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Im dritten Anlauf bei der dritten Partei

Landtagswahl 2016: Dr. Markus Widenmeyer tritt im Wahlkreis Böblingen/Sindelfingen für die AfD an

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    Dr. Markus Widenmeyer: Aussagen der AfD-Spitzen Björn Höcke und Frauke Petry heiße er als Christ nicht gut, "aber nicht alle Menschen sind perfekt" Foto: Thomas Bischof

Für Markus Widenmeyer ist die AfD eine Partei, die "christlich abendländische Werte hoch hält". Wenn der Flüchtlingszustrom aber anhält, dann plädiert er dafür, "die EU-Grenzen dicht zu machen, wenn es keine europäische Lösung unter Einbeziehung der USA gibt".

VON OTTO KÜHNLE

Artikel vom 19. Februar 2016 - 04:33

BÖBLINGEN. Ein politisch unbeschriebenes Blatt ist der Chemiker aus Schönaich nicht. Bereits 2006 und 2011 stand sein Name auf den Wahlzetteln. Zunächst für die Partei bibeltreuer Christen (PBC), dann für die AUF-Partei. Christlich-fundamentale Positionen vertraten beide, bei der AUF war er stellvertretender Vorsitzender, arbeitete programmatisch. Doch die schwache Mitgliederentwicklung, die "keine Chance auf parlamentarische Verantwortung" versprach, ließ ihn 2015 in die AfD wechseln. Den Ausschlag dafür gaben Bernd Lucke und Olaf Henkel, die wegen der rechten Ausrichtung der AfD die ALFA gründeten. "Es gab keine programmatische Änderung, nur eine personelle", Lucke sei autokratisch aufgetreten, nicht demokratisch. Die christlich-konservative Ausrichtung aber sei geblieben.

Darunter versteht der 42-Jährige eine klare Orientierung gegenüber Familien. Eltern hätten ein natürliches Recht auf Erziehung, das zu kurz komme. "Mit meinen Steuergeldern werden Krippen finanziert", sollen Eltern zumindest finanziell nicht schlechter gestellt werden, wenn sie staatliche Einrichtungen nicht nützten. Auch gegen die "Bagatellisierung der Schwangerschaftsabbrüche" wendet sich der Schönaicher, will zwar "kein rigoroses Abtreibungsverbot, aber Hilfestellung für die Frauen".

Wie sich denn Aussagen von prominenten Parteimitgliedern wie Björn Höcke und Frauke Petry mit dem christlichen Weltbild vereinen lassen? "Ich heiße das als Christ nicht gut, aber nicht alle Menschen sind perfekt", distanziert er sich vorsichtig. Manche Aussagen von Höcke "hätte ich so nicht getätigt, die von Petry anders formuliert". Aber Rassismus sei das noch nicht. Denn, dreht er den Spieß um, wenn mit demselben Maßstab gemessen werde, müsste es auch einen Aufschrei geben, wenn man die AfD als Rattenfänger bezeichne. Schließlich seien die Menschen, die der AfD folgten ja keine Ratten. Da sei die AfD Opfer des politischen Diskurses, der sich von einem verzerrten normativen Gefüge leiten lasse, insofern "sind wir Opfer", verweist er auf die falsche Political Correctness. Er könne "nicht alles zu 100 Prozent mit seinen christlichen Positionen vereinbaren", aber keine Partei decke die eigene Meinung zu 100 Prozent ab. Die AfD sei aber die beste Option.

In der Flüchtlingsfrage sei die ethische Rolle des Staates eine andere als die der Kirchen und Privatpersonen. "Warum nehmen Frankreich, die USA und Großbritannien nicht mehr Flüchtlinge auf?" Diese Staaten hätten eine andere Abwägung getroffen als die deutsche Regierung, da gebe es einen großen Spielraum. Es gebe eine Obergrenze, die er nicht benennen könne. Doch wenige Hunderttausend über mehrere Jahre seien zu verkraften, "jetzt sind es deutlich zu viel". Es gelte zu schauen, ob Leute zu recht hier sind und dann nach Mitteln und Wegen zu schauen, sie dahin zurück zu bringen, wo sie hergekommen sind, wenn keine akute Verfolgungsgefahr droht. Die Grenzen müssten geschlossen werden, wenn es "keine europäische Lösung unter Einbeziehung der USA gibt". Schließlich seien die auch für die Entwicklung in Syrien oder Afghanistan verantwortlich.

Die AfD sei eine Partei, die christlich-abendländische Werte hochhält, die in der CDU vor 30 oder 40 Jahren noch zu finden gewesen seien. Da erhalte er viel Zuspruch von der CDU-Basis. Zugleich werde er als Nazi oder Faschist beschimpft, die Partei "in ungerechtfertigter Weise benachteiligt", weil Plakate heruntergerissen werden oder Plakatierer angegriffen würden. Zudem sei es schwierig, Räume zu finden. So habe eine Veranstaltung in Dagersheim mit Jörg Meuthen abgesagt werden müssen, weil die Stadt die Halle verweigerte. Auch in Gaststätten befürchte man Randale und verweigere Räume. Immerhin sei man für ein Bürgergespräch in Weil der Stadt im katholischen Gemeindehaus untergekommen.

Sollte die AfD in den Landtag kommen, werde man versuchen, mehr konservative Christen zu gewinnen. "Andere Parteien werden versuchen, uns zu radikalisieren", prognostiziert er mit Blick auf die neuen Bundesländer, "wo die Leute rauher unterwegs sind".

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