Mit Schlag niedergestreckt: 2400 Euro Geldstrafe

Urteil am Böblinger Amtsgericht: 26-Jähriger muss nach Schlag ins Gesicht eines vermeintlichen Aggressors zahlen

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    Mit einem Faustschlag hat ein 26-Jähriger einen 28-Jährigen niedergestreckt. Dafür muss er nun eine saftige Geldstrafe bezahlen Foto: Archiv

Ein 26-Jähriger ist vor dem Böblinger Amtsgericht zu einer Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro verurteilt worden, weil er nach einem Festbesuch in Weil im Schönbuch einen 28-Jährigen mit einem Schlag niedergestreckt hat. Vorausgegangen war ein Konflikt, der sich schwer nachvollziehen lässt.

Artikel vom 17. Januar 2017 - 14:12

Von Otto Kühnle

BÖBLINGEN. Am Ende der Handballnacht in Weil im Schönbuch flogen die Fäuste, zumindest eine. Die landete im Gesicht eines 28-Jährigen, der zur frühen Morgenstunde gegen 2 Uhr ordentlich einen in der Krone hatte. Zumindest legt dies der Alkoholtest mit 1,4 Promille nahe. Dass das Opfer aber die Freundin des 26-Jährigen, der den Böblinger niederstreckte, angemacht haben und damit den Konflikt ausgelöst haben soll, dies blieb vor Gericht doch im Vagen. Auch die vermeintliche Aggressivität des Opfers als auslösendes Moment für den gezielten Schlag ins Gesicht wurde vor Gericht nicht so recht deutlich.

Der, der da in der frühen Morgenstunde zugelangt hatte, wollte den Strafbefehl über 40 Tagessätze zu 60 Euro nicht akzeptieren. Weswegen das Geschehen vor Richter Werner Grolig mit Zeugen noch einmal aufgerollt wurde. Demnach gerieten die beiden Kontrahenten schon in der Halle aneinander, es soll einen ersten Schlag gegeben haben, von hinten, von der Seite. Was der 26-jährige Angeklagte abstritt und auch niemand gesehen hatte. Denn schnell trennte die Security die Parteien. Das spätere Opfer begab sich dann nach draußen. Der Angeklagte folgte wenig später. Und traf dabei erneut auf den 28-Jährigen. Der sei "aggressiv auf ihn zugekommen", sagte er aus, seine Freundin und deren Freundin hätten Angst bekommen. Deshalb streckte er den Betrunkenen nieder. Ein Schlag reichte, der ging in die Knie, war wohl auch kurz weg. Rappelte sich aber auf, wie der 26-Jährige beim Blick zurück sah. Er ging nach Hause.

Doch die Anzeige folgte auf dem Fuß. Das aber wollte er so nicht auf sich sitzen lassen. Nachdem der Richter die Zeugen vernommen hatte, kam er nur zu einem Schluss: "Dass hier gelogen wird, ist sonnenklar, eine Version ist falsch." Sollte es sich dabei um die Version des Angeklagten und seiner Freundin handeln, "wäre dies fatal", deutete er nach der Vernehmung an. Denn die Freundin konnte die angebliche Anmache nicht so beschreiben, dass der Richter davon überzeugt wurde. Bei einem Urteil, ließ er durchblicken, könnte es deshalb noch teurer kommen.

"Dieses Friedensangebot würde ich sofort annehmen"

Der 26-jährige Angeklagte und sein Anwalt bestanden aber auf der Vernehmung weiterer Zeugen. Doch auch der zweite Termin am Amtsgericht brachte in das Tatgeschehen nicht mehr Licht. Vor allem konnte niemand eine Notwehrsituation schildern, die dem Angeklagten wohl alleine genützt hätte. Richter Werner Grolig war dann "kurz vor dem Platzen", die Staatsanwältin stellte fest, dass er ja nicht zuzuschlagen brauchte und kündigte ihrerseits einen Zuschlag an: "Ich gebe ihnen ganz kurz Zeit, dann werde ich eine höhere Geldstrafe beantragen."

Der Angeklagte unternahm daraufhin einen letzten Versuch: "Das regt mich so auf, dass man mir nicht glaubt." Was der Richter Grolig konterte: "Selbst nach ihrer Einlassung haben Sie sich strafbar gemacht." Mit Blick auf das Angebot der Staatsanwaltschaft legte er dem 26-Jährigen ans Herzen: "Dieses Friedensangebot würde ich sofort annehmen." Die Beratung vor dem Sitzungssaal fiel dann doch recht kurz aus. Zähneknirschend nahmen Mandant und Verteidiger schließlich den Strafbefehl an. Und der knackige Schlag wurde doch nicht teurer.

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