Böblinger Innenstadt: Viel geschafft, viel zu tun

Spaziergang mit der Böblinger Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger zu Baulücken, Brachflächen und Hoffnungsträgern zwischen Bahnhof und Oberem See

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    Mit der Flaniermeile zufrieden, in der Findungsphase für den Schlossbergring: Die Böblinger Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger Foto: Simone Ruchay-Chiodi

Panta rhei - alles fließt, sagten die alten Griechen. Trifft das auch auf die Böblinger Innenstadt zu? Die KREISZEITUNG ist mit der Baubürgermeisterin mal in die Rolle eines Sonntagsspaziergängers geschlüpft und ist städtebauliche Schwachstellen und Aushängeschilder zwischen Bahnhof und Oberem See abgelaufen.

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Spaziergang mit Baubürgermeisterin Kraayvanger
Spaziergang mit der Böblinger Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger zu Baulücken, Brachflächen und Hoffnungsträgern zwischen Bahnhof und Oberem See
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Artikel vom 15. März 2017 - 17:29

Von Jan-Philipp Schlecht

Flaniermeile. Seit rund zweieinhalb Jahren erfreut sich Böblingen nun an seiner neuen Fußgängerzone. Diese ist der ganze Stolz von Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger, die darin eine enorme Aufwertung des Bahnhofsviertels sieht. In der Tat kann sich die vom Bahnhof aus gesehen linke Seite durchaus blicken lassen: Der Shopping-Tempel Mercaden bespielt die erste Fläche bis zur Wilhelmstraße, danach gibt es keine Leerstände und durchweg ansprechenden Ladenbesatz. Anders auf der rechten Seite: Hier herrschen derzeit Baulücken und Leerstände vor. Kaum einer wird widersprechen: Hier muss sich gewaltig etwas tun.

Postgebäude. Die Mietverträge mit der Post in dem Gebäude gegenüber dem Bahnhof laufen noch bis 2018/19, sagt Baubürgermeisterin Kraayvanger. Erst danach kann die Stadt, beziehungsweise die Böblinger Baugesellschaft (BBG) als Eigentümerin, dort tätig werden. Gut möglich, dass die bestehenden Mauern fallen werden, um für etwas gänzlich neues Platz zu machen. "Wir brauchen an dieser Stelle im Erdgeschoss freilich einen Frequenzbringer", sagt Kraayvanger. Hierfür will sie das Erdgeschoss anders öffnen. Außerdem wünscht sie sich auf dem Postareal mehr Geschosse und eine andere Gestaltung des Gebäudes insgesamt.

Der inoffizielle Taxistand zur Talstraße hin wird dann schon längst an seinen eigentlichen Bestimmungsort umgezogen sein: Auf der Bahnhofsseite bei den Kurzzeitparkplätzen.

Krauß-Areal (1). Nachdem an der Hausnummer 25 in der Bahnhofstraße jahrelang das ehemalige Krauß-Gebäude vor sich hin siechte, tat es 2016 endlich einen Ruck: Die Böblinger Immobilienunternehmerin Bärbel Bahr hat das Filetstück nach dem Abriss des alten Krauß-Kaufhauses gekauft. Angedacht ist ein mehrgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus mit einer Ladenfläche im Erdgeschoss. "Hier sind wir in einem ganz normalen Genehmigungsprozess", sagt Kraayvanger und gibt sich zuversichtlich, dass bald mit dem Bau gestartet wird.

Klett-Areal (2). Nach dem Umzug des Reformhaus Klett ins Einkaufszentrum und dem endgültigen Ladenschluss der anderen Mieter dämmert die Häuserzeile ihrem Abriss entgegen. Der Eigentümer ist nach den Querelen um den zwischenzeitlichen Besitzer Gürkan Akpinar mittlerweile die Frankfurter Immobilienfirma Goldstein Real Estate. Auf Nachfrage bestätigt Geschäftsführer Erhard Ellenberger, dass er in den Startlöchern steht. Aktuell stimmt er mit der Stadt Böblingen letzte Änderungen an dem städtebaulichen Vertrag ab. Erst danach wird ein Bebauungsplan erstellt und die Baugenehmigung erteilt. Die Vorarbeit ist schon geleistet, weshalb dieser Prozess auch beschleunigt werden kann.

Dennoch: "Von da an dürfte es noch rund drei Jahre dauern, bis das Gebäude fertig ist", sagt Ellenberger. Der Unternehmer plant im Erdgeschoss eine Ladenfläche sowie darüber und dahinter Wohnungen. Die Brachfläche mit Holzschuppen und Garagen gehört dann der Vergangenheit an und dürfte eine deutliche Aufwertung erfahren, ist sich auch Christine Kraayvanger sicher.

