Anzeige

Pionierarbeit bei Patientenverfügung

Vor 25 Jahren betrat der Kreisseniorenrat Böblingen Neuland - Festveranstaltung in Sindelfingen

  • img
    Diesen Hinweis am Armaturenbrett eines Autos entdeckte KRZ-Fotograf Thomas Bischof

Artikel vom 11. April 2017 - 17:42

KREIS BÖBLINGEN (red). In diesem Jahr feiert die Böblinger Patientenverfügung das 25-jährige Bestehen. Sie wurde als wohl erste Patientenverfügung in Deutschland 1992 von Dr. Ulrich Keppler, dem damaligen Vorsitzenden des Kreisseniorenrats, gestaltet. Die öffentliche Jubiläumsveranstaltung findet am 2. Mai in der Stadthalle in Sindelfingen mit einem zweiteiligen Programm statt. Durch das Programm führt Manfred Koebler, der Vorsitzende des Kreisseniorenrats.

"Dr. Ulrich Keppler hat vor 25 Jahren Großartiges geleistet und zur Selbstbestimmung kranker und älterer Menschen beigetragen", so Landrat Roland Bernhard vorab. "Besonders freue ich mich über die ausgezeichnete Zusammenarbeit des Kreisseniorenrats mit dem Sozialamt. Alle sechs Kliniken im Klinikverbund und die meisten Ärzte im Landkreis Böblingen verwenden unsere Patientenverfügung."

Im ersten Teil der Informationsveranstaltung informieren erfahrene Referenten über Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung sowie über verschiedene Möglichkeiten, rechtzeitig Vorsorge zu treffen: Andreas Kleiß (Leiter der Betreuungsbehörde des Landratsamtes Böblingen), Sandra Waiblinger (Notarin in Sindelfingen), Dr. med. Götz Knappe (Allgemein- und Palliativmediziner in Herrenberg) und Horst Hörz (stellvertretender Vorsitzender des Kreisseniorenrats).

Im Anschluss werden in einer Diskussionsrunde Fragen beantwortet. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten kostenlos Formulare für die Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sowie die Vorsorge-Broschüre des Kreisseniorenrats.

Im zweiten Teil der Veranstaltung sprechen ab etwa 19.30 Uhr zunächst Landrat Roland Bernhard und Sindelfingens Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer ein Grußwort. Der stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister von Baden-Württemberg, Thomas Strobl, wird anschließend ab circa 19.40 Uhr einen Festvortrag zu aktuellen politischen Themen halten und Schwerpunkte der Regierungsarbeit in Baden-Württemberg erläutern.

Die erste Patientenverfügung von 1992 wurde mithilfe des Kreissozialamtes aus einer Schweizer Vorlage herausgearbeitet. Unter Mitwirkung namhafter Juristen wurde sie der neuesten Rechtsprechung angepasst. Im April 1997 hat der damalige Justizminister von Baden-Württemberg erstmals zur Gültigkeit von Patientenverfügungen Stellung genommen. Die Böblinger Patientenverfügung wurde als rechtlich einwandfreies Formular empfohlen. Zur Abgrenzung von unseriösen Formularen haben Kreisseniorenrat und Landratsamt beschlossen, die Böblinger Patientenverfügung urheberrechtlich zu schützen. Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits 120 000 Exemplare des Formulars vom Böblinger Kreisseniorenrat verschickt. Heute liegt die Nachfrage bei rund 20 000 Verfügungen pro Jahr. Insgesamt wurden schon weit über eine halbe Million Patientenverfügungen in ganz Deutschland verteilt.

Pro Jahr informieren sich rund 3000 Menschen über die Papiere

In den letzten Jahren wurde die Patientenverfügung weiter entwickelt und in bisher 36 Großveranstaltungen mit einem Arzt, einem Notar, der Betreuungsbehörde und dem Kreisseniorenrat erläutert und empfohlen. Mittlerweile wurde auch eine Vorsorgevollmacht herausgegeben und verteilt. Die Veranstaltungen zum Thema Vorsorge und Verfügungen sind sehr gut besucht. So haben beispielweise in Holzgerlingen im vergangenen September rund 620 Personen teilgenommen. Etwa 3000 Teilnehmer können pro Jahr informiert werden. Im Jahr 2011 gab der Kreisseniorenrat eine 60-seitige Vorsorge-Broschüre heraus, von der rund 45 000 Exemplare verteilt wurden. Eine dritte Auflage ist in Vorbereitung.

Der Eintritt zur Jubiläumsveranstaltung am 2. Mai in der Sindelfinger Stadthalle ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Beginn ist um 18 Uhr, Einlass ab 17 Uhr. Im Foyer werden sozial orientierte Organisationen und Vereine ihre Angebote und Dienstleistungen präsentieren.

Verwandte Artikel