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Statt Helene Fischer röhrt der Lamborghini

Catwalk mit Sportkarossen: Hinter der Motorworld auf dem Böblinger Flugfeld tummeln sich Hobbyotografen und PS-Heiligtümer

Es hat beinahe den Charakter eines Volksfests, was sich da abspielt auf dem Böblinger Flugfeld den ganzen Sonntag über hinter der Motorworld: Hier gibt es ein Stelldichein der noblen Sportflitzer, ihrer stolzen Besitzer und der Hobby- fotografen, die alles auf den Chip bannen.

Artikel vom 11. Juni 2017 - 14:24

Von Martin Müller

BÖBLINGEN. Als der Autor dieser Zeilen die Ausfahrt der A81, Böblingen/Sindelfingen, nimmt, um am Vormittag seinen Sonntagsdienst bei der KREISZEITUNG in Böblingen anzutreten, traut er seinen Augen kaum: Schon die Brücke über der Autobahn und die komplette Wolfgang-Brumme-Allee ist dicht gesäumt von Fotografen - darunter erstaunlich viel Jungvolk. Vor der Wildermuth-Kaserne haben wir Rot und kurbeln munter das Seitenfenster unseres VW-Golfs herunter: "Hey, was ist denn hier los?", wollen wir wissen. - "Was los ist? Die Helene Fischer ist los und kommt nach Böblingen", meint einer der vorwitzigen Wegelagerer: Und jagt den Herrn Redakteur damit erstmal kräftig ins Bockshorn.

In der Redaktion angekommen, entschließen wir uns, der Spur nachzugehen, und der ominösen Helene Fischer, von der wir gar nicht wussten, dass sie nach Böblingen kommt, einen Besuch abzustatten. Das geht ja schließlich gar nicht, dass die Fischer in Böblingen ist und die KREISZEITUNG kein Sterbenswörtchen darüber verliert.

Doch auf dem Flugfeld hinter der Motorworld ist von Helene Fischer, der blonden Diva des deutschen Popgesangs, natürlich keine Spur. Stattdessen auf dem Graf-Zeppelin-Platz ein Catwalk für die hochgetunten Sportwagen - mit mächtig viel Imponiergehabe: Hier spuckt ein Maserati, dort knattert ein Lamborghini, und vom anderen Ende pulverdröhnt ein Ferrari seinen Sound aus der Auspuffröhre. Die Menschen lieben's, stehen Spalier, schießen Foto auf Foto und fangen den PS-starken Sound in ihren Filmchen ein.

Cheforganisator der Veranstaltung ist Steffen Zanke, Centermanager der Motorworld. "Zweimal im Jahr findet bei uns Cars and Coffee statt", sagt er. "Dabei handelt es sich um ein Treffen speziell für Liebhaber der reinrassigen Sportwagen, die vor allem leistungsstark, schnell und teuer sein müssen." Noch dazu entstammen viele der Nobelkarossen, die hier aufkreuzen, limitierten Editionen. Rund 1500 Straßenflitzer der Herren Lamborghini, Maserati, Ferrari und Porsche sind am Start, reihen sich in den Catwalk ein und ziehen laut Zanke zwischen 5000 und 8000 Besucher an. Auch Lena Gommel an der Rezeption des dazugehörigen V8-Hotels ist entzückt: "Das werden bei jedem Cars-and-Coffee-Treffen mehr", meint sie. Und viele der Menschen kommen von weit her, checken sich ein fürs Wochenende und verbringen den ganzen Sonntag im Showbiz und Blitzlichtgewitter unter ihresgleichen und den blitzblank gewienerten Sportskanonen.

Philippe und Florent sind aus dem elsässischen Drusenheim hergedüst

Die Besucherparkplätze auf der Freifläche hinter der Motoworld sind am Sonntagvormittag schon gut belegt, KfZ-Nummern aus ganz Baden-Württemberg reihen sich dicht an dicht: NT, LEO, RW, LB, RT, PF, ES, TÜ, CW - und so weiter und so fort. Zwei, die eine etwas längere Anreise auf sich genommen haben, sind Florent Ligi und Philippe Gueguen. Sie sind am Sonntagmorgen im elsässischen Drusenheim nahe Straßburg in ihre Karosse gestiegen - ein vergleichsweise gewöhnliches Audi-TT-Coupé - und extra hergedüst nach Böblingen, "pour voire les belles voitures", meint Philippe, "surtout Lamborghini." Aha. Um die schönen Autos anzugucken also sind sie hier - und vor allem die Lamborghinis haben es den beiden angetan. Und Florent hat auch den obligatorischen Fotoapparat dabei, hält drauf, was das Zeug hält. Am Abend soll es wieder zurückgehen ins beschauliche Drusenheim. Schließlich wartet morgen ein ganz normaler Arbeitstag auf die beiden.

Bis zum nächsten Cars-and-Coffee-Treffen dann vielleicht: Das findet am 17. September statt. Mit Lamborghini, ohne Helene.

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