Böblinger Feuerwehr übt in Abrissgebäude - Fotogalerie

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    So nehmen Retter und Gerettete den Einsatz wahr Fotos: Thomas Bischof

Artikel vom 20. Juli 2017 - 16:00

Von Nina Lenz

BÖBLINGEN. Der Melder piepst, Alarmstufe 3, es brennt im Lindenweg. Vier Atemschutztrupps machen sich auf den Weg. Einsatzleiter Andreas Koch erreicht mit dem Führungsfahrzeug als Erster den Brandort: "Befinden sich Personen im Gebäude?", fragt er. Die Umstehenden können ihm keine genaue Auskunft geben. Die Feuerwehr muss davon ausgehen, dass Menschen in Gefahr sind.

Zum Glück handelt es sich nur um eine Übung. 35 Feuerwehrleute sind dafür am Dienstagabend in einem Abrissgebäude im Einsatz. "Wir sind sehr froh, wenn wir solche Gebäude für Übungen zur Verfügung gestellt bekommen", sagt Roland Pfau, stellvertretender Kommandant, der heute für den Ablauf zuständig ist. Sonst werde viel in der Feuerwache geübt oder auch in Industriegebäuden. Alle drei bis vier Wochen findet eine solche Übung statt. Alles soll möglichst ablaufen wie im Ernstfall, nur die Anspannung ist natürlich anders.

Um die Situation möglich realitätsnah zu gestalten, befinden sich tatsächlich Personen im Gebäude. Disconebel und Blinkleuchten symbolisieren Rauch und Feuer. Die ersten beiden Löschtrupps springen aus den Einsatzfahrzeugen und hasten mit Schläuchen ins Haus. Es ist dunkel und unübersichtlich, das Gebäude besteht bis unters Dach aus vielen kleinen Zimmern. Die Einsatzkräfte kämpfen sich vorwärts. Der Rauch verstärkt sich. Sie öffnen jede Tür, denn ob sich dahinter nur eine kleine Toilette oder weitere Räume befinden, wissen sie vorher nicht. Der erste Kontrollgang ist geschafft. Beim zweiten Mal gehen die Feuerwehrmänner noch einmal gründlich durch alle Räume.

Währenddessen hat sich eine Person am Fenster bemerkbar gemacht. Die Drehleiter ist bei einem solchen Einsatz jederzeit bereit. Doch das Fenster ist zu klein und die Person kann nicht rausklettern. Ein paar Retter eilen zu ihr. Glücklicherweise ist der Raum rauchfrei. Der Bewohner kann mit einem Feuerwehrmann im Zimmer bleiben, bis das Treppenhaus wieder begehbar ist. "Wir trainieren heute Grundfertigkeiten der Brandbekämpfung und Menschenrettung", erläutert Gerd Zimmermann, Pressesprecher der Kreisfeuerwehr. "Retten, löschen, bergen, schützen."

Ungefähr ein Drittel der Einsätze der Böblinger Feuerwehr sind Brände. Häufiger kommt es vor, dass jemand den Topf auf dem Herd vergisst. Doch auch Elektrogeräte können einen Brand verursachen. Vor Kurzem ist ein Fahrradakku durchgebrannt und hat so ein Feuer ausgelöst.

Die Feuerwehr weiß aus Erfahrung, dass Rauchmelder lebensrettend sein können. "Umso früher man da ist, desto besser können Leben gerettet und Schäden vermieden werden", sagt Roland Pfau. Es schade auch nicht, wenn man im Wohnzimmer einen Rauchmelder hat, doch viele Menschen unterschätzten die Gefahr eines Hausbrands.

Insgesamt fünf Personen können aus dem Gebäude gerettet werden. An der Hinterseite des Hauses wird ein Bewohner über eine Leiter aus dem Feuer befreit. Noch immer wird die Übung von neugierigen Anwohnern beobachtet. Den Feuerwehrmännern tropft der Schweiß von der Stirn. Erschöpft räumen sie auf und diskutieren dabei ihre Eindrücke. Einsatzleiter Koch ist mit dem Ablauf der Übung zufrieden. Alle freuen sich darauf, den Abend mit einer kleinen Grillparty ausklingen zu lassen.

Am kommenden Dienstag sind die Löscher ab 20 Uhr für eine erneute Übungseinheit unterwegs.

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