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Zerstörung des Schönbuch-Waldbodens beenden

Initiative Waldkritik meldet sich erneut zu Wort und wendet sich gezielt auch an die Bürgermeister der Schönbuchkommunen

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    Ein Bild, das die Initiative Waldkritik erst in diesem Januar aufgenommen hat: Der Gemeindewald Entringen beim Gewann Lange Halde ist schwer gezeichnet von Holzerntemaschinen Foto: red

Die Initiative Waldkritik aus Rottenburg-Oberndorf thematisiert seit Jahren die schweren Bodenschäden, die in Folge des Einsatzes von Forstspezialmaschinen bei der Holzernte im Schönbuch auftreten. Jetzt geht die Initiative mit einem Brief an die Bürgermeister der Schönbuch- gemeinden erneut in die Offensive.

Artikel vom 22. Februar 2018 - 16:36

Von Martin Müller

KREIS BÖBLINGEN. Das Schreiben richtet sich auch an die Landtagsabgeordneten. Doch speziell auch bei der Bewirtschaftung der kommunalen Wälder sieht Harald Kunz, ein Sprecher der Initiative, die Möglichkeit anzusetzen und ganz neue Ansätze zu verfolgen. Deswegen ist dem Brief an die Bürgermeister auch die Bitte hinzugefügt worden, die Gemeinderäte davon in Kenntnis zu setzen. "Bodenschutzklauseln müssten in die Bewirtschaftungspläne der gemeindeeigenen Wälder dringend hineingenommen werden", sagt Kunz auf Nachfrage der KRZ. Diesem Aspekt müsse in den Forstwirtschaftsplänen der einzelnen Kommunen noch viel mehr Raum gegeben werden als bisher. Und für den Schönbuch generell müsse "ein ganz neues, ein vitalisierendes Waldnutzungskonzept" in Anschlag gebracht werden. Man werde dem Schönbuch nicht gerecht, wenn man ihn in erster Linie unter der ökonomischen Maxime des Erlöses aus Holzeinschlägen betrachte. Als wichtiger Identifikationsort für die Menschen müssten andere Aspekte ganz nach oben gesetzt werden.

Die Initiative setzt sich speziell für den Schutz der Waldböden ein und beklagt deren Verdichtung durch den Einsatz schwerer Geräte bei der Holzernte. Durch Vollernter-Maschinen würde wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen auf Jahre hinaus vernichtet. Die Methoden des Holzeinschlags müssten sich noch viel mehr den Maßgaben des Naturschutzes unterordnen. Das Problem werde insofern immer eklatanter, weil im Zuge des Klimawandels Phasen des Dauerfrostes und tief durchgefrorener Waldböden immer seltener werden.

Nicht sehenden Auges auf die Katastrophe zusteuern

"Es hilft nicht, angesichts der Schäden die Vorgänge zu bagatellisieren, die Augen zuzudrücken, zu leugnen und sich damit zu beruhigen, dass der Rest des Waldes geschützt sei", so der Wortlaut des Schreibens. Die technisch-wirtschaftliche Prägung des Umgangs mit der Natur bedrohe und verletze die Würde des Lebens, der Mensch werde zu einem Abbild der Zerstörung und das Verhältnis von Forst und Natur scheine unversöhnlich. "Um Einhalt zu gebieten und die Forstverwaltung an ihre Kernaufgabe Hüten - Pflegen - Bewahren zu erinnern, bedarf es einer politischen Initiative, die der Beziehung von Mensch und Natur neue Impulse verleiht."

Der Inhalt des Briefs berühre das Bedürfnis vieler Menschen nach einem verstärkt achtungsvollen und wertschätzenden Umgang des Menschen mit der Natur. "Es kann nicht in unserem Interesse sein, dass das beginnende Sterben der Insekten, um ein Sterben der Bodenlebewesen fortgesetzt wird und in einer Katastrophe endet."

  Weitere Informationen auf http://www.waldkritik.de
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