Was Poco in Böblingen vorhat

Der Möbeldiscounter will am 118. Standort in Böblingen preisbewusste Käufer anlocken - Eröffnung im Sommer - Sanierung für vier Millionen Euro

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    Wollen ranklotzen (v.l.): Marktleiter Hans-Jürgen Matthé, Vertriebsgeschäftsführer Volker Matzke und Vertriebsleiter Björn Wießmann Fotos: Bischof

Mit einem Transparent am Parkhaus wirbt Poco schon seit einigen Tagen um neue Mitarbeiter, jetzt hat das Unternehmen seine Pläne für eine neue Filiale im ehemaligen Mömax-Gebäude vorgestellt: Auf vier Etagen will der Möbler im Schnitt 2000 Kunden am Tag begrüßen.

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Poco kommt nach Böblingen
Im Juli oder August öffnet Poco in Böblingen seine Türen. Schon jetzt gibt der Discounter bekannt, was er vorhat und erlaubt einen Blick auf die Baustelle.
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Artikel vom 19. April 2017 - 19:23

Von Jan-Philipp Schlecht

BÖBLINGEN. Von draußen macht der graue Klotz an der Adresse Talstraße 7 in Böblingen derzeit alles andere als einen einladenden Eindruck. Ob abblätternde Farbe, abgetakelte Dekoelemente oder verwaiste Schaufenster: Seit der Billig-Möbler Mömax im Frühjahr 2016 die Segel gestrichen hat, liegt das ehemalige Hertie-Gebäude im Dornröschenschlaf. Eifrig am Wachküssen ist jetzt der Möbeldiscounter Poco mit Hauptsitz in Bergkamen bei Dortmund. Im Juli oder August will die gelb-rote Marke, die im Fernsehen mit dem pfälzischen It-Girl Daniela Katzenberger (Kosename: "Katze") wirbt, in Böblingen durchstarten.

Zum Standort sagt Poco-Vertriebsgeschäftsführer Volker Matzke: "Als wir mitbekommen haben, dass sich Mömax zurückzieht, haben wir sofort zugegriffen." Das Gebäude gehört zwar noch dem Mömax-Mutterkonzern XXXLutz. Doch Poco hat einen zehnjährigen Mietvertrag abgeschlossen. Nach Filialen in Fellbach und Bad Cannstatt ist Böblingen der dritte Standort in der Region Stuttgart und der 118. in Deutschland. Er soll Kundschaft aus der Innenstadt, aber via A 81 vor allem auch aus dem Süden und Westen ziehen. Matzke: "Unser Einzugsgebiet reicht bis Rottenburg im Süden und Ulm/Ehingen im Osten."

Durchschnittlich 2000 Kunden sollen jeden Tag an Sofas, Betten, Schränken und Küchen vorbeiströmen und dem Haus Umsätze bescheren. Gelingen soll das mit Möbeln im unteren Preissegment. "Wir sind mit 1,6 Milliarden Euro Umsatz im Jahr der größte Möbeldiscounter in Deutschland", sagt der Vertriebschef. Deshalb sieht er auch keine Kannibalisierungseffekte auf dem schon dichten Möbelmarkt im Kreis.

 

Denn neben dem mittlerweile zur XXXLutz-Gruppe gehörenden Gamerdinger auf der Hulb tummelt sich im Kreis seit zwei Jahren auch Hofmeister in Sindelfingen - sowie natürlich Marktführer IKEA. "Es gibt keinen richtigen Discounter im Umfeld", sagt Matzke. Und: "Wir sind überzeugt, dass sich zwischen uns und den bestehenden Häusern Synergien ergeben."

Auf vier Etagen will Poco sein gesamtes Sortiment zeigen. Es besteht zu 60 Prozent aus Möbeln und zu 40 Prozent aus Fachartikeln wie Lampen, Farben oder Teppichen. Das ehemalige Hertie-Gebäude würde sogar sieben Etagen hergeben, was Poco aber zuviel ist. "Unsere Märkte haben immer um die 6000 Quadratmeter, in Böblingen sind es jetzt 6600, womit wir uns sehr wohlfühlen", sagt Matzke. Die beiden Untergeschosse sowie das fünfte Obergeschoss dienen als Lager. Bis es soweit ist, haben er und sein Team allerdings noch alle Hände voll zu tun.

Sanierung von Hauptbau und Parkhaus für vier Millionen Euro

"Wir mussten das Gebäude komplett entkernen und werden in den gesamten Umbau vier Millionen stecken" sagt Matzke. Vom Vorbesitzer Mömax sei noch allerhand zu entsorgen gewesen, alle elektronischen Leitungen mussten neu gemacht werden, dazu Wände, Böden, Decken, Treppengeländer, Aufzug. Vor allem an der Außenhülle soll der teure Umbau sichtbar werden. Matzke: "Wir hätten das ganze Gebäude gerne knallgelb gestrichen, doch das ließ uns die Stadt nicht durchgehen." Man sei aber in intensiven Gesprächen mit dem Bauamt, hier eine für beide Seiten verträgliche Lösung hinzubekommen, sagt Matzke.

An das Möbelhaus angegliedert ist über die bestehende Fußgängerbrücke über der Talstraße freilich auch das gegenüberliegende Parkhaus mit 500 Stellplätzen. Auch hier will Poco ranklotzen und den in die Jahre gekommenen Bau runderneuern. Gerne hören wird man in Böblingen auch, dass der

"Schandfleck" Unterführung wird zur hellen Warenausgabe

Discounter die Unterführung zwischen Wolfgang-Brumme-Allee und Mühlbachstraße radikal umgestaltet: Dort entsteht die neue Warenausgabe. "Das wird alles hell und freundlich, wir wollen diesen Schandfleck beseitigen", sagt der Vertriebschef.

Auf weniger Gegenliebe dürfte indes stoßen, dass der Ein- und Ausgang zum Einkaufszentrum hin nicht mehr vorgesehen ist. Matzke: "Wir behalten uns das aber für die Zukunft vor." Am anderen Ende des Einkaufszentrums Richtung Listplatz hat sich zwar das Reformhaus Klett neu aufgestellt und auch die Motorradecke hat ihre Kundschaft. Doch mangels sonstigem Angebot verirrt sich kaum ein Fußgänger in die verwaiste Passage. Nur: Da Poco auf eine Gastronomie verzichtet ("Das können andere besser"), wäre der Eingang wichtig. Schließlich führt die Brücke direkt in die Mercaden und damit zu einer breiten Gastro-Auswahl. Und für Einkaufszentrum und Ara-Passage könnte Poco dann umso mehr eine belebende Wirkung entfalten.

►Interview mit Handelsexperte Martin Eisenmann (IHK): "Poco hat großes Einzugsgebiet"

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