Kreissparkasse (3). Stolz bleibt die Bürgermeisterin vor dem schon 2013 eröffneten Neubau der Kreissparkasse stehen. "Hier haben wir gemeinsam wirklich etwas bewirkt", sagt sie. Zwar wirkt die lange Fensterfläche der Schalterhalle für viele auf den ersten Blick dunkel und unbelebt. Doch die Baubürgermeisterin verteidigt die Idee, ein großzügiges Entrée für alle zu schaffen, die Geld abheben oder ihre Bankgeschäfte erledigen wollen. "Geldautomaten sind echte Frequenzbringer, das darf man nicht unterschätzen", sagt sie.

Außerdem ziehe mit der Buchhandlung Vogel ein inhabergeführtes Ladengeschäft ebenfalls Laufkundschaft an. Und die Filiale von Binder Optik, die gestern Eröffnung feierte, sei ein zusätzlicher Pluspunkt auf der Flaniermeile, sagt Kraayvanger.

Elbenplatz mit Foto Kurz (4). Wer am Elbenplatz an der Fußgängerampel steht, sich halb umdreht und den Kopf in den Nacken legt, sieht, dass das Gebäude von Foto Kurz derzeit eine Schönheits-OP spendiert bekommt. Die Fassade ist komplett eingerüstet und man darf gespannt sein, wie sich der Bau bald präsentiert. Eigentümer Thomas Kurz sagt zu den Gründen für die Fassadensanierung: "Wir haben das Gebäude seit Jahren immer wieder renoviert, jetzt ist die energetische Sanierung der Fassade samt neuer Fenster dran."

Der Besitzer des gleichnamigen Fotogeschäfts verrät nicht, welche Farbakzente er an der neu gestalteten Fassade setzen will. Nur soviel: "Das wird sicher nicht aussehen wie ein anonymes Bürogebäude."

Uferpromenade (5). Vor dem Café Frechdax lässt sich erkennen, auf welchem Bodenbelag das Fußvolk hier bald spazieren und radeln darf. Die Tische des Cafés stehen bereits auf jenem hellen und pflegeleichten Asphalt, den die Stadt bald großflächig an der Promenade verlegt. Der sandgeschlämmte und ständig von Matschpfützen durchzogene Schotterbelag muss weichen - aus ästhetischen und praktischen Gründen.

Das obenstehende Bild zeigt eindrücklich, dass der Gemeinderat mit dieser Entscheidung nicht ganz daneben liegt. Auch wenn der neue Boden die Stadtkasse einmalig mit 186 000 Euro belasten wird.

Seestudio (6). Einen Steinwurf weiter den See entlang ist das leerstehende Seestudio alles andere als ein Hingucker. "Bei diesem Gebäude hat es allein der Eigentümer in der Hand, etwas daraus zu machen", sagt Kraayvanger. Doch auch viel Bitten und Betteln vonseiten der Stadt hätten bisher nichts genutzt. Stand jetzt ist keine Besserung in Sicht.

Folgt man gedanklich den Fußgängern vom Elbenplatz am See entlang, schreit das Gebäude geradezu nach einer Aufwertung: Ein Plätzchen, wie geschaffen für eine Gastronomie samt Außenbestuhlung. Hohe Bäume spenden Schatten, Parkplätze sind in der Tiefgarage der Kongresshalle in Hülle und Fülle vorhanden - und das Gebäude wäre von dort aus über die stählerne Fußgängerbrücke an der Wassertreppe schnell erreicht.

Kongresshalle (7). Ebenjene Brücke ist es auch, die Passanten zur derzeit wenig genutzten Terrasse des "Neuberth's am See" locken könnte. Die Betonung liegt allerdings auf "könnte". Denn der Weg dorthin ist derzeit wenig bis gar nicht einladend. An diesem Hintereingang der Kongresshalle parkt ein Lieferwagen nebst Müllcontainer. Die Wände an dem Aufgang zum Restaurant sind kahl und abweisend, und am dortigen Rand des Unteren Sees schwimmen weggeworfene Plastikflaschen und Getränkedosen. "Das kann sich definitiv die Stadt in ihr Hausaufgabenheft schreiben, die Situation hier zu verbessern", sagt Kraayvanger. "Immerhin ist die Kongresshalle ja durch die CCBS in städtischem Besitz." Das Argument, hier auf den Eigentümer nicht einwirken zu können, zieht also nicht.

Klaffensteinstraße 12 (8). Der kurze Spaziergang endet jenseits des Seegärtles hinter dem Treff am See. Bis zum vergangenen Jahr stand etwas weiter hinten noch ein unübersichtliches Ensemble aus Eiscafé, Gartenlaube und Wohnhaus. Dieses fiel den Baggern des Böblinger Bauunternehmers Ralf Sklarski zum Opfer, der das Grundstück gekauft hat und derzeit neu bebaut. Passend zum angrenzenden Bestand wird der Neubau vier Geschosse hoch sein und auf einer ebenerdigen Parkgarage aufsitzen.

"Ich wollte bewusst keine Tiefgarage an der Stelle, da es hier Probleme mit dem Grundwasser gibt", sagt Sklarski. In eine der acht Wohnungen will er selbst einziehen. Das Mehrfamilienhaus blickt auf den Oberen See und soll zu dieser Seite hin ansprechend gestaltet sein.

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