Statistik: Gewalt gegen Polizisten nimmt zu

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    Die Zahl der Einbrüche im Landkreis Böblingen ist im vergangenen Jahr gesunken - die Maßnahmen der Polizei, auch in Sachen Prävention, haben erste Früchte getragen Foto: Archiv
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    Insgesamt 45 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte gab es 2016 mi Vergleich zum Vorjahr - eine Steigerung von über 16 Prozent. Symbolbild: SDMG

Artikel vom 10. April 2017 - 12:02

KREIS BÖBLINGEN (red/dih). Die Kriminalitätsbelastung in seinem Zuständigkeitsbereich ist, gemessen an der Häufigkeitszahl (Anzahl der Fälle pro 100 000 Einwohner) weiter zurückgegangen. Die Gesamtzahl der Straftaten ist rückläufig, und "gleichzeitig konnten wir die Aufklärungsquote mit 61,4 Prozent auf den Höchstwert im 10-Jahres-Vergleich steigern", so Rebholz.

Ganz besonders freut sich Rebholz, dass die intensiven Bemühungen bei der Bekämpfung des Wohnungseinbruchs sowohl Früchte getragen haben. "Nachdem wir den sprunghaften Anstieg der Fallzahlen 2015 bereits deutlich abfedern konnten, sind die Einbruchszahlen im vergangenen Jahr um über 19 Prozent zurückgegangen".

Große Herausforderungen für die Polizei sieht Rebholz weiterhin vor dem Hintergrund der Zuwanderungssituation. "Das Netzwerk der mit der Zuwanderungsthematik befassten Akteure, in das wir uns beispielsweise mit den Kontaktbeamten der Polizeireviere und mit verschiedenen Präventionsangeboten einbringen, leistet sehr gute Arbeit", meint er einerseits - verschweigt dabei aber nicht, dass die Zahl der als Tatverdächtige ermittelten Asylbewerber oder Flüchtlinge im Vergleich zum Vorjahr auch in den Kreisen Ludwigsburg und Böblingen deutlich angestiegen ist. Doch auch diese Zahlen müsse man differenziert betrachten, Rebholz warnt vor einer generellen Kriminalisierung von Flüchtlingen. "Deutliche Zuwachsraten haben wir etwa im Bereich der Rohheitsdelikte zu verzeichnen. Körperverletzungsdelikte wurden aber ganz überwiegend untereinander begangen und sind häufig den Unterbringungsverhältnissen in größeren Unterkünften geschuldet und gingen nicht selten mit Alkoholkonsum einher."

Als "völlig inakzeptabel" bezeichnet Rebholz hingegen die erneute deutliche Zunahme der Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte. "Ein Anstieg von 270 auf 315 registrierte Fälle innerhalb eines Jahres ist ein deutliches Zeichen dafür, dass unsere Apelle für mehr Respekt gegenüber unseren Einsatzkräften nicht gefruchtet haben. Wir begrüßen daher den Gesetzentwurf, der eine härtere Bestrafung von Gewaltaktionen gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte vorsieht und werden jede Form von Gewalt konsequent zur Anzeige bringen".

"Professionelle Arbeit gelingt am besten in einem professionell gestalteten Arbeitsumfeld", erklärt der Chef des Polizeipräsidiums im Hinblick auf den geplanten Neubau des Führungs- und Lagezentrums (FLZ) am Standort in der Ludwigsburger Friedrich-Ebert-Straße. "Das FLZ ist das Herzstück des Präsidiums. Sowohl im täglichen Dienst als auch zur Bewältigung von größeren Einsatzlagen muss es hohen Anforderungen sowohl an die räumliche als auch an die technische Ausstattung genügen. Nach der Zusammenführung der Polizeidirektionen Böblingen und Ludwigsburg mit Umsetzung der Polizeireform konnte das bestehende FLZ in Ludwigsburg nicht mehr als eine Interimslösung sein. Daher freut es uns sehr, dass das im Zuge der Evaluation der Reform zunächst zurückgestellte Neubauvorhaben nunmehr freigegeben wurde", so Rebholz, der noch im Sommer dieses Jahres mit dem Beginn der Baumaßnahmen rechnet.

