Reihenfolge der Stücke bestimmt die Eindrücke

Klassik im Klösterle: Der Pianist Andreas Haefliger hat beim Konzert gezeigt, welche Bedeutung die Programmauswahl hat

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    Gleich geht's los: Andreas Haefliger im Klösterle-Saal Foto: Sabine Schreiber

Artikel vom 27. April 2017 - 18:00

WEIL DER STADT (red). Zum Auftakt der diesjährigen Reihe "Klassik im Klösterle" gestaltete der Pianist Andreas Haefliger einen famosen Klavierabend - mit einem im Grunde konventionellen, aber hochkarätigen Programm: Er spielte im ersten Teil zwei Sonaten von Ludwig van Beethoven, op. 14 und op. 109, nach der Pause dann die C-Dur-Fantasie von Robert Schumann. Dazu gesellte Haefliger vier kleinere Stücke aus den "Encores" von Luciano Berio.

In einer kurzen Ansprache ans Publikum erläuterte der Pianist sein Vorgehen: Er sehe sich in einer Situation wie ein Kurator einer Ausstellung, der dafür sorgt, dass die Werke durch die Art der Hängung in eine sinnvolle Beziehung gebracht werden. "Perspektiven" nennt er sein Projekt, das er so auch in seinen CD-Veröffentlichungen pflegt.

Die das Konzert eröffnende Sonate op. 14 in G-Dur erklang mit großer Lebendigkeit und feiner Nuancierung in Klangfarbe und Tempo und - dies sollte das gesamte Konzert prägen - unter Verzicht auf jegliche oberflächliche Effekte. Gerade im dritten Satz, dem Scherzo, wurden die Zuhörer von einem musikalischen Strom mitgerissen.

Dann die ersten beiden Stücke von Berio: "Erdenklavier" und "Wasserklavier" - laut Haefliger stellen sie das Wesen der jeweiligen Elemente darstellende Werke. Weite musikalische Räume öffneten sich: kraftvolle Akkorde, erweitert durch kleinere Bewegungen bei der "Erde", das "Wasser" zeigte sich fast schon romantisch in fließender Bewegung. Protomusikalische Urzustände, von Haefliger mit fein abgestuften Klangfarben in Raum und Zeit gestellt.

Verblüffende Höreffekte ergaben sich in Beethovens Sonate op. 109, weil das Berio-Material noch präsent war. Es schien so, als würde die Erinnerung an Berio die Beethoven-Strukturen lesbarer und erlebbarer machen, als wären die Ohren in besonderer Weise vorbereitet worden. Haefligers Spiel zeigte sich hier kraftvoll, zu jeder Zeit dem musikalischen Fluss nachspürend und mit großer Lebendigkeit die Steigerungen und Kontraste vermittelnd. Zum Höhepunkt geriet der dritte Satz: Die Spielanweisung "Gesangvoll, mit innigster Empfindung" wurde überaus stimmig umgesetzt.

Auch in Verbindung mit der Schumann-Fantasie zeigten sich die "Encores" Berios als kongeniale Vorlage: Beim Flimmern der "Luft" glaubte man beinahe die Bewegung der Moleküle zu spüren, beim Züngeln des "Feuers" gab es dynamische und rhythmische Steigerungen bis hin zu seinem Verlöschen. Das alles bereitete den Weg für Schumann.

"Wasserklavier" klingt als Zugabe ganz anders als zuvor

Bei aller Lebendigkeit und feiner Abstufung im Klanglichen erzeugte Haefliger hier einen musikalischen Sog, dem das Publikum sich schwerlich entziehen konnte. Ein Höhepunkt der letzte Satz: Mit warmer Tongebung und großer Ruhe begab sich Haefliger auf den Weg bis hin zu den enormen Schlussteigerungen, um dann das Werk "mit der innigsten Empfindung" abzuschließen.

Stille, großer Beifall, Bravos - schließlich eine Zugabe: ein weiteres Berio-Encore. Nach dem Konzert verriet Haefliger den Titel: "Wasserklavier" - also das Stück, das im ersten Teil erklang, und das nun (fast) niemand wiedererkannte. Neben dem Beweis für die Bedeutung der Zusammenstellung des Programms auch ein genialer Einfall: Das ruhig-romantische "Wasserklavier" erinnerte an die Stimmung der Fantasie.

Einen Klavierabend mit Werken von Franz Schubert, Claude Debussy und Igor Strawinsky gestaltet Oleg Poliansky am Samstag, 29. April, um 19 Uhr im Klösterle in Weil der Stadt. Eine Reservierung ist unter der E-Mail-Adresse klassik-im-kloesterle@tonline.de möglich.
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