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"Es wächst eine Kultur des Miteinanders"

An der Böblinger Eduard-Mörike-Schule ist Ruhe eingekehrt - Ganztagsbetrieb ist gut angelaufen

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    An der Eduard-Mörike-Schule ist wieder alles im Lot: Der Ganztagsbetrieb läuft, die am Schulleben Beteiligten betonen ein sehr gutes Miteinander KRZ-Foto: Thomas Bischof

VON DIRK HAMANN

Artikel vom 25. November 2014 - 04:33

BÖBLINGEN. An der Böblinger Eduard-Mörike-Grundschule (EMS), die vor und während der Sommerferien noch stark in den Schlagzeilen stand, ist Ruhe eingekehrt. Am Montagnachmittag hat Böblingens Erster Bürgermeister Ulrich Schwarz bei einem Pressetermin vor Ort ganz nüchtern eine positive Zwischenbilanz gezogen: "Die EMS ist im Ganztagsschulbetrieb angekommen."

Noch vor wenigen Monaten ging's an der EMS drunter und drüber: Eltern sahen ihre in der Schulordnung verankerten Rechte verletzt, hatten sich unter anderem von der Rektorin aus dem Schulleben ausgegrenzt gefühlt und gleichzeitig eine starke Zunahme von Gewalt beobachtet. Um den Schulfrieden wieder herzustellen, entschied das Kultusministerium schließlich kurz vor Schuljahresbeginn, die Reißleine zu ziehen: Im Einvernehmen mit der damalige Schulleiterin Katrin Rombold wurde diese mit einer anderen Aufgabe betraut. Kommissarisch sprang Hans-Martin Schühle in die Bresche, übernahm eine Mammutaufgabe. Und scheint diese hervorragend bewältigt zu bekommen. Klagelieder gibt es an der EMS bislang keine zu vernehmen, auch die Umstellung auf den Ganztagesbetrieb verlief - trotz der widrigen Begleitumstände - viel glatter als erwartet. "Es gab am Anfang gleich sehr gute Gespräche mit Teilen aus der Elternschaft", unterstrich Schühle ein gutes Miteinander und dankte Dagmar Sattler, Abteilungsleiterin Schule und Sport bei der Stadt Böblingen, dafür, "eine wichtige Stütze" zu sein bei der Organisation des für den Ganztagsbetrieb, der nun mit Kindern ersten und zweiten Klasse begonnen worden ist, erforderlichen Programms. Das wiederum beinhaltet schon eine ganze Menge: Neben der Lernzeit, in der Kinder ihre Hausaufgaben erledigen und zusätzliche Förderung erhalten, gibt es Angebote von externen Partnern wie der Kindersportschule der SV Böblingen oder dem Harmonika Spielring Böblingen. Dazu kommt eine von Lehrkräften betreute Palette, die von Chor über Kochen und Backen bis hin zu einer Art Technik-Werkstatt reicht. Weitere Inhalte sollen mithilfe weiterer externer Partner hinzukommen, unter anderem mit der Kunst- und der Musikschule. Ziel sei es, im zweiten Halbjahr über ein noch abwechslungsreicheres Angebot zu verfügen. "Speziell den Jungs wollen wir noch mehr anbieten", sagte Schühle. "Ein paar Kracher brauchen wir da schon noch."

Insgesamt 80 Kinder, 40 pro Jahrgang, befinden sich an der EMS im Ganztagsschulbetrieb. Parallel dazu läuft der Hort-Betrieb wie gehabt unter der Leitung von Ingrid Wagner weiter. Und das reibungslos, wie alle aktuell am Schulleben Beteiligten betonen. Auch der seit kurzem an der EMS mit einer 50-Prozent-Stelle tätige Schulsozialarbeiter Matthias Pfaff ist gut an seiner neuen Arbeitsstätte angekommen. "Es wächst eine Kultur des Miteinanders", hat er beobachtet. "Ich bin toll aufgenommen worden, auch vom Kollegium. Eltern helfen mit, wenn Hilfe gebraucht wird. Wir haben eine gute Grundlage, um intensiv zusammenzuarbeiten", berichtete er. "Es geht hier nicht drunter und drüber, so wie ich nach den Berichten im Sommer noch befürchtet hatte. Auch wenn es noch genug zu tun gibt, keine Frage."

Konzept zur Gewaltprävention soll erstellt werden

Schulleitung, Kollegium und Schulsozialarbeiter haben unter anderem festgestellt, dass es an der EMS keine einheitliche Gewaltprävention mehr gab, keine einheitlichen Regeln. "Hier gab es kein einheitliches Konzept. Die Bedingungen waren sicherlich nicht optimal, um hier zu starten", stellte auch Schühle fest, ohne weiter in der Vergangenheit bohren zu wollen. Sein Blick richtet sich seit Amtsantritt nach vorne. Und er ist froh, dass er dabei die Eltern an seiner Seite weiß. "Der Schulauftakt wurde, soweit mir zugetragen, sehr positiv bewertet. Eltern haben das Gefühl, dass man gut zusammenarbeitet", erklärte Thomas Frommer, neu gewählter stellvertretender Elternbeiratsvorsitzender. "Bisher gab es nur positives Feedback. Und schöne Entwicklungen der Elternbeteiligung - zum Beispiel, dass die eingestellte Schulzeitung ,EMSle' nun wieder ins Leben gerufen ist."

Nach unruhigen Zeiten scheint, so der allgemeine Tenor, an der EMS überraschend schnell wieder alles in ruhigen Bahnen zu verlaufen. Mit all den kleinen Problemen und großen Vorzügen wie an jeder anderen gewöhnlichen Grundschule auch.

Und doch steht in nicht all zu weiter Ferne eine weitere Veränderung an: Hans-Martin Schühle zieht es wieder zurück auf seinen Posten ins Regierungspräsidium, der Schulleiterposten ist schon ausgeschrieben und die ersten beiden Interessentinnen haben sich bereits gemeldet. Wann über den erneuten Wechsel entschieden wird? All zu lange wird sich das Verfahren nicht ziehen, vermutet Hans-Martin Schühle. Er glaubt an einen "Zeitraum von drei bis sechs Monaten".

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