Nur den Landkreis Böblingen betrachtet, ist die Zahl der Gesamtstraftaten indes von 16 921 auf 17 623 Fälle gestiegen. Die Aufklärungsquote der Gesamtstraftaten hat sich derweil von 62,1 auf 63,3 Prozent auch im Landkreis verbessert.

Betrachtet man, wer die Strafen verübt hat, berichtet die Polizei von 8318 Tatverdächtigen, das sind 125 mehr als noch im Jahr 2015. Damit einher geht auch ein Anstieg des Antteil von nichtdeutschen Tatverdächtigen: Hier zählte die Polizei 348 - im Jahr 2015 waren es noch 3278. 794 Tatverdächtige werden davon dem Bereich Asylbewerber/Flüchtlinge zugeordnet, das sind 199 mehr als noch vor einem Jahr. Der Ausländeranteil unter den Tatverdächtigen ist insgesamt um 1,8 Prozent auf 41,8 Prozent gestiegen.

Weniger jugendliche Täter verüben wachsende Anzahl von Straftaten

Eine besondere Entwicklung gibt es im Bereich der Jugendkriminalität: So gab es 2016 unter Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden jeweils weniger Tatverdächtige als noch im Jahr zuvor - die jedoch zeigen sich für einen Zuwachs an Straftaten verantwortlich. So sank im Bereich der Jugendlichen die Zahl der Tatverdächtigen von 886 auf 856, verübt worden sind von diesen 1296 Straftaten, 2015 waren es noch 1202.

Einen signifikanten Anstieg von 146 auf 180 Fälle gab es im vergangenen Jahr auch im Bereich, der bei der Polizei den Namen "Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung" trägt. Darunter gab es 102 angezeigte Fälle sexuellen Missbrauchs, 2015 waren es noch deren 77. Zudem wurden deutlich mehr Beleidigungen auf sexueller Grundlage registriert - hier kletterte die Fallzahl von 182 auf 209.

Deutlich zugelegt haben laut Polizeistatistik im Landkreis auch Rohheitsdelikte: Die Zunahme von 2528 auf 2909 Fälle bedeuten einen Zuwachs von 15,1 Prozent. Die meisten davon fallen unter den Begriff "Körperverletzungen" wo die Polizei 2226 Fälle feststellte, im Jahr zuvor waren es noch 1852. Doch auch in Sachen Gewaltkriminalität gab es einen Anstieg zu verzeichnen, die Fallzahl kletterte hier von 450 auf 481.

Prozentual mit an der Spitze der Fallzahlen, bei denen der größte Zuwachs zu beklagen ist, ist auch im Landkreis Böblingen der Bereich "Gewalt gegen Polizeibeamte": Hier gab es, trotz aller Appelle von Polizeipräsident Rebholz im vergangenen Jahr einen erneuten Anstieg um 31,5 Prozent. Insgesamt 196 Mal (2015: 149 Mal) sind Polizisten tätlich angegangen worden - und das, betrachtet man die kompletten Fälle im Bezirk der Polizeidirektion Ludwigsburg, überwiegend von Erwachsenen mit deutschem Pass, gefolgt von erwachsenen Nichtdeutschen. Sorgenvoll blickt die Polizei hier aber auch auf die Altersgruppen "Jugendliche" und "Heranwachsende": Die Fallzahlen insgesamt bewegen sich zwar noch auf deutlich niedrigerem Niveau, allerdings gab es bei beiden jeweils rund 50 Pozent mehr Fälle.

Einen Silberstreif am Kriminalitätshorizont gibt es in der Rubrik "Straftaten gegen das Leben" zu vermelden: Insgesamt gab es 2016 einen Rückgang von 18 auf zehn Fälle, darunter ein Mord (2015: 3) und sechs Mal Totschlag (2015: 12).

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