Drittklässler überdachen Bushaltestelle neu

Projekt an der Walddorfschule Böblingen liefert sichtbaren Erfolg - Kinder werkeln mit großer Begeisterung

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    Praktischer Unterricht an der Waldorfschule auf dem Dach der Bushaltestelle Foto: red

Artikel vom 20. Juli 2017 - 16:18

BÖBLINGEN (red). Schule und Praxis wirkungsvoll verbinden? Laut einer Pressemitteilung kein Problem an der Waldorfschule Böblingen. Im Rahmen der "Hausbauepoche" haben die Drittklässler mit ihren Eltern unter fachkundiger Anleitung eines Zimmermanns das marode Dach des Bushaltestellen-Häuschens vor Ort neu gedeckt.

Was für ein geschäftiges Treiben auf dem Busrondell der Waldorfschule. 14 Drittklässler und ihre Eltern werkeln am noch abgedeckten, aber bereits mit einem neuen Dachgestühl ausgestatteten Bushäuschen. "Die alte Bedachung war undicht geworden", erklärt Klassenlehrer Andreas Mimler. Ein Projekt für ihn und seine Schützlinge, denn im dritten Schuljahr steht im Lehrplan die "Hausbau- und Handwerkerepoche" auf der Agenda. "In dem Schuljahr suchen sich traditionell Schüler und Eltern ein gemeinsames Projekt, bei dem etwas gebaut wird", sagt der Klassenlehrer. Viele Elemente auf dem Schulgelände zeugen von der Schaffenskraft vergangener Jahrgänge: Ein Pizzaofen, zwei Teiche im Schulgarten, ein Brunnen im Pausenhof und vieles mehr.

Wenn Mimler im Unterricht Geschichten von Maurern und Handwerkern erzählt, hängen ihm die Kinder an den Lippen. So wird Wissenswertes über das Handwerkertum, über Landwirtschaft und Baumeister altersgerecht in spannende Geschichten verpackt und bleibt den Kindern nachhaltig im Gedächtnis. "Sie konnten es kaum abwarten, heute endlich einen ,echten' Meister-Zimmerer kennen zu lernen." Den gibt heute - wie schon oft vorher - Zimmermann Günter Binder aus Rosenfeld. Er leitet Kinder und Eltern fachgerecht an und erklärt die einzelnen Arbeitsschritte. Dabei sind die Kleinen ganz schön auf Zack, sicher bewegen sie sich auf dem Gerüst und drehen schon manche Spax gekonnt in die Lattung.

Mimler ist mit dem Arbeitsfortschritt mehr als zufrieden. In der Vorwoche hatte die andere Klassenhälfte schon kräftige Vorarbeit geleistet und den Dachstuhl neu aufgeschlagen. Deshalb geht heute alles ganz fix: "Wir hatten die Arbeiten bis 16 Uhr geplant, werden es aber viel schneller schaffen", analysiert er mit Blick auf das Häuschen, bei dem bereits die ersten Reihen fertig gedeckt sind. Dass es sich bei den unten abgerundeten Ziegeln um "Biberschwänze" handelt, ist den Kids bewusst. "Meine Handwerker-Erzählungen beinhalten eine Menge Fakten - und die bleiben genauso hängen", sagt Mimler. Was ein Firstziegel ist, was der Grundsteinspruch bedeutet, und dass das "Schlitzohr" aus dem Zimmererhandwerk stammt - all das wissen die Schüler jetzt. Und, wie ein Dach erneuert wird.

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