Wirtschaft geht es gut wie seit 20 Jahren nicht mehr

Lagebeurteilung der IHK zeigt ein Allzeithoch in der Region - Mehr Betriebe beklagen Personalmangel als Geschäftsrisiko

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    Die Wirtschaft in der Region brummt nach wie vor: Größtes Sorgenkind der Betriebe ist weiterhin der Fachkräftemangel Foto: Archiv

Artikel vom 16. Februar 2018 - 15:54

KREIS BÖBLINGEN (red). "Die wirtschaftliche Lage der Betriebe in unserer Region ist so gut wie noch nie in den letzten zwanzig Jahren", sagt Marjoke Breuning, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart. Dies zeige die aktuelle Konjunkturumfrage der Kammer unter rund 900 Betrieben aller Branchen und Größenklassen im Großraum Stuttgart. "Die meisten Unternehmen sind hervorragend ins neue Jahr gestartet, trotz weiter bestehender Konjunkturrisiken", so Breuning.

Laut Mitteilung der IHK bewerten mehr als 60 Prozent der befragten Unternehmen in der Region Stuttgart ihre aktuelle Lage gut. Das seien noch einmal rund vier Prozentpunkte mehr als letzten Herbst und so viele wie nie zuvor. Befriedigend beurteilen rund 36 Prozent ihre Geschäftslage (Herbst: 40 Prozent). Mit 3,7 Prozent der Befragten beklagen nochmals weniger Unternehmen als bei der vorhergehenden Umfrage eine schlechte Situation (Herbst: vier Prozent).

Nochmals mehr Betriebe als beim letzten Mal, nämlich 46 Prozent, bewerten ihre Ertragslage gut - eine Steigerung um rund vier Prozentpunkte. 45 Prozent sind mit ihren Erträgen zufrieden und rund neun Prozent unzufrieden - ähnlich wie im Herbst 2017.

Über die Hälfte meldet gute Lage

Fast 62 Prozent der Befragten melden in der Industrie eine gute Lage. Im Herbst taten das nur 56 Prozent. Nur noch etwas mehr als drei Prozent sind in einer schlechten Situation - eine Abschwächung um rund einen Prozentpunkt. Damit hat die Industriebranche ihr Allzeithoch nur knapp verpasst, während die Dienstleister mit fast 63 Prozent positiven Lagebeurteilungen dieses erreichten (Herbst: 60 Prozent). Allein in der Bauwirtschaft ist die Zufriedenheit mit knapp 60 Prozent an guten Lagebewertungen gegenüber dem Rekordniveau vom letzten Herbst (gute Lage: 67 Prozent) leicht zurückgegangen. Ursache dafür sind steigende Arbeits- und Rohstoffkosten. Auch im Einzelhandel sind die positiven Lagebeurteilungen noch nicht auf dem Niveau anderer Branchen, während der Großhandel zur guten Form Mitte letzten Jahres zurückgefunden hat. Auch im Gastgewerbe hat sich die Stimmung deutlich aufgehellt.

Ausgehend von der guten Geschäftslage sind auch die Aussichten der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate überwiegend positiv. Rund 93 Prozent der Betriebe erwarten bessere oder gleichbleibend gute Geschäfte (plus drei Prozentpunkte). Nur noch knapp sieben Prozent fürchten eine Verschlechterung der Situation (Herbst: zehn Prozent). Auch die Auftragseingänge und Umsatzerwartungen konnten mit 40 Prozent positiven Bewertungen nochmals zulegen (plus knapp zwei Prozentpunkte).

Entsprechend positiv fallen die Pläne für Inlandsinvestitionen aus. 40 Prozent der Unternehmen wollen 2018 mehr investieren als 2017, 48 Prozent in etwa genauso viel und nur zwölf Prozent planen weniger für Inlandsinvestitionen auszugeben als im Vorjahr. Zwei Drittel der Betriebe planen Ersatzinvestitionen, 42 Prozent wollen Innovationen und 40 Prozent die Digitalisierung vorantreiben, jeweils 36 Prozent planen Rationalisierungsinvestitionen oder wollen ihre Kapazitäten erweitern.

Bezüglich Brexit sei die Situation weiterhin überwiegend von großer Unsicherheit in den Unternehmen geprägt. Die getroffenen Vereinbarungen zum zweijährigen Übergang helfen zwar den Unternehmen etwas, um die Unsicherheiten zu reduzieren. Da die Betriebe aber langfristig planen, brauche es eine verlässliche Langzeitperspektive, so Breuning.

Sorgen bereitet Mangel an Personal

Sorgen bereite den Unternehmen in erneut gewachsenem Maß auch der Mangel an qualifiziertem Personal: Annähernd zwei Drittel der befragten Betriebe nennen Fachkräftemangel als Geschäftsrisiko. Im vergangenen Herbst waren das noch 56 Prozent. An zweiter Stelle im Risikoranking folgen die steigenden Arbeitskosten (44 Prozent) und die Inlandsnachfrage (39 Prozent).

Dennoch will zum Jahresbeginn fast ein Drittel der Befragten zusätzliches Personal einstellen, rund 56 Prozent der Unternehmen wollen ihre Belegschaft konstant halten und nur noch 13 Prozent Personal abbauen.

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