Herausforderung, aus vielen Stilen ein Gesamtbild zu schaffen

Der Kunstverein "Freies Gestalten" hat am Wochenende sein 40-jähriges Bestehen mit einer Ausstellung in der Burg Kalteneck in Holzgerlingen gefeiert

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    Gemeinsamer Auftritt in Holzgerlingen: Beim Kunstverein "Freies Gestalten" sind die Frauen eindeutig in der Überzahl Foto: Volker Winkler

Artikel vom 06. März 2016 - 19:12

Von Carina Frey

HOLZGERLINGEN. "Ein besonderer Geburtstag verdient einen besonderen Rahmen", begrüßte die Vorsitzende Magdalena Schmitz am Freitag die Kunstinteressierten. Zur Eröffnung der Jubiläumsausstellung herrschte ein großer Andrang in den Räumlichkeiten der Burg Kalteneck. In insgesamt sechs Ausstellungsräumen zeigten die Mitglieder des Vereins "Freies Gestalten" Kunstwerke vielfältigster Art und Materialität: Acryl auf Leinwand, farbenfrohe Lacktechnik, kleine Skulpturen, Fotografien und handgearbeiteten Silberschmuck. Drei Mitglieder des Jungen Streichorchesters Weil im Schönbuch untermalten die Vernissage musikalisch.

Das 40-jährige Bestehen nahm Magdalena Schmitz zum Anlass, die Vereinsgeschichte kurz Revue passieren zu lassen. Besonders stolz sei sie darauf, dass mit Heidrun Jahn und Lothar Jachmann zwei der Gründungsmitglieder noch immer tatkräftig kreativ und organisatorisch mitschafften. "Wir sind ein Verein auf der Höhe der Zeit. Eine Frauenquote haben wir nicht nötig", meinte die Vorsitzende augenzwinkernd. Im Gegenteil, momentan ist Mitbegründer Jachmann der einzige Mann in dem Kunstverein.

Bei seinen Exponaten lohnt es sich, genau hinzuschauen, vor allem beim Gemälde mit dem genial-komischen Titel "Geier hinter'm Schleier". "Wenn man einen Schritt zurücktritt, erkennt man hier nicht nur einen Geier, sondern auch einen Menschen, der sich hinter dem gefleckten Schleier versteckt", erläuterte Lothar Jachmann, was es mit dem Bild auf sich hat.

Neben der Pinselbeherrschung verfügt der Holzgerlinger auch über handwerkliches Geschick. Zwei kleine Skulpturen stellen eine Ballerina und einen Waldgeist dar. Das Besondere an den Ausstellungsstücken ist, dass sie aus Alltagsmaterialien hergestellt wurden. "Für die Ballerina habe ich unter anderem Glöckchen vom Christbaum verwendet, und zu dem Waldgeist hat mich ein Stück Holz inspiriert, das ich beim Spazierengehen gefunden habe", zählte Jachmann auf. An kreativen Ideen mangelt es den Ausstellern keinesfalls.

Bürgermeister Wilfried Dölker lobte in seiner Gratulationsrede die Vielfalt des Vereins und die Kraft, ein gemeinsames Ganzes zu schaffen: "Sie bringen unterschiedliche Stile zusammen. Das zeigt, dass gerade auch Kunst und Kultur Integration schaffen können", stellte Dölker nicht zuletzt in Bezug auf die aktuelle Flüchtlingssituation fest. Aus so vielen verschiedenen Stilen und Techniken ein stimmiges Gesamtbild zu schaffen, ist allerdings auch bezogen auf die Kunstausstellung gar nicht so einfach: "Man muss eben eine gewisse Auswahl an Werken treffen, die sich untereinander ergänzen. Da kommt es leider auch mal vor, dass vielleicht ein Lieblingswerk nicht ausgestellt wird", erläuterte Lothar Jachmann die kuratorische Komponente einer solchen Ausstellung. Mit ihrem farbenfrohen Gemälde "Stardust" ist der Holzgerlingerin Rita Olma ein wahrer Blickfang gelungen. Die Mischtechnik-Arbeit sieht aus wie ein Blick in den Weltraum, wo kleine gelbe und rote Partikel sich wie Sterne vor einem aquamarinblauen Hintergrund zusammenfinden. Die Malerei begleitet sie, so lange sie denken kann: "Ich male schon immer, anfangs eher gegenständlich, mittlerweile hauptsächlich abstrakt", erzählte Rita Olma, die seit über 35 Jahren Mitglied im Kunstverein ist.

Tiffany-Glaskunst, dann Sizilien in Acryl und schließlich Silberschmuck

Durch das breite Spektrum an ausgestellten Werken fiel bereits während der Vernissage immer wieder ein neues Exponat ins Auge, das man zuvor nicht wahrgenommen hatte: ein Spiegel aus Tiffany-Glaskunst, die bunte Küstenlandschaft Siziliens in Acrylfarben oder handgefertigter Silberschmuck mit Brillanten verziert. Gerlinde Kienzle hat erst vor Kurzem einen neuen Stil für sich entdeckt, die Lacktechnik. "Dabei gießt man einfach verschiedene Farben auf die Leinwand und lässt sie ineinander fließen", erklärte die Böblingerin. Mit gutem Auge und kreativen Ideen lassen sich darin fantasievolle Strukturen und manchmal sogar Gegenständliches erkennen, wie das Werk "Der bunte Vogel" beweist. Und woher weiß man, wann ein Gemälde fertig ist? "Ich spüre das wirklich innerlich, plötzlich ist das Bild stimmig und ergibt einen Sinn", berichtete sie von ihrem Schaffensprozess.

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