sich daher in einem IHK-Arbeitskreis über das Thema Zölle aus. Zuletzt stand ein Besuch bei Ritter Sport in Waldenbuch auf dem Programm.